Fan Fiction-Challenge 2016 #8
#17

Titel: Der Tag der Ferkeleien
Autor: ich
Genre: Dramedy
Fandom: GGs
Pairing: ...
Rating: 0-99
Disclaimer: Ich habe keine Rechte an den Figuren und es kommt alles aus meiner Feder.
Sonstige Bemerkungen:



Ich wusste, es würde der Tag der Ferkeleien werden. Rosarot, quietschendrosarot, marzipanrosa.. nein, kein Marzipan.
Das wäre übertrieben, um nicht zu sagen, vollkommen überhaupt nicht akzeptabel.
Denn ich hasse Marzipan.
Trotzdem begann alles mit einem rosaroten Marzipanschwein. Naja, es war nur ein kleines, daher könnte man sagen, es war ein Marzipanferkel. Ein rosarotes, grinsendes Marzipanferkel, mit einer winzigen Schleife um den Hals, an der ein Kleeblatt hing.
Vermutlich erratet ihr, wann das war – natürlich, kurz vor Silvester.
Es lag in der Auslage der Bäckerei, zusammen mit 20 Artgenossen, und ich beschleunigte meinen Schritt, um diese Ferkelherde (sagt man Herde?) möglichst schnell hinter mir zu lassen, bevor mir die Übelkeit den Tag verdarb.

Das alte Jahr war rasend schnell zuende gegangen, wie es ja meist nach Weihnachten ist, plötzlich fliegen die letzten Tage an einem vorbei wie ein Tornado, also wie das Überschallflugzeug, nicht wie der Sturm – wobei, ja, man könnte auch den Sturm nehmen, aber ich hatte mir gerade einen Düsenjäger vorgeschnellt, mit einem feschen Piloten, der... okay, ich komme vom Thema ab.
Wo waren wir? Ohja, bei dem Tag, der der erste Tag im neuen Jahr war.
Es lag Schnee. Kein rosaroter, sondern eher hellgrauer, denn er lag schon 10 Tage und es war keine saubere Schicht dazugekommmen, um die angeschmuddelte zu verbergen. Hat schon mal jemand darüber nachgedacht, dass dieses Drüberschneien so ist, als würde man seine Dreckwäsche im Schrank unter der sauberen verstecken? Okay, das ist jetzt eklig.
Ich schweife schon wieder ab.

Ferkelrosa... das war der Gedanke, der mir durch den Kopf schoss, als mir kurz darauf Babette entgegenkam und ich ihren Wintermantel ansah. Wallend, mit Kunstpelz eingefasst und – ferkelrosa. Sie strahlte so glücklich über ihre Neuerwerbung, dass ich beschloss, die Straßenseite zu wechseln und bei Dose’s die Hauptstraße zu verlassen, um ihr Glück nicht durch eine unbedachte Bemerkung zu zerstören. Ich muss das Teil ja nicht tragen, sondern darf meinen schicken wollweißen Anorak weiter tragen, der so toll aussieht zu den Boots.
Irgendwie verschlug es mich durch dieses Ausweichmanöver in einen Teil unserer netten kleinen Stadt, wo ich schon lange nicht mehr gewesen war. Ich fand mich am südlichen Stadtrand wieder.
Dunkel erinnerte ich mich daran irgendwann einmal gehört zu haben, dass hier in früheren Zeiten viele Bauernhöfe gewesen waren, die dann nach und neuen Straßen und Häusern gewichen waren. Daran erinnerten noch die alten Straßennamen wie Cow’s Lane, Chicken Ave. und – ja, natürlich: Plötzlich stand ich in der Pink Piglet Passage.

Und man glaube es oder man glaube es nicht: Mitten auf der Straße zog sich eine Spur durch den hier noch recht weißen Schnee. Einsame Trippelspuren am Straßenrand kurz unter dem Rand des Bürgersteiges, also quasi im Rinnstein. Seltsame Spuren, wie ich sie noch nie gesehen hatte.
Und sie waren – rosa... jeder vierte Abdruck war rosa.... seltsam.
Etwas besorgt trat ich näher. Hatte sich ein armes kleines Hundchen am hart gefrorenen Schnee die Pfote verletzt? Mein Herz schmolz beim Gedanken, dass ein Kumpel von Paul Anka sich hier mit wunden Pfoten durch den Schnee geschleppt hatte und nun womöglich irgendwo blutend am Straßenrand lag...
Doch die Spuren waren definitiv nicht die eines Hundes, auch keiner Katze.
Sie sahen fast aus wie ein Huf, aber doch nicht ganz. In zwei versetzten Reihen zogen sich V-förmige Trippler, teils zartrosa gefärbte Eindrücke, durch den Rinnsteinschnee.

Das konnte doch nicht... sollte das etwa? Nach all den Jahren?
Wie magisch angezogen folgte ich der Spur die Straße entlang, immer weiter an den Stadtrand, bis zu einem Gebüschklumpen, der an die umgrenzenden Felder grenzte, die frosterstarrt unter dem eisengrauen Himmel lagen. Das sah nach neuem Schnee aus, dachte ich flüchtig.
Mir wurde langsam kalt und mich schauderte auch vor der Tatsache, dass ich hier gefährlich nahe an etwas war, was viel zu sehr nach Natur aussah. Natur... Wildnis... ihgitt.
Ich zog meinen schicken weißen Anorak enger um mich und seufzte. Was machte ich eigentlich hier, warum saß ich nicht mit einer Decke um die Füße vor meinem Fernseher und schaute herrlich uralte Folgen von “Schweinchen Dick”? Oder wie wäre es mit Babe?
Ähem, Moment mal, das handelte ja alles von Schweinen, wieso ...?
Ein Schwein. Die Spur gehörte zu einem Schwein.

Wieso ich das plötzlich wusste? Oh, kein Geistesblitz, keine Eingebung und schon gar kein verschüttetes Schulwissen.
Da saß es am Straßenrand.
Es saß. Ja, es saß. Und auf seinem Kopf saß ein lustiger Hut, sowas wie ein Zylinder, glitzernd rot mit einem grünglitzernden Hutband.
Um den Hals trug es eine Reihe Glöckchen. Wie Schlittenglocken, aber kleiner.
Nun wandte es den Kopf, und die Glöckchen bimmelten leise.
Es war klein, das wurde mir klar, je näher ich kam. Ein kleines Schwein. Ein Ferkelchen. Rosarot. Klein.

Wir starrten einander an, das Ferkel und ich. Ein Blick aus fast menschlichen Augen traf mich und hielt meinen Blick fest.
Einen langen Moment stand ich da, etwa drei Meter von ihm entfernt.
Durch meinen Kopf schossen Gedanken wie: Was macht ein Schwein hier? Ein Geisterschwein aus den Zeiten, wo die Pink Piglet Passage noch ihrem Namen gerecht wurde, weil durch sie hindurch die Schweine von den Bauernhöfen auf den Marktplatz getrieben wurden, wo heute der Pavillion stand? Wo man sie mit Stöcken vor sich her trieb, wo sie quiekten und ihre kleinen Füße wund wurden vom Rennen und ihr Rücken Striemen bekam von den Schlägen? Wo sie vor Angst und Schrecken nur rannten, kopflos, weil sie nicht wussten, was passierte?
Ich schüttelte mich kurz und kehrte zur Gegenwart zurück, hin zu pragmatischeren und logischen Erklärungen.

Hier hatten sich offenbar ein paar dumme Jungs einen Scherz erlaubt und das arme Ferkel so ausstaffiert, es war ihnen entkommen und nun saß es hier und konnte nicht mehr und fror entsetzlich. Wo hatten sie es hergeholt?
Es sah noch sehr jung aus. Sehr jung. Zu jung, um ohne seine Schweinemutter unterwegs zu sein.

Vorsichtig näherte ich mich und sprach dabei leise und beruhigend auf das Ferkel ein.
Es starrte mich furchtsam an und machte eine Fluchtbewegung, doch etwas hinderte es.
Ich kam näher und sah, was es war: Man hatte ihm am Schwanz ein dünnes Seil befestigt, am anderen Ende hingen noch Reste von Knallfröschen, und dieses Ende hatte sich um ein Hinterbein geschlungen während der wilden Flucht, und nachdem die Knaller losgegangen waren. Das Seil hatte sich auch ins Fleisch geschnitten, daher die rosaroten blutbetupften Spuren.

Ich setzte mich auf den Bordstein und nahm das Schwein hoch. Es zitterte vor Kälte und Furcht.
Vorsichtig entfernte ich das Seil von Bein und Schwanz, nahm den Hut und das alberne Glöckchenband ab und steckte beides ein. Dann suchte ich in meinen Tasche nach etwas, das ich um das verletzte Bein wickeln konnte, fand aber erstmal nur ein paar Papiertaschentücher, die wohl verkleben würden mit dem Blut und dann nur mit roher Gewalt wieder abzureißen wären.
Nein, das ging nicht.

Okay, was könnte ich noch nehmen? Vorsichtig knöpfte ich meine Jacke am Hals auf und zog mein Baumwollhalstuch hervor. Ich riss einen breiten Streifen ab und wickelte ihn um die Wunde. Irgendwie kam mir der barmherzige Samariter in den Sinn, aber der hatte einen halben Mantel für den Bettler geopfert, bei mir war es nur ein Stück Halstuch für ein Ferkelchen. Naja, jeden Tag eine gute Tat, heißt es bei den Pfadfindern, dafür reichte es wohl heute.
Ich stand auf, stopfte das Ferkel in meinen halb geöffneten Anorak und wanderte zurück in den Ort und zwei Straßen weiter zu Paul Ankas Lieblingstierarzt, der ihn damals vor der Schokoladenvergiftung gerettet hatte.
Er war weniger erstaunt als ich es erwartet hatte und es stellte sich heraus, dass der kleine rosarote Kerl in meiner Jacke schon vermisst wurde: Einer der fliegenden Händler, die beim Jahreswechselmarkt (Taylors Idee von einem Markt, der auch nach Weihnachten noch seine Berechtigung hatte, war gewesen, einfach das Schild “Weihnachtsmarkt” nach den Weihnachtstagen gegen eins mit der Aufschrift “Jahreswechselmarkt” auzutauschen und das Angebot der Händler rasant von Punsch und Weihnachtsdeko zu Silvesterhüten, Luftschlangen, Sektbowle und Feuerwerk zu ändern) – also einer der Händler, die sich auf diese Idee eingelassen hatten, hatte sein zahmes Schweinchen (dessen Mutter und Geschwister auf seinem kleinen Hof irgendwo im Nirgendwo warteten) mit diesem Hut ausgestattet.
Aber tatsächlich hatten einige dumme Bengel den zutraulichen kleinen Kerl entführt und mit ihm dieses grausame Spielchen mit den Glöckchen und den Knallfröschen getrieben, bevor es ihnen ausgerissen und verschwunden war.
Mit klammheimlicher Schadenfreude erfuhr ich, dass man die Rüpel allesamt gefasst hatte. Taylor hatte sie im Schnellverfahren zur Mitwirkung in Babetts Tanzstudio verdonnert, die gerade ein Ballett zum Thema Umweltschutz probte. Dort mussten sie ein paar habgierige Kapitalisten spielen – glaubt mir, eine Tracht Prügel wäre nichts gewesen gegen die Proben, wo man sie nun wochenlang treten, mit matschigem Kohl bewerfen und am Ende in stinkigen Ölfässern über die Bühne rollen und auf den Fässern trommeln würde!

Erleichtert ließ ich Pinky (ja, er hieß tatsächlich Pinky!) beim Tierarzt.
Die Sonne ging schon unter, der Himmel war ferkelrosa.
Ich lächelte zufrieden vor mich hin und freute mich auf den Abend vor dem Fernseher: Babe, Schweinchen Dick, Miss Piggy und Kermit, Schweine im Weltall – es gab viel Schweinisches zu sehen.... Luke würde staunen.

What's meant to be will come your way, what's not will fall away.
Zitieren


Nachrichten in diesem Thema
Fan Fiction-Challenge 2016 #8 - von ollibraun - 23.11.2016, 21:06
RE: Fan Fiction-Challenge 2016 #8 - von sweetGilmore - 24.11.2016, 22:39
RE: Fan Fiction-Challenge 2016 #8 - von Irina-J - 24.11.2016, 23:37
RE: Fan Fiction-Challenge 2016 #8 - von Abendstern - 25.11.2016, 15:07
RE: Fan Fiction-Challenge 2016 #8 - von ollibraun - 25.11.2016, 00:36
RE: Fan Fiction-Challenge 2016 #8 - von Irina-J - 25.11.2016, 20:02
RE: Fan Fiction-Challenge 2016 #8 - von Kiwi-Power - 25.11.2016, 21:42
RE: Fan Fiction-Challenge 2016 #8 - von sweetGilmore - 19.12.2016, 14:18
RE: Fan Fiction-Challenge 2016 #8 - von ollibraun - 19.12.2016, 21:48
RE: Fan Fiction-Challenge 2016 #8 - von Irina-J - 19.12.2016, 23:59
RE: Fan Fiction-Challenge 2016 #8 - von sweetGilmore - 23.12.2016, 13:01
RE: Fan Fiction-Challenge 2016 #8 - von Irina-J - 23.12.2016, 14:31
RE: Fan Fiction-Challenge 2016 #8 - von sweetGilmore - 23.12.2016, 15:57
RE: Fan Fiction-Challenge 2016 #8 - von Meffi - 23.12.2016, 19:53
RE: Fan Fiction-Challenge 2016 #8 - von ollibraun - 23.12.2016, 20:11
RE: Fan Fiction-Challenge 2016 #8 - von Irina-J - 23.12.2016, 20:24
RE: Fan Fiction-Challenge 2016 #8 - von Irina-J - 26.12.2016, 01:45
RE: Fan Fiction-Challenge 2016 #8 - von sweetGilmore - 30.12.2016, 20:24
RE: Fan Fiction-Challenge 2016 #8 - von ollibraun - 02.01.2017, 23:36
RE: Fan Fiction-Challenge 2016 #8 - von sweetGilmore - 03.01.2017, 17:01
RE: Fan Fiction-Challenge 2016 #8 - von Irina-J - 03.01.2017, 17:16
RE: Fan Fiction-Challenge 2016 #8 - von Meffi - 07.01.2017, 19:32
RE: Fan Fiction-Challenge 2016 #8 - von ollibraun - 08.01.2017, 21:42
RE: Fan Fiction-Challenge 2016 #8 - von Irina-J - 08.01.2017, 22:03
RE: Fan Fiction-Challenge 2016 #8 - von sweetGilmore - 09.01.2017, 14:04

Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste