04.06.2006, 21:35
Auch wenn ich dachte, es würde sich noch jemand zu einem FB hinreissen lassen. Es gibt heute, wie versprochen, nen neuen Teil.
Meine Stammleserschaft hat sich zumindest nicht verkleinert. Das ist doch auch schon was.
Weiss ja selbst dass, Non-GG-FF hier nen schweren Stand haben, aber soll ich euch mit ner miesen GG-Story quälen? Das kriege ich glatt auch noch hin, aber ich bin dann nicht so mit Herzblut dabei, wie bei der Geschichte. Also, es tut nicht weh und animiert mich zum weiterschreiben.:biggrin:
LG Emerson Rose
Diesen Teil widme ich Halliwell Paige, Karana und Chery. Danke
Teil 5
Als Sarah und Alyson um kurz vor sieben in der Küche erscheinen, ist diese wie leergefegt.
âWas denn, gibt es nichts zu essen?â Alyson ist erstaunt.
âHeute ist Selbstverpflegung angesagtâ, antwortet ihr Anthony, der gerade aus dem Garten kommt und aussieht, als hätte er mit Rasenmäher gekämpft und verloren. Ãberall an seiner Kleidung hängt Gras.
âWas denn Dad, du wirst deinen Prinzipien untreu und lässt uns einzeln essen. Woher kommt der plötzliche Sinneswandel?â Sarah lässt sich auf einem Küchenstuhl nieder und ist ganz Ohr.
âDawn übernachtet bei den Williams. Ihr habt auch etwas vor, also wollten Jenny und ich uns einen romantischen Abend machen. Und ich sollte schon längst anfangen zu kochen.â
âIch glaube, das wirst du wohl noch etwas verschieben müssen. Nicht nur du hast eine Dusche dringend nötig.â Alyson kann sich nur mit Mühe das Lachen verkneifen.
âSchau dich mal um.â Sarah hilft ihrem Dad auf die Sprünge.
âOh nein. Scoutch musst du auch mit allem spielen.â Der Golden Retriever steht hinter Anthony und schaut sein Herrchen unschuldig an. Ãberall in seinem Fell hängt Moos, Gras und nasser Sand. Alles Sachen, die Anthony in der letzten Stunde zusammengefegt hat.
âIch glaube wir gehen lieber in den Keller zum duschen, sonst lyncht mich Jenny, wenn ich dich Dreckspatz in die neue Badewanne stecke.â Mit diesen Worten scheucht Anthony Scoutch nach drauÃen zurück und Alyson und Sarah stehen immer noch ohne Abendessen da.
âAlso gut. Do it yourself.â Alyson durchstöbert das Eisfach und einige Schränke und befördert Brot, Butter, Wurst, Käse, Gurken, Tomaten und zum guten Schluss Salzbrezeln zu Tage.
âHast du schon eine Wahl getroffen?â
âIch weià nicht. Ich glaube gar nichts.â Sarah ist beim Anblick der Lebensmittel ganz weià im Gesicht geworden.
âTut mir leid, ich kann es nicht riechen. Ich nehme eine Brezel mit ins Wohnzimmer. Lass dir von mir den Appetit nicht verderben.â
So schnell es ihr kaputtes Knie erlaubt, stakst sie in die Stube und lässt sich auf die Couch fallen. Kurz danach hört man, wie das Sauerstoffgerät anspringt.
Unschlüssig steht Alyson nun allein in der Küche und schneidet sich schlieÃlich etwas Gemüse klein und eine Scheibe Schwarzbrot mit Käse dazu.
Als Anthony eine halbe Stunde später frisch geduscht und im Freizeitlook die Küche betritt, sitzt Alyson immer noch vor den Lebensmitteln und knabbert gedankenverloren an einer Scheibe Gurke.
âHey Al, nicht träumen. Wo ist Sarah?â Anthony setzt sich mit an den Tisch.
âIm Wohnzimmer. Sie ist mal wieder vor dem Essen geflüchtet.â
âDann hat sie sich wohl hingelegt. Ich habe niemanden gesehen.â
âDad?â
âWas ist?â
âIch habe Angst. Wird Sarah wirklich wieder gesund? Bis jetzt habe ich daran geglaubt, aber im letzten Jahr ging es immer weiter abwärts. Ich will meine einzige Schwester nicht verlieren.â Alyson`s Augen füllen sich mit Tränen.
âAch Schatz. Es ist für uns alle zurzeit sehr schwer. Doch solange die Ãrzte noch an eine Besserung glauben, sollten wir es auch tun. Ich weiÃ, dass du in den vergangenen Monaten zurückstecken musstest, aber ich liebe dich trotzdem genauso sehr wie Sarah. Vergiss das nie.â
âDas weià ich ja Dad.â Alyson nimmt das Taschentuch ihres Vaters entgegen und putzt sich geräuschvoll die Nase.
âOk, wenn du das nächste Mal eine Schulter zum anlehnen brauchst, komm gleich zu mir und friss nicht alles in dich rein. Das gibt nur Magengeschwüre. Glaub mir, ich weiÃ, wovon ich rede.â
âDanke.â Innig umarmt Alyson ihren Dad.
âSo und jetzt macht euch fertig für nachher. Ich räume hier auf.â Anthony scheucht Alyson aus der Küche und geht dann kurz rüber ins Wohnzimmer. Sarah liegt und hat die Augen dabei geschlossen, während der Sauerstoff aus dem Tank ihre Lungen füllt. Anthony setzt sich auf den Rand der Couch und nimmt Sarahs Hand.
âKeine Angst Dad. So schnell wirst du mich nicht los.â Sarah richtet sich umständlich auf. âAber wenn es nicht besser wird, muss ich zurück ins Krankenhaus, oder?â
âJa.â Anthony streicht seiner Tochter vorsichtig eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
âIch habe heute Nachmittag mit Dr. Harold telefoniert und ihn auf den neuesten Stand der Dinge gebracht. Er ist der Meinung, dass die Infusionen anschlagen und du dich besser fühlen müsstest. AuÃer wenn die Bakterien schon wieder mutiert sind. Ich habe für Montagmorgen ein Bett bestellt.â
âMmm.â Sarah nestelt an ihren Schuhbändern und versucht den Blickkontakt zu Anthony zu vermeiden.
âOh Mann und ich dachte, ich könnte es schaffen.â Tränen rinnen ihr über die leicht geröteten Wangen.
âDu wirst es schaffen.â
âAber ich habe versagt.â
âNein, das glaube ich nicht. Es steht nur zurzeit unentschieden, und ich bin mir sicher, dass die Ãrzte noch ein Ass im Ãrmel haben. Und jetzt denk nicht an Montag, sondern freu dich auf heute Abend. Soll ich dir den Rollstuhl runterholen?â
âJa bitte und ich brauche noch eine neue Patrone für den Lindy Walker und die Flasche im Zimmer ist auch fast leer.â
âWie sie wünschen. Ich eile Madam.â Anthony verschwindet im ersten Stock und Sarah kaut weiter auf ihrer Brezel herum, die einfach nicht weniger werden will.
Als um kurz vor acht David vor der Haustür der Hemmingwell`s steht, ist alles vorbereitet. Sarah öffnet ihm auf ziemlich wackeligen FüÃen und David bekommt vor lauter Begeisterung kein Wort raus. Vor ihm steht ein Engel. Die Haare zu Locken gedreht, fallen Sarah leicht über die Schultern. Nur zwei Strähnen von den Schläfen sind am Hinterkopf mit einer Klemme befestigt.
âDu siehst wirklich toll ausâ, findet David schlieÃlich seine Sprache wieder.
âDanke schön. Aber komm doch erst mal rein.â Sarah errötet leicht im Gesicht geht voraus ins Wohnzimmer.
âIch habe schon alles verstaut. Muss nur noch meine Jacke anziehen.â
âNur keine Eile. Ich brauche ohnehin erst mal einige Minuten zum stehen, bevor wir losfahren können.â
âGut dann zeige ich dir solange unser Haus.â
Kurze Zeit später ist David soweit, sich für die Autofahrt hinzusetzen und Sarah sehnt nichts anderes herbei, als für die nächsten Stunden sitzen zu bleiben. Ihre Lungen geben bei jedem Atemzug ein pfeifendes Geräusch von sich.
DrauÃen am Auto steht David dann vor dem Problem, wie er Sarah in den nicht gerade kleinen Pick Up kriegt. Aber da Sarah mehr Gewalt über ihren eigenen Körper hat, braucht sie nur Davids Schulter und lässt sich auf einem Bein stehend elegant ins Auto gleiten. Der Rollstuhl findet seinen Platz im Kofferraum.
âIst das dein Wagen?â fragt Sarah nach als sie beide sitzen.
â Nein. Mom hat ihn mir geborgt. Sie arbeitet in einer Kunstgalerie und transportiert mit dem Auto die Exponate, manchmal bis nach Los Angeles. Ansonsten teile ich mir mit meiner Schwester einen kleinen gebrauchten Ford oder nutze die öffentlichen Verkehrsmittel.â vorsichtig lenkt David den Wagen Richtung HauptstraÃe und fädelt sich dort in den Verkehr ein.
âIch fahre nicht oft mit dem Auto. Aber den Führerschein wollte ich damals unbedingt machen. SchlieÃlich komme ich an manchen Tagen auch ohne Schmerzmittel aus.â David versucht ein Gespräch in Gang zu bringen.
âVor ungefähr einem Jahr wurde ich aufgrund einer Lungenblutung mit Kodein und Valium ruhig gestellt. Drei Tage habe ich kaum etwas um mich herum mitgekriegt und keine Kraft, mich zu wehren, wenn die Ãrzte den Schleim und das Blut aus meinen Lungen saugten. Seitdem habe ich was gegen Medikamente dieser Art. Mein Verstand ist das einzige, was zurzeit uneingeschränkt funktioniert. Das will ich nicht aufs Spiel setzen.â
âKann ich gut verstehen. Aber bei den teilweise unerträglichen Schmerzen kann ich ohnehin nicht mehr klar denken. Aber ich wollte dich nicht unnötig runterziehen. Lass uns über was anderes reden. WeiÃt du, welche Band spielt?â
âGute Frage. Ich habe zwar die Zeitung heute schon mal bei uns rum liegen sehen, aber noch nicht reingeschaut. Der Besitzer richtet sich meistens nach seiner Tochter und die hört sich an der High School um, was gerade angesagt ist.â
âWoher weiÃt du das?â
âAnny geht mit Alyson und mir in eine Klasse.â
âUnd dann weiÃt du nicht, welche Gruppe heute auftritt?â
âIch habe Anny die ganze Woche noch nicht gesehen. Es geht ihr so ähnlich wie mir. An einem Tag noch gesund und am nächsten Tag schon im Krankenhaus auf der Intensivstation. Anny hat Morbus Chrone. Manchmal hat sie dadurch ziemlich heftige Bauchschmerzen und vor zwei Jahren wurde ihr der halbe Magen entfernt, sowie ein Teil des Darms. Trotzdem hat sie bestimmt eine tolle Musikgruppe aufgetan. Die Infos stammen meist aus der Schülerzeitung, an der Anny mitarbeitet. Wenn sie nachher da ist, stelle ich sie dir vor. Anny ist wirklich etwas ganz besonderes.â
Begeistert erzählt Sarah einige Anekdoten von der Schule, während David zuhört und den Wagen dabei sicher ans Ziel lenkt.
âWollen wir reingehen?â Unterbricht David Sarah.
âOh, wir sind ja schon da. Sorry, ich rede wohl zu viel.â
âNein, nein. Das macht gar nichts. Aber es wird langsam kalt, wenn wir noch länger im Auto bleiben.â
âKlar, aber den Rollstuhl lass ich hier. Wenn du mir die Sauerstofftasche abnimmst, müsste es auch mit den Gehhilfen reichen.â
David schnallt sich also den Lindy Walker über die Schulter, während Sarah mit unsicheren Schritten aus dem Auto steigt und bis zur Eingangstür des Cafes immer etwas hinter David bleibt. Nach jedem dritten Schritt lächelt sie resigniert und legt eine kleine Pause ein, um wieder zu Atem zu kommen. SchlieÃlich betreten beide den Laden, der in schummriges Licht getaucht und mit Möbeln aus den dreiÃiger und vierziger Jahren bestückt ist. Viel ist noch nicht los und auch die Musik kommt noch vom Band. Aber das Schild an der Eingangstür verspricht, dass âThe Voicesâ heute auftreten werden.
David steuert die erst beste Couch an, damit Sarah sich setzen kann. Er selbst bleibt stehen und schaut kurz in die Runde nach bekannten Gesichtern, ehe er die Jacken zur Garderobe bringt. Als er zurückkehrt, unterhält sich Sarah bereits angeregt mit dem Kellner, den sie offensichtlich kennt.
âDavid darf ich dir vorstellen, das ist Josh. Josh das ist David.â Macht sie die beiden miteinander bekannt.
âJosh geht mit mir in eine Klasse. Aber wir kennen uns schon seit über dreizehn Jahren.â
âStimmt. Damals im Kindergarten habe ich ihr mit Vorliebe die Puppen geklaut. Aber ich habe mich gebessert.â Josh grinst frech. âEs ist echt schön, dass du mal wieder hier bist.â
âTja mit tanzen ist es zurzeit Essig.â Geräuschvoll schlägt Sarah ihre Gehhilfen gegeneinander.
âWird schon werden. Und dann legen wir beim nächsten Theaterauftritt wieder eine flotte Sohle aufs Parkett. Du kommst doch zum Vorsprechen nächsten Mittwoch. Wir beide als Romeo und Julia wäre echt toll.â
âKlar doch.â Sarah ist einsilbig geworden. âDu Joshâ, wechselt sie rasch das Thema, âkönntest du uns was zu trinken bringen. Mir am besten was heiÃes zum aufwärmen. Ist es hier heute so kalt oder kommt es mir nur so vor?â
âWenn du willst, bringe ich dir eine Wolldecke. Im Lager liegt ein. Und dazu eine heiÃe Schokolade oder lieber Tee?â
âKakao ist genau das richtige und du?â
Sarah wendet sich an David, der immer noch neben dem Sofa steht.
âIch nehme dasselbe.â
âGut zwei heiÃe Schokolade und eine Decke. Kommt sofort.â
âDanke dir. Bist ein Schatz.â
âDas weià ich doch.â Josh verschwindet mit der Bestellung.
Meine Stammleserschaft hat sich zumindest nicht verkleinert. Das ist doch auch schon was.
Weiss ja selbst dass, Non-GG-FF hier nen schweren Stand haben, aber soll ich euch mit ner miesen GG-Story quälen? Das kriege ich glatt auch noch hin, aber ich bin dann nicht so mit Herzblut dabei, wie bei der Geschichte. Also, es tut nicht weh und animiert mich zum weiterschreiben.:biggrin:
LG Emerson Rose
Diesen Teil widme ich Halliwell Paige, Karana und Chery. Danke
Teil 5
Als Sarah und Alyson um kurz vor sieben in der Küche erscheinen, ist diese wie leergefegt.
âWas denn, gibt es nichts zu essen?â Alyson ist erstaunt.
âHeute ist Selbstverpflegung angesagtâ, antwortet ihr Anthony, der gerade aus dem Garten kommt und aussieht, als hätte er mit Rasenmäher gekämpft und verloren. Ãberall an seiner Kleidung hängt Gras.
âWas denn Dad, du wirst deinen Prinzipien untreu und lässt uns einzeln essen. Woher kommt der plötzliche Sinneswandel?â Sarah lässt sich auf einem Küchenstuhl nieder und ist ganz Ohr.
âDawn übernachtet bei den Williams. Ihr habt auch etwas vor, also wollten Jenny und ich uns einen romantischen Abend machen. Und ich sollte schon längst anfangen zu kochen.â
âIch glaube, das wirst du wohl noch etwas verschieben müssen. Nicht nur du hast eine Dusche dringend nötig.â Alyson kann sich nur mit Mühe das Lachen verkneifen.
âSchau dich mal um.â Sarah hilft ihrem Dad auf die Sprünge.
âOh nein. Scoutch musst du auch mit allem spielen.â Der Golden Retriever steht hinter Anthony und schaut sein Herrchen unschuldig an. Ãberall in seinem Fell hängt Moos, Gras und nasser Sand. Alles Sachen, die Anthony in der letzten Stunde zusammengefegt hat.
âIch glaube wir gehen lieber in den Keller zum duschen, sonst lyncht mich Jenny, wenn ich dich Dreckspatz in die neue Badewanne stecke.â Mit diesen Worten scheucht Anthony Scoutch nach drauÃen zurück und Alyson und Sarah stehen immer noch ohne Abendessen da.
âAlso gut. Do it yourself.â Alyson durchstöbert das Eisfach und einige Schränke und befördert Brot, Butter, Wurst, Käse, Gurken, Tomaten und zum guten Schluss Salzbrezeln zu Tage.
âHast du schon eine Wahl getroffen?â
âIch weià nicht. Ich glaube gar nichts.â Sarah ist beim Anblick der Lebensmittel ganz weià im Gesicht geworden.
âTut mir leid, ich kann es nicht riechen. Ich nehme eine Brezel mit ins Wohnzimmer. Lass dir von mir den Appetit nicht verderben.â
So schnell es ihr kaputtes Knie erlaubt, stakst sie in die Stube und lässt sich auf die Couch fallen. Kurz danach hört man, wie das Sauerstoffgerät anspringt.
Unschlüssig steht Alyson nun allein in der Küche und schneidet sich schlieÃlich etwas Gemüse klein und eine Scheibe Schwarzbrot mit Käse dazu.
Als Anthony eine halbe Stunde später frisch geduscht und im Freizeitlook die Küche betritt, sitzt Alyson immer noch vor den Lebensmitteln und knabbert gedankenverloren an einer Scheibe Gurke.
âHey Al, nicht träumen. Wo ist Sarah?â Anthony setzt sich mit an den Tisch.
âIm Wohnzimmer. Sie ist mal wieder vor dem Essen geflüchtet.â
âDann hat sie sich wohl hingelegt. Ich habe niemanden gesehen.â
âDad?â
âWas ist?â
âIch habe Angst. Wird Sarah wirklich wieder gesund? Bis jetzt habe ich daran geglaubt, aber im letzten Jahr ging es immer weiter abwärts. Ich will meine einzige Schwester nicht verlieren.â Alyson`s Augen füllen sich mit Tränen.
âAch Schatz. Es ist für uns alle zurzeit sehr schwer. Doch solange die Ãrzte noch an eine Besserung glauben, sollten wir es auch tun. Ich weiÃ, dass du in den vergangenen Monaten zurückstecken musstest, aber ich liebe dich trotzdem genauso sehr wie Sarah. Vergiss das nie.â
âDas weià ich ja Dad.â Alyson nimmt das Taschentuch ihres Vaters entgegen und putzt sich geräuschvoll die Nase.
âOk, wenn du das nächste Mal eine Schulter zum anlehnen brauchst, komm gleich zu mir und friss nicht alles in dich rein. Das gibt nur Magengeschwüre. Glaub mir, ich weiÃ, wovon ich rede.â
âDanke.â Innig umarmt Alyson ihren Dad.
âSo und jetzt macht euch fertig für nachher. Ich räume hier auf.â Anthony scheucht Alyson aus der Küche und geht dann kurz rüber ins Wohnzimmer. Sarah liegt und hat die Augen dabei geschlossen, während der Sauerstoff aus dem Tank ihre Lungen füllt. Anthony setzt sich auf den Rand der Couch und nimmt Sarahs Hand.
âKeine Angst Dad. So schnell wirst du mich nicht los.â Sarah richtet sich umständlich auf. âAber wenn es nicht besser wird, muss ich zurück ins Krankenhaus, oder?â
âJa.â Anthony streicht seiner Tochter vorsichtig eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
âIch habe heute Nachmittag mit Dr. Harold telefoniert und ihn auf den neuesten Stand der Dinge gebracht. Er ist der Meinung, dass die Infusionen anschlagen und du dich besser fühlen müsstest. AuÃer wenn die Bakterien schon wieder mutiert sind. Ich habe für Montagmorgen ein Bett bestellt.â
âMmm.â Sarah nestelt an ihren Schuhbändern und versucht den Blickkontakt zu Anthony zu vermeiden.
âOh Mann und ich dachte, ich könnte es schaffen.â Tränen rinnen ihr über die leicht geröteten Wangen.
âDu wirst es schaffen.â
âAber ich habe versagt.â
âNein, das glaube ich nicht. Es steht nur zurzeit unentschieden, und ich bin mir sicher, dass die Ãrzte noch ein Ass im Ãrmel haben. Und jetzt denk nicht an Montag, sondern freu dich auf heute Abend. Soll ich dir den Rollstuhl runterholen?â
âJa bitte und ich brauche noch eine neue Patrone für den Lindy Walker und die Flasche im Zimmer ist auch fast leer.â
âWie sie wünschen. Ich eile Madam.â Anthony verschwindet im ersten Stock und Sarah kaut weiter auf ihrer Brezel herum, die einfach nicht weniger werden will.
Als um kurz vor acht David vor der Haustür der Hemmingwell`s steht, ist alles vorbereitet. Sarah öffnet ihm auf ziemlich wackeligen FüÃen und David bekommt vor lauter Begeisterung kein Wort raus. Vor ihm steht ein Engel. Die Haare zu Locken gedreht, fallen Sarah leicht über die Schultern. Nur zwei Strähnen von den Schläfen sind am Hinterkopf mit einer Klemme befestigt.
âDu siehst wirklich toll ausâ, findet David schlieÃlich seine Sprache wieder.
âDanke schön. Aber komm doch erst mal rein.â Sarah errötet leicht im Gesicht geht voraus ins Wohnzimmer.
âIch habe schon alles verstaut. Muss nur noch meine Jacke anziehen.â
âNur keine Eile. Ich brauche ohnehin erst mal einige Minuten zum stehen, bevor wir losfahren können.â
âGut dann zeige ich dir solange unser Haus.â
Kurze Zeit später ist David soweit, sich für die Autofahrt hinzusetzen und Sarah sehnt nichts anderes herbei, als für die nächsten Stunden sitzen zu bleiben. Ihre Lungen geben bei jedem Atemzug ein pfeifendes Geräusch von sich.
DrauÃen am Auto steht David dann vor dem Problem, wie er Sarah in den nicht gerade kleinen Pick Up kriegt. Aber da Sarah mehr Gewalt über ihren eigenen Körper hat, braucht sie nur Davids Schulter und lässt sich auf einem Bein stehend elegant ins Auto gleiten. Der Rollstuhl findet seinen Platz im Kofferraum.
âIst das dein Wagen?â fragt Sarah nach als sie beide sitzen.
â Nein. Mom hat ihn mir geborgt. Sie arbeitet in einer Kunstgalerie und transportiert mit dem Auto die Exponate, manchmal bis nach Los Angeles. Ansonsten teile ich mir mit meiner Schwester einen kleinen gebrauchten Ford oder nutze die öffentlichen Verkehrsmittel.â vorsichtig lenkt David den Wagen Richtung HauptstraÃe und fädelt sich dort in den Verkehr ein.
âIch fahre nicht oft mit dem Auto. Aber den Führerschein wollte ich damals unbedingt machen. SchlieÃlich komme ich an manchen Tagen auch ohne Schmerzmittel aus.â David versucht ein Gespräch in Gang zu bringen.
âVor ungefähr einem Jahr wurde ich aufgrund einer Lungenblutung mit Kodein und Valium ruhig gestellt. Drei Tage habe ich kaum etwas um mich herum mitgekriegt und keine Kraft, mich zu wehren, wenn die Ãrzte den Schleim und das Blut aus meinen Lungen saugten. Seitdem habe ich was gegen Medikamente dieser Art. Mein Verstand ist das einzige, was zurzeit uneingeschränkt funktioniert. Das will ich nicht aufs Spiel setzen.â
âKann ich gut verstehen. Aber bei den teilweise unerträglichen Schmerzen kann ich ohnehin nicht mehr klar denken. Aber ich wollte dich nicht unnötig runterziehen. Lass uns über was anderes reden. WeiÃt du, welche Band spielt?â
âGute Frage. Ich habe zwar die Zeitung heute schon mal bei uns rum liegen sehen, aber noch nicht reingeschaut. Der Besitzer richtet sich meistens nach seiner Tochter und die hört sich an der High School um, was gerade angesagt ist.â
âWoher weiÃt du das?â
âAnny geht mit Alyson und mir in eine Klasse.â
âUnd dann weiÃt du nicht, welche Gruppe heute auftritt?â
âIch habe Anny die ganze Woche noch nicht gesehen. Es geht ihr so ähnlich wie mir. An einem Tag noch gesund und am nächsten Tag schon im Krankenhaus auf der Intensivstation. Anny hat Morbus Chrone. Manchmal hat sie dadurch ziemlich heftige Bauchschmerzen und vor zwei Jahren wurde ihr der halbe Magen entfernt, sowie ein Teil des Darms. Trotzdem hat sie bestimmt eine tolle Musikgruppe aufgetan. Die Infos stammen meist aus der Schülerzeitung, an der Anny mitarbeitet. Wenn sie nachher da ist, stelle ich sie dir vor. Anny ist wirklich etwas ganz besonderes.â
Begeistert erzählt Sarah einige Anekdoten von der Schule, während David zuhört und den Wagen dabei sicher ans Ziel lenkt.
âWollen wir reingehen?â Unterbricht David Sarah.
âOh, wir sind ja schon da. Sorry, ich rede wohl zu viel.â
âNein, nein. Das macht gar nichts. Aber es wird langsam kalt, wenn wir noch länger im Auto bleiben.â
âKlar, aber den Rollstuhl lass ich hier. Wenn du mir die Sauerstofftasche abnimmst, müsste es auch mit den Gehhilfen reichen.â
David schnallt sich also den Lindy Walker über die Schulter, während Sarah mit unsicheren Schritten aus dem Auto steigt und bis zur Eingangstür des Cafes immer etwas hinter David bleibt. Nach jedem dritten Schritt lächelt sie resigniert und legt eine kleine Pause ein, um wieder zu Atem zu kommen. SchlieÃlich betreten beide den Laden, der in schummriges Licht getaucht und mit Möbeln aus den dreiÃiger und vierziger Jahren bestückt ist. Viel ist noch nicht los und auch die Musik kommt noch vom Band. Aber das Schild an der Eingangstür verspricht, dass âThe Voicesâ heute auftreten werden.
David steuert die erst beste Couch an, damit Sarah sich setzen kann. Er selbst bleibt stehen und schaut kurz in die Runde nach bekannten Gesichtern, ehe er die Jacken zur Garderobe bringt. Als er zurückkehrt, unterhält sich Sarah bereits angeregt mit dem Kellner, den sie offensichtlich kennt.
âDavid darf ich dir vorstellen, das ist Josh. Josh das ist David.â Macht sie die beiden miteinander bekannt.
âJosh geht mit mir in eine Klasse. Aber wir kennen uns schon seit über dreizehn Jahren.â
âStimmt. Damals im Kindergarten habe ich ihr mit Vorliebe die Puppen geklaut. Aber ich habe mich gebessert.â Josh grinst frech. âEs ist echt schön, dass du mal wieder hier bist.â
âTja mit tanzen ist es zurzeit Essig.â Geräuschvoll schlägt Sarah ihre Gehhilfen gegeneinander.
âWird schon werden. Und dann legen wir beim nächsten Theaterauftritt wieder eine flotte Sohle aufs Parkett. Du kommst doch zum Vorsprechen nächsten Mittwoch. Wir beide als Romeo und Julia wäre echt toll.â
âKlar doch.â Sarah ist einsilbig geworden. âDu Joshâ, wechselt sie rasch das Thema, âkönntest du uns was zu trinken bringen. Mir am besten was heiÃes zum aufwärmen. Ist es hier heute so kalt oder kommt es mir nur so vor?â
âWenn du willst, bringe ich dir eine Wolldecke. Im Lager liegt ein. Und dazu eine heiÃe Schokolade oder lieber Tee?â
âKakao ist genau das richtige und du?â
Sarah wendet sich an David, der immer noch neben dem Sofa steht.
âIch nehme dasselbe.â
âGut zwei heiÃe Schokolade und eine Decke. Kommt sofort.â
âDanke dir. Bist ein Schatz.â
âDas weià ich doch.â Josh verschwindet mit der Bestellung.