Mondscheingeflüster - mein Buch
#2

So, nach keinem FB (das ich nach einenhalb Tagen auch nicht erwarten kann), mach ich unbeirrt weiter und poste schon den nächsten Teil Wink:

Kapitel 1.1
„Majestät, der Gelehrte ist da.“
„Führt ihn vor.“
„Jawohl.“, antwortete der Diener gehorsam ohne zu ihr aufzublicken.
„Sofort!“, setzte die Königin in einem bellenden Ton hinzu.
Der Diener senkte beschämt sein Haupt und stürmte aus dem Thronsaal, als würde er um sein Leben laufen.
Die Königin schaute ihm zufrieden nach.
„Musst du immer so unfreundlich sein, Mutter?“, fragte das Mädchen, dass neben ihr saß.
„Was fällt dir ein..., begann diese und holte zu einem Schlag aus, doch sie überlegte sich es anders und starrte sie mit loderndem Blick an, „du hast eine Woche Arrest. Geh auf dein Zimmer! Und wehe du widersprichst mir noch einmal!“
Ängstlich betrachtete die Prinzessin ihre Mutter und folgte ihrem Befehl. Zwei Diener folgten dem Mädchen bis auf ihr Zimmer, indem sie schließlich weinend zusammenbrach.

„Sie hat es verdient!“, dachte sie sich, während sie die Straße entlang lief. Es war tiefe Nacht und Viola fror vor Kälte. Ihr Körper zitterte. Der eisige Wind strich um ihren Körper und streichelte sie sanft. Es schien, als flüsterte er ihr leise Worte zu, die sie nicht verstehen konnte. Sie wickelte sich noch tiefer in ihren Wollmantel ein und verschränkte die Arme vor der Brust.
Der Mond erleuchtete hell die Straßen und spiegelte sich in den Pfützen wider, die sich durch den Regen gebildet hatten. Er glitzerte in dieser Nacht in seiner ganzen Pracht, es war wenige Nächte vor Vollmond, und stand hoch über den wenigen Wolken, die am Himmel hangen.
Orientierungslos durchstriff das Mädchen das Land, immer noch ahnungslos darüber, wo sie hinsollte. Allmählich zweifelte sie an der Entscheidung, wegzulaufen. Andererseits wollte sie auch nicht mehr nachhause, wo sie ziemlich sicher großen Ärger bekommen würde.
Sie war schon weit gelaufen, sehr weit. Ihre Stadt hatte sie längst hinter sich gelassen, nun befand sie sich in einer Gegend, die sie nicht kannte. Die Landstreifen, die ihr schon seit Kindesbeinen vertraut gewesen waren, hatte das Mädchen schon bald durchwandert und verlassen.
Viola wusste nicht, wie viel Zeit seit ihrer Flucht vergangen war, doch sie ahnte, dass schon einige Stunden vergangen sein mussten. Sie war in der Abenddämmerung aufgebrochen und nun war es tiefeschwarze Nacht.
Die letzte Stadt, die sie gekannt hatte, hatte sie verlassen, als die Sonne hinter den Bergen verschwunden war und der frühe Abend hereingebrochen war.
Müdigkeit überkam Viola. „Ich will endlich schlafen!“, dachte sie sich. Die junge Frau wandelte taumelnd herum, weil sie sich vor Erschöpfung kaum halten konnte.
Sie zögerte einen Moment und überlegte ob sie sich wirklich schon zur Ruhe begeben sollte, doch schließlich suchte sie sich den nächstbesten Baum aus und lehnte sich müde an ihn. Er würde ihr ein bisschen Schutz geben, doch falls es blitzen würde, war sie verloren.
Entkräftet schloss sie ihre Augen und dachte an die vielen Dinge, die in den letzten Stunden passiert waren. Viola grübelte über den Streit mit ihrer Mutter und darüber, wie sehr sie sie eigentlich tief in ihrem Herzen vermisste. Sie musste sich sehr zusammenreißen, nicht vor Verzweiflung loszuweinen. Sie war allein, durchfroren und hilflos.
Doch dann mahnte sie sich selbst: „Du wolltest weg, also musst du das auch durchstehen!“
Einsehend senkte sie ihren Blick und schloss abermals die Augen. Es würde eine unbequeme und lange Nacht werden.


Sehnsuchtsvoll blickte sie aus dem Fenster. Ein schöner Tag kündigte sich an. Die Sonne schien und nur wenige Wolken bedeckten den eisblauen Himmel.
Die Kinder spielten im Hof fangen und kicherten vor Freude.
Lächelnd betrachtete sie, wie die Mütter der Kinder sie mahnten, leiser zu sein und nicht so laut herumzutoben.
Seufzend dachte sie daran, dass sie sich immer so eine Kindheit gewünscht hatte. Eine Kindheit ohne Verpflichtungen ihrem Land gegenüber, einfach unbeschwert und erlaubt, Fehler zu machen.
Die Prinzessin spielte mit dem Armband, dass sie um das Handgelenk trug. Es hatte ihr ihr Vater vor langer Zeit geschenkt. Traurig dachte sie an ihn und musste eine Träne unterdrücken. Es war noch nicht lange her, dass er gestorben war. Er war ihr bester Freund gewesen und hatte ihre Sorgen und Ängste immer verstanden. Dass er so früh und unerwartet gestorben war, hatte ihr das junge Herz gebrochen. Wochenlang hatte sie sich in ihrer Kammer versteckt und nur noch geweint. Nicht einmal Rosa, ihre Kammerdienerin und engste Freundin hatte sie in dieser Zeit näher zu sich heran gelassen.
Mit einer Träne im Auge setzte sich die Prinzessin sich in ihren Stuhl und begann sich die Haare zu kämmen, im Augenblick betrachtete sie immer noch lächelnd die spielenden Kinder.

Als viele Sonnenstrahlen ihre Nase kitzelten, erwachte Viola aus ihrem Schlaf. Noch müde streckte sie sich und gähnte, überlegend wo sie überhaupt war. Bedrückt wurden die Erinnerungen an den vorigen Tag wieder wach. Was ihre Mutter wohl gerade machte? Hatte sie jemanden beauftragt, sie zu suchen oder ließ sie es bleiben? Machte sie sich Sorgen oder war ihr die Flucht ihrer Tochter gleich?
Gedankenversunken suchte Viola ihre Sachen zusammen. Viele waren es nicht, nur das Nötigste um zu überleben.
Sie war in der Nacht nur zweimal aufgewacht. Das erste Mal war es noch sehr dunkel gewesen. Sie hatte sich eingebildet ein Rascheln zu hören und war deswegen ein wenig herumgewandert. Bald glaubte sie, eine Person zu sehen, die herumschlich, doch schon nach wenigen Minuten war sie verschwunden gewesen.
Das zweite Mal hatten die ersten Sonnenstrahlen geschienen und Viola ging noch mal zu der Stelle, an der sie das letzte Mal gestanden war. Doch weit und breit war kein Mensch und so war sie wieder beruhigt eingeschlafen.
Sie packte die Decke ein, die sie diese Nacht wohl daran gehindert hatte, zu erfrieren.
Es war ihre Lieblingsdecke, die sie wieder schmerzhaft an ihre Vergangenheit erinnerte. An ihre vielen Freunde, die sie gehabt hatte; an die etlichen Nachbarn, mit denen sie sich gut verstanden hatte – und an ihre Eltern.
Sie versuchte diese Gedanken zu verdrängen: „Denk an die Zukunft, nicht an die Vergangenheit, Viola!“
Widerwillig kämmte sie sich die Haare mit der Bürste, die sie eingesteckt hatte. Ihre Umgebung sah einladender aus, als sie gedacht hatte. Im Schein des Mondes hatte sie sie nur ansatzweise ausmachen können.
Es standen einige Häuser vor ihr und das Mädchen konnte sogar einen Kirchturm ausmachen. Sie war in einem kleinen, netten Dorf gelandet, das einen gastfreundlichen Eindruck machte. Ihr Blick wanderte umher. Vor ihr waren einige Wohnhäuser, ein Frisör, ein kleiner Supermarkt und ein Bäcker.
Erst jetzt spürte sie, was für einen großen Hunger sie hatte. Energisch fixierte sie ihr Ziel und ging in Richtung des Bäckers. Sie würde etwas zu essen bekommen, koste es, was es wolle.
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Was ich noch dazusagen will (falls das überhaupt jemand liest *g* Rolleyes): Einiges wird sich natürlich in der Geschichte aufklären, auch warum, das eine in der Schrift geschrieben ist und das andere in der anderen...

[INDENT] [SIZE=2]baila bajo la lluvia. [/SIZE]
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