Im Schattenzimmer (Geschichten von der Rose)
#1

Im Schattenzimmer ist die große Überschrift für eine Reihe großer und kleiner Kurzgeschichten, die im Verlauf des letzten Jahres entstanden sind.
Bis jetzt sind sie nur auf meinem Blog und in DER DRITTEN MACHT zugänglich, doch ich hab mich entschieden, sie auch hier zu veröffentlichen.

Alle Geschichten (Kapitel) sind als eigenständig anzusehen, können aber auch in einigen Aspekten als zusammenhängend aufgefasst werden.



Liebe Grüße, Rose



EDIT (autom. Beitragsverschmelzung):


1.

Morgenrot

Das Bettlaken raschelte, als sie sich erhob.
Vor ihrem Fenster hörte sie die Vögel wie sie freudig den neuen Morgen begrüßten. Die Sonnenstrahlen spielten mit dem Staub und ließen ihr Zimmer in einem weichen Morgenrot erscheinen.

Sie sah sich um.
Neben ihrem Fenster, das halb geöffnet war, stand ein Stuhl. Er war bedeckt mit scheinbar lieblos ausgezogenen Sachen, ebenso wie ein Teil ihres Fußbodens. Auf der kleinen Kommode neben ihrem Bett stapelten sich neben der Nachttischlampe zahllose gebrauchte Taschentücher, Bücher sowie Blöcke und Papier. Sie verzog das Gesicht und blickte zur weißen Wand. Sie sah die Schatten der sich dem Wind beugenden Äste der Bäume vor ihrem Fenster. Sie hörte das sanfte Rauschen des Windes und wie die losen Blätter über den Gehweg fegten. Fasziniert beobachtete sie das Schauspiel, das die eben noch weiße Wand ihr bot und konnte den Blick nicht abwenden.

Plötzlich hörte sie einen Schrei.
Stand sie gerade noch beinah unbeweglich vor der Wand, so wandte sie sich nun blitzschnell dem Fenster hinter ihr zu.
Vor dem Fenster stand der Baum, der dem Wind gnadenlos ausgeliefert war. Seine Äste beugten und wanden sich, doch konnten sie sich nicht wehren. Die Sonne schien noch immer und blendete jedes Mal, wenn ein Ast der Stärke des Windes nachgab.

Wieder ertönte ein Schrei, doch diesmal klang es eher nach einem Quengeln. Mit zwei großen Schritten war sie am Fenster angelangt und blickte nach unten.
Sie entdeckte eine Frau mit Kinderwagen vor ihrer Haustür und ihr Blick blieb an dem kleinen Wesen hängen. Es strahlte ein unglaubliche Reinheit und Ausgeglichenheit auf sie aus, dass sie für eine Weile alles vergaß und sich nach diesem Gefühl der Geborgenheit und Ruhe sehnte. Als das Kind wieder lächelte, breitete sich auch in ihrem Inneren ein Gefühl der Wärme aus und sie blieb regungslos am Fenster stehen.

Die Frau und der Kinderwagen gingen weiter und sie wandte ihre Aufmerksamkeit dem Rest der Straße zu. Auch sie war in einem warmen Rot-Ton getaucht und sie sah, wie die Autos vorbeifuhren, Kinder zur Schule gingen, lachten und sich unterhielten. Auf den Gehwegen lagen die heruntergefallenen, verwelkten Blätter der Bäume, die nun immer schneller kahl wurden und der Wind trieb unermüdlich sein Spiel mit ihnen. Er ließ sie kreisen, hochheben und wieder sanft zu Boden gleiten.
Es ist wie das Leben, dachte sie.

Dann wandte sie sich erneut um und sah geradewegs auf ihr Bett. Und dann waren sie wieder da. Wie Hagelkörner fielen sie über sie her. Sie konnte sich nicht helfen, irgendwie ablenken, nur auf das Bett starren und die Gedanken nicht stoppen.
Nein.
Sie sah sich selbst dort auf dem Laken, hilflos ausgeliefert dem Willen einer zweiten, verschwommenen Person. Schmerzverzerrt das Gesicht verziehen und Hilfeschreie unterdrückend.
Nein!
Dann brach sie zusammen. Bilder, Stimmen tanzten vor ihren Augen, kamen immer näher. Sie krümmte sich zusammen, den Kopf zwischen ihren Händen. Tränen.
Dann, sie wusste nicht, wie lange sie dort vor ihrem Fenster schon lag, richtete sie sich auf. Es schien ihr, als hätten die Vögel ihren Gesang verstummen lassen. Es war still.

Nach einer Weile stand sie schweigend auf, wischte sich die Tränen weg und ging auf die kleine Kommode neben ihrem Kleiderschrank zu. Setzte sich und schaute in den Spiegel.
Sah ihre verquollenen Augen. Ihr zerzaustes Haar. Ihre zersprungenen Lippen.
Ein Auto fuhr unten vorm Fenster vorbei. Menschen kamen wieder. Woher?
Sie konnte ihren Blick jedoch nicht vom Spiegel abwenden, es war, als offenbarte er ihre Schwächen, ihre Seele!

Schnell, bevor die Bilder vor ihren Augen stärker wurden und sie wieder über sie herfielen, zog sie die Schublade auf, griff, ohne einen Blick hineinzuwerfen, hinein und holte eine Schere hervor.

Als die Haare unten lagen, atmete sie auf und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und verzog die Mundwinkel.
Es sah aus wie ein Lächeln. Wie ein kleines.


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#2

also...erst mal...fand ich den Schluss total schön, aber wenn ich ganz ehrlich sein soll, hat mich der Anfang und der Hauptteil nicht so gefesselt, aber vielleicht wird das ja im nächten Tel anders. Ich werde auf jedenfall weiter lesen. Ich hoffe, dass du mein FB nicht alzu negativ aufnimmst, so war es nämlich nicht gemeint, ich wollte nur ehrlich sein...und vielleicht kannst du damit ja was anfangen?!

GLG Merve

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#3

Mit Ehrlichkeit und Kritik kann ich immer was anfangen Smile
Feedback ist Feedback, egal ob gut oder schlecht, davon kann ich immer was haben! Ich danke dir!

Liebe Grüße!


EDIT (autom. Beitragsverschmelzung):



2.



Schrank der Erinnerungen


Langsam ließ sie den Telefonhörer sinken. Er hatte wieder angerufen.
Fast schon mit zitterndem Handgelenk legte sie auf. In ihrer leeren Wohnung hörte sie nur das Ticken der großen Uhr im Flur. Die Zeit verging, als sie noch still vor ihrem Telefon saß, darauf wartend, das etwas passierte. Doch es passierte nichts.
Er hatte definitiv zum letzten Mal angerufen.

Und wieder hat sie sich von seiner Stimme einnehmen lassen, konnte wieder nicht einfach auflegen. Dabei hatte sie doch schon vor Monaten mit diesem Abschnitt ihres Lebens abgeschlossen. Mit ihm abgeschlossen.

Stumm ließ sie den Blick durch ihre kleine Wohnung schweifen. Noch lange nachdem er weg war, hatten Sachen, Dinge von ihm ihre Wohnung geschmückt. Sie beinahe lebhafter gemacht.
Bis sie dann merkte, dass es nur eine Facette war. Er würde sie nicht weiter begleiten in ihrem Leben. Jedes Mal wenn sie ihre Wohnung betrat, hatte sie das Gefühl, die Dinge würden nur darauf warten, dass sie sie in die Hand nahm und sie ihr Erinnerungen erzählen konnten. Längst vergangenes aus der schönen alten Zeit. Sie schnaubte kurz und musste sich das Lachen unterdrücken. Doch so plötzlich wie das Lachen kam, so hörte es auf.
Und wieder war es still in ihrem Zuhause.

Sie sah auf und direkt aus dem Fenster. Gegenüber stritt sich gerade ein Ehepaar über die sinnlose Fülle ihres Lebens. Nebenan war Musik aus dem Fenster zu hören. Von der Straße hörte sie das Brausen des Nachmittagsverkehrs. Um sie herum und gegenüber hatte man nur ein Auge auf sich selbst. Die anderen Fenster spiegelten die Strahlen der Sonne wider. Warteten auf die Dunkelheit um dann zu strahlen.
Als ihr die Stille zuviel wurde, stand sie auf, um sich in der Küche ein Glas Wasser zu holen. Das Leben von draußen trocknete sie aus.
Sie nahm ein Glas und wartete, bis das Wasser aus dem Wasserhahn kälter wurde. Dann trank sie einen Schluck und wollte wieder in ihr Wohnzimmer gehen. Doch kaum war sie am großen, dunklen Schrank im Flur vorbei, blieb sie stehen.

Was hatte er gleich noch mal am Telefon gesagt? Er sagte, sie würde nie vergessen, dass er in ihrem Leben existiert hat. Nie. Und das sie bald herausfinden würde, warum.
Sie hatte daraufhin nur einen spöttischen Kommentar geäußert. Klar konnte sie ihn vergessen. Hatte sie doch längst wieder ein neues Leben begonnen. Auf diese Aussage hin lachte er nur. Da sagte sie nichts mehr.

Langsam drehte sie sich zum Schrank um. Dieser Schrank war das letzte Überbleibsel aus ihrer Zeit mit ihm. Nur widerwillig hatte sie ihn behalten, schließlich war das der einzige Schrank, der ihren ganzen Krempel aufnehmen konnte, ohne dass es ihm zuviel wurde. Doch irgendetwas machte sie nun stutzig. Mit der freien Hand strich sie über das verdunkelte Holz bis zur Tür und machte sie auf. Drinnen stapelten sich ihre Haushaltsgeräte, einige andere Dinge wie Geschenke, sie nie gewollt hatte oder kaputte Dekoration, die sie irgendwann reparieren wollte, aber nie dazu kam. Sie blickte zu den zahlreichen Kisten, die sie an ihre Schulzeit und kurze Studentenzeit erinnerten. Ihr Blick blieb an einer Kiste hängen. Moment, waren es nicht nur vier gewesen? Allerdings zählte sie mit dieser hier eine fünfte. Es war eine Kiste von derselben Größe wie die anderen, doch bei genauerem Hinsehen sah sie anders aus. Viel neuer. Sie stellte ihr fast noch volles Glas auf die kleine Kommode neben dem Schrank und griff zur Kiste, um sie herauszuholen. Den Schrank hinter sich offen lassend ließ sie sich mit ihr aus dem kalten Flurfußboden sinken. Schnell trank sie noch einen Schluck, bevor sie die Kiste öffnete. Sie sah so unscheinbar aus, so normal. Doch sie fühlte, dass es nicht so war. Sie zitterte ein wenig, als sie die Pappe beiseite schob und ein Blick in die Kiste warf.

Scharf sog sie die Luft ein. Die Gedanken in ihrem Kopf rasten. Ihre Befürchtung hatte sich bestätigt.
Sie sollte ihn nie vergessen.

Unsicheren Blickes beugte sie sich über die Kiste und fing an, die Dinge in ihr an das Tageslicht zu bringen. Es waren Dinge ihres vergangen Lebensabschnitts.
Das Erste war eine kleine, verzierte Schatulle. Sofort schossen Bilder an eines ihrer ersten Treffen in den Kopf. Wie sie glücklich, überrascht lächelnd das Geschenk entgegennahm. Sich zum ersten Mal küssten. Dann war es eine kleine Kette, die er ihr an ihrem ersten Jahrestag geschenkt hatte. Oder die Eintrittskarten zu ihrer gemeinsamen Lieblingsmusikgruppe. Bilder eines euphorischen Konzerts mit anschließendem heißem Sex im Park kamen ihr in den Sinn.
Nie, hatte er gesagt.

Mit immer schneller pochendem Herzen holte sie ein Erinnerungsstück nach dem anderem heraus. Da waren noch Fotos von gemeinsamen Festen oder Urlauben, Kinoeintrittskarten, sogar eine nicht abgebrannte Kerze beinhaltete die Kiste.
Als alles um sie herum verteilt auf dem Boden lag, atmete sie schwer.
Er hatte Recht gehabt. Sie hatte ihn nie vergessen und würde es auch nicht tun. Die ganzen letzten Wochen war er in ihren Gedanken gewesen. Hatte unbewusst ihr Leben bestimmt. Welches Leben hatte sie gelebt? Das mit ihm oder ihres?
Wann war sie zum letzten Mal allein gewesen? Wann hatte sie zuletzt eine Entscheidung allein gefällt?
Im Hinterkopf hörte sie sein verächtliches Lachen. Warum rief er überhaupt noch an? Ihr fiel nie ein, das sie nie danach gefragt hatte. Es war, als ob er immer da gewesen sei.

Mit zunehmender Verachtung blickte sie auf den Haufen um sich herum.
Sie wollte das alles nicht mehr.
Dachte er wirklich, sie war so schwach, als das sie ihn nicht vergessen konnte? War er schon so überzeugt, dass er sie in der Hand hatte? Das er selbst wenn er nicht mehr da war, nicht mehr erklärter Teil ihres Lebens war, das er sie trotzdem lenken könnte.

Während sie so nachdachte, drehte die Sonne ihre Runde und das Licht verwandelte sich von Gelb ins Rötliche. Dieser leise, beinahe andächtige Wandel löste in ihr etwas aus. Dieses immer stärker werdende Rot erinnerte sie an Feuer. Und an ihre Angst davor. Gleichzeitig waren ihre Gedanken nur davon beherrscht, das sie ihn besiegen, ihn loswerden musste.
Sie wollte wieder sie selbst sein.

Und dann tat sie etwas, bei dem sie sich sicher war, das sie das sonst nie machen würde.
Mit einem einzigen Gedanken im Kopf packte sie die Sachen wieder in die Kiste ein, zog sich an, griff nach dem Schlüssel und ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen.

Draußen, weit weg von der Stadt kippte sie die Dinge auf einen Haufen aus. Am Horizont ging gerade die rote Sonne unter.

Mit felsenfester Miene zündete sie ein Streichholz und ließ es auf die Erinnerungen fallen. Dann trat sie zwei Schritte zurück und beobachte, wie ein Teil ihres Lebens verbrannte. Dann lächelte sie.
Er hatte verloren.


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#4

Wow...

Das gefällt mir ausgesprochen gut, besonders das zweite, aber auch das erste.

Du hast einen sehr guten Schreibstil. Deine Worte sind perfekt eingesetzt und haben mich sofort gefesselt.

Mir gefällt auch die Tiefgründigkeit der Kapiteln. Geschichten dieserart gibt es hier leider viel zu wenige.

Ich bin gespannt, mehr von dir zu lesen.

LG Selene
#5

Hey...
Hab gerade deine zwei Kapitel gelesen. Finde sie echt gut. Mit dem ersten konnte ich zu Anfang nich wirklich etwas anfangen... aber gegen Ende fand ich es richtig gut.
Das zweite ist von Anfang an spannend, hat mich vom ersten Wort an gefesselt.
Werde auf jeden Fall weiter lesen...
bye, minoway...

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#6

Hey..

@Selene
Danke für dein Feedback! Smile ich freu mich sehr, das dir die beiden Geschichten gefallen..*s*

Die richtigen Worte zu finden, ist manchmal mit das Schwierigste..aber ich glaube, je spontaner der Gedanke, desto eher treffen es dann auch die gewählten Worte.

@MinowaySunshine
Es freut mich, das du weiter dran bleiben willst..ich denke, bald wird auch die nächste Geschichte kommen. =)

Liebe Grüße, Rose

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#7

3.

Der Tanz

Ich sah sie zum ersten Mal als ich wieder unterwegs war.
Dieses Mal wollte ich irgendwie nicht mehr nach Hause, nicht mehr die tröge Stille um mich herum spüren, die mich immer kleiner werden ließ je mehr ich in ihr verweilte.
Raus ging ich, durch die Straßen, was ich wollte, vergaß ich schon nach ein paar Minuten. Die Lichter, die lärmenden, fortwährend fahrenden Autos scheuchten mich von einer Straßenseite zur anderen und die Menschen begegneten mir mit Trübsinn.

Ich weiß nicht wie, aber irgendwann fand ich mich in diesem Lokal wieder. Dunkel war es dort, eine fast stickige Atmosphäre herrschte dort. Aber gleichzeitig war es wieder so, das ich mich geborgen fühlte, ohne dass ich sagen konnte, aus welchem Grund.
Sie fiel mir zum ersten Mal auf, als sie sich neben mich setzend einen Drink bestellte. Von ihrer Stimme aufmerksam geworden wendete ich den Kopf in ihre Richtung – und erstarrte.
Sie musste es bemerkt haben, denn im selben Moment drehte sich sie mir zu.
Es kommt mir im Nachhinein so unwirklich vor, diese ganze Situation von Anfang bis Ende.
Und doch war sie so real, als das es erst gestern passiert wäre.

Was wir redeten, hab ich vergessen. Ich kann mich nur noch an das Glitzern in ihren Augen erinnern, als ich sie zum Tanz aufforderte. Elegant erhob sie sich vom Hocker und begleitete mich auf die Tanzfläche. Bald tanzten wir so eng, so nah, dass ich ihre Haut und samtenes Haar nicht nur fühlen sondern auch riechen konnte.
Für diesen Tanz wollte ich sie so nah wie möglich.
Sanft ließen wir uns von der Musik leiten. Der Rhythmus verwischte jede Wahrnehmung. Der Takt wogte alle Sorgen weg. Der Tag war vergessen. Die Nacht nahm ihren Lauf. Es existierten nur sie und ich…

Als ich am nächsten Morgen erwachte, dachte ich, ich wäre dem Traum entkommen.
Wieder erfuhr ich, dass Träume nur das sind, was wir uns wünschen. Ob sie jemals so wahr werden könnten, wie wir uns häufig vorstellen?
Doch die Wirklichkeit gibt uns die Möglichkeit, das zu erleben, von dem wir träumen, doch nur dann, wenn wir es am wenigsten erwarten.
Und meist wird uns es erst hinterher bewusst, wie nah wir diesem Traum gekommen sind.

Wenn wir uns am nächsten Morgen zur Seite drehen, und dieser Frau begegnen, die mir mit einem Tanz das Leben zurückbrachte.
Und als ich das Glitzern in ihren Augen sehe, weiß ich, es ist wahr.

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#8

Hey... schön...
Also ich muss sagen dass ich es schön finde wenn die geschichten nicht so lang sind, wie deine letzte, die war genial.
Nicht dass es länger schlecht ist... aber dadurch dass keine richtige Aktion in den Storys ist, kommt es besser wenn sie kurz sind, und man nicht so in Worte gellult dasitzt und nicht mehr weiss was eigentlich sache ist.
Ich fand den Teil sehr gut. Und du hast Recht:
Zitat:Wieder erfuhr ich, dass Träume nur das sind, was wir uns wünschen. Ob sie jemals so wahr werden könnten, wie wir uns häufig vorstellen?

Cool, mach weiter so... minoway... Big Grin

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#9

4.


Der Schritt zurück

Zögernd stand sie vor dem Spiegel und betrachtete sich noch einmal von oben bis unten. Das kurze, dunkelrote Kleid lag eng an ihrem Körper und betonte so ihre Hüften und ihren Busen. Sie hatte Parfum aufgelegt und sogar noch eine kleine Kette um den Hals. Ihre dunklen, frisch gewaschenen Haare umrahmten ihr ebenes Gesicht und ihre Augen schienen im spärlichen Licht des Flures zu glitzern.
Fast wie das sich brechende Licht an einem lauen Frühlingsmorgen unten am kleinen Fluss.

Neben ihren Spiegel war die Tischlampe an, die den Gang vom Wohnzimmer zur Wohnungstür in ein gedämpftes Licht erscheinen ließ. Sonst war es dunkel.
Unten von der Straße klangen die Laute der Straße zu ihr herauf, obwohl kein Fenster geöffnet war. Doch das Licht vom gegenüberliegenden Laden hörte nicht auf zu blinken.
Sie wartete. Hörte nur ihren eigenen Atem.

Langsam breitete sich wieder Spannung in ihr aus. Wie jedes Mal, wenn es wieder so weit war. Doch sie konnte nicht anders. Ein Zurück gab es nicht mehr. Sie holte tief Luft, doch auch dieses Ritual, wenn sie aufgeregt war, unterdrückte nicht die Gänsehaut, die sich nun über ihren schmalen Körper legte. Plötzlich fror sie.

Sie hatte sich geschworen, dass es das letzte Mal sein würde. Doch sie wusste, dass dieses Vorhaben schneller gebrochen worden war, als sie denken konnte.
Die Anderen hatten Recht gehabt. Du kommst nie mehr davon los. Doch sie wollte es nicht glauben. Wieso? Es ist doch ganz einfach! Daraufhin lachten sie nur. Jetzt wusste sie es auch besser.
Sie war schon mitten drin.

Noch immer stand sie vor dem Spiegel. Betrachtete ihr Gesicht, das einer Maske glich. Augen stark betont, die Wangen hervorgehoben. Wie hatte sie sich verändert in dieser kurzen Zeit. Anders sah sie aus. Leicht verzog sie die Mundwinkel zu einem Lächeln, doch es war kein echtes.
Es war eine Fremde, die ihr nun mit leeren Augen entgegenblickte.

Wie spät ist es? Schnell sah sie auf die Uhr an ihrem Handgelenk. Gut, sie hatte noch ein wenig Zeit bevor er kam. Das Frösteln wurde stärker, und doch konnte sie sich nicht von der Stelle bewegen. Sie konnte nur warten, bis das Spiel begann.

Auf einmal hörte sie weiter unten im Haus einen Knall, der ihr ungewöhnlich laut vorkam und sie schrak zusammen. Es war eine Tür, die scheppernd ins Schloss fiel. Dann hörte sie Schritte die Treppe hinaufkommen. Kam er schon früher? Vor Anspannung vergaß sie fast das Atmen. Mit der zitternden Hand strich sie ihr Kleid glatt und richtete erneut ihr dunkles Haar. Löschte das Licht der kleinen Tischlampe. Die Nervosität, die sie vergangen glaubte, war wieder da.

Als sie hörte, wie die Schritte draußen verebbten, atmete sie erleichtert auf.
Du wirst in einen Strudel gezogen, aus dem du nie mehr wieder herauskommst, sagten sie. Du fängst an und glaubst, es wird leicht, doch stattdessen wird es schwerer. Mit jedem neuen Tag willst du Aufhören, hältst dich daran fest, bis auch dieser Tag vorüber ist und du feststellst, dass du es wieder nicht geschafft hast.
Das Aufhören ist zu einer Phrase geworden, die ständig an Bedeutung verliert.

Doch heute Abend ist Schluss. Noch einmal dachte sie nach, ob sie auch nichts vergessen hatte. Die Wohnung abgedunkelt, außer dem ständig blinkenden Licht drang kein Licht in ihr Zuhause.
Die Stille der eigenen Wohnung jagte ihr plötzlich Angst ein. Wie schon so oft fühlte sie sich auf einmal alleine. Nur die Gedanken und die Erinnerungen waren ihre Freunde, die sie aus der Einsamkeit retteten und sie in eine andere Welt entführten und so die Stunden überbrückten. Manchmal ging sie auch zum kleinen Fluss, der sie an ihre Kindheit erinnerte und saß dort stundenlang. Es war ihre persönliche Zufluchtsstätte, dort fühlte sie sich wohl.
Ja, es war alles vorbereitet, dachte sie dann. Heute würde sie entkommen.

Dann unterbrach ein Klingeln die Stille.
Nun war er da.
Fast bereute sie den Schritt, den Weg, den sie als Nächstes gehen würde, doch dieser Schritt war ihr letzter Ausweg. Ins Leben zurück. Egal mit welchen Konsequenzen. Kurz kam ihr die Mutter in den Sinn, die ihr immer riet, auch noch weiter zu gehen, gleich wo sie sich befand.

Ein letztes Mal schaute sie in den Spiegel. Das Frösteln und die Angst waren vorüber. Mit eine ruhigen Hand legte sie den Lippenstift auf.
Dann öffnete sie entschlossen die Tür. Das Spiel begann, und sie hoffte nur, dass er mitspielte. Sie begrüßte ihn mit einer Umarmung und zog ihn gleichzeitig in ihre Wohnung. Irgendwie schien er es eilig zu haben und drückte sie an die Wand, bereit, jetzt schon aufs Ganze zu gehen. Er spielte mit, doch dies hier war ihr Spiel und es waren ihre Regeln. Und die besagten, hab Geduld, er hat sowieso seine letzte Chance verspielt.

Den gierigen Händen und fordernder werdenden Küssen ausweichend, kam sie an ihm vorbei und ging ihm voraus ins Wohnzimmer, wo schon zwei Gläser und eine Flasche mit Wein auf sie warteten. Auch sie waren Teil des Spiels, doch das wusste nur sie alleine.
Er würde es jedoch nie erfahren.

Schnell hatte er ausgetrunken und war wieder bei ihr. Sie erneut heftig küssend, gab er diesmal nicht auf und fuhr fort, mit seinen Händen eine Gänsehaut auf ihrem Rücken zu hinterlassen. Als er mit ihnen unter dem Rock verschwand, glaubte sie beinahe, die Kontrolle zu verlieren. Er schaffte es immer wieder, sie in ihren Bann zu ziehen, und sie am Ende doch nur zu benutzen.

Sie ist nicht entkommen, sie hatten Recht gehabt, das wusste sie ganz genau. Aus Leichtsinn hat sie angefangen und weitergemacht. Weil sie dachte, es wird besser.
So lange, bis sie feststellte, dass es eine Lüge war. Die größte Lüge in ihrem Leben.

Doch dann fiel ihr wieder das Weinglas ein und ein Lächeln bildete sich auf ihren roten Lippen. Nur noch einmal wollte sie ihn gewähren lassen. Das geben, was er wollte. Dann ließ sie sich in ihrer aufkommenden Erregung fallen, vergaß alles und küsste ihn ebenso heftig zurück.

Und dann nahm sie ihm alles.

Das immer blinkende Licht weckte sie. Müde stand sie auf. Ein Blick zu ihrem Bett genügte und sie hatte die vergangene Nacht vor Augen. Als sie sich anzog, betrachtete sie ihn fast wehmütig. Sie hatte ihr Spiel durchgezogen, sich nicht davon abbringen lassen. Die Konsequenzen würde sie tragen müssen, das war ihr klar. Im Moment wollte sie jedoch nichts davon wissen.

Als sie aus dem Fenster schaute, bekam sie Lust, zum kleinen Fluss hinunter zu gehen und das Glitzern der ersten Sonnenstrahlen auf dem Wasser zu beobachten.

Unveränderten Blickes sah sie zu ihm zurück. Er lag regungslos unter der dünnen Decke. Es würde ein schöner Morgen werden, dachte sie. Irgendwie schade, dass er ihn nie erleben dürfte.
Dann fiel die Tür ins Schloss.

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#10

Hey... hat sie ihn umgebracht? vergiftet?
Was hat er ihr nur angetan, dass sie so verzweifelt war?
Es ist spannend, obwohl man nicht weiss was genau passiert ist...
Ich wünschte, sie könnte den schönen Morgen mit erleben...

Finde es toll, freue mich auf den nächsten Teil...
bye, minoway...

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