04.05.2009, 15:58
alexis1002 schrieb:hey..Vielen lieben Dank.
mir gefällt der letzte Teil ziemlich gut..
Die Freundschaft, oder was auch immer daraus wird, zwischen Jo und Finn ist süÃ.. Er ähnelt teilweise schon sehr seinem GroÃvater.. Will es auch immer einem Mädchen recht machen, lieb und nett wie er ist..![]()
Tja Joana hat da schon eine Theorie, die wirklich sehr nahe an der Wahrheit liegt, nicht wahr?^^
Ach, da wär das eigene Leben auch gleich viel interessanter,wenn es solche Familiengeheimnisse zum Aufklären gäbe..
Freu mich schon auf den nächsten Teil!
Ja, Joana liegt wirklich nicht ganz daneben...
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![[Bild: chap6.jpg]](http://img.photobucket.com/albums/v95/ordinary/X%20PRIVAT%20X/neverlost/chap6.jpg)
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![[Bild: chap6.jpg]](http://img.photobucket.com/albums/v95/ordinary/X%20PRIVAT%20X/neverlost/chap6.jpg)
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Ein kleiner, weiÃ-roter Leuchtturm, auf einem fast winzig wirkenden Felsvorsprung, war das Erste, dass am Morgen vor ihnen aufgetaucht war. Abgesehen, von unzähligen winzigen Inseln, bedeckt mit Gras und Tannen.
Der Himmel war behangen und doch lieà sich erahnen, dass irgendwo hinter den Wolken die Sonne aufgegangen war.
Kaum an Land hatten sie binnen weniger Minuten die letzten Kilometer hinter sich gebracht.
In Sitka selbst hatten sie ohne viele Schwierigkeiten eine Bleibe gefunden. Es war eine Art Bed & Breakfast, sehr klein, gerade Mal fünf Zimmer, aber schön gelegen und nicht zu teuer.
Das einzige Manko, war die Vermietungspolitik - sie mussten mindestens für drei Nächte bleiben.
Allerdings, war es eh unwahrscheinlich, dass sie Sitka früher als in drei Tagen wieder verlassen würden, von daher konnten sie auch damit Leben.
Schon auf der Ãberfahrt hatte Jo einen groben Plan für ihr Vorgehen zurecht gelegt. Punkt eins war, den Campus der Universität aufzusuchen, in der Hoffnung, dass auch im Sommer die Verwaltung besetzt war und sie dort Informationen über die von der Uni gestellten Unterkünfte auÃerhalb des Campusgeländes bekommen würden.
Sie wusste, dass sie nach einem Haus auÃerhalb der Stadt suchen mussten, oder wenigstens war sie sich relativ sicher, dass ein Haus in der Stadt für ihren Onkel und ihre Tante nicht in Frage gekommen war.
Natürlich, sagte niemand, dass sie ihr Zuhause über die Universität vermittelt bekommen hatten.
Es war aber ein Anfang. Sollte die Verwaltungsstelle ihnen nicht helfen können, mussten sie eine Art Grundstücksregister, oder so etwas finden und systematisch alle abklappern, die nicht zu dicht an der Stadt lagen.
Vielleicht hatten sie sogar Glück und es gab einen Vermieter oder einen Makler, der sich an das junge Ehepaar Cullen erinnern konnte.
Sitka war klein, aber wie klein tatsächlich erkannten sie erst, als sie sich auf dem Weg zum Campus gemacht hatten.
Von ihrer Unterkunft bis zum Eingang des Campusgeländes brauchten sie mit dem Ranger keine fünf Minuten.
Es war kaum noch überraschend, dass der Campus sich gröÃenmäÃig an den Rest anpasste.
Das Gelände an sich war relativ weit, aber die beiden weiÃen Hauptgebäude lagen kaum fünfhundert Meter auseinander und direkt das erste, war das in das sie wollten.
Konsequent steuerten sie darauf zu.
Sie hatten sich kurz darüber unterhalten, wie sie vorgehen sollten. Es war anzuzweifeln, dass ihnen irgendjemand, insofern überhaupt jemand da war, Auskunft geben würde, wenn sie hier eigentlich nichts zu suchen hatten.
Sie hatten sich darauf festgelegt zu behaupten, sie hätten vor sich im nächsten Jahr zu bewerben und wollten sich einfach schon mal umsehen, da sie nicht wussten, ob sie an einem der Schnupperwochenenden kommen könnten.
So weiÃ, wie das Gebäude, waren auch die Stufen die zur Eingangstür führten.
Im Ganzen, erinnerte diese Universität nur wenig an die alten, steinernen Gebäude der bekannten Universitäten. Es hatte nichts, von dem typischen Campus Charme, der Unis wie zum Beispiel die Brown auszeichneten, die Joanas Schwester Nicole besuchte.
Als sie durch die Tür in den kühlen, ebenfalls in weià gehaltenen Flur traten, fröstelte es Joana für einen Moment.
Die Klimaanlage, obwohl es drauÃen nicht übermäÃig warm war, rannte auf Hochtouren.
Fast schleichend bewegten Finn und sie sich vorwärts, den Blick nie von den kleinen Schildern neben den einzelnen Türen nehmend.
Sie war verblüfft, als sie feststellte, dass keine der Türen zum Informationsbüro führten, sondern sie am Ende des Flures in einen anderen Gang einbiegen mussten, der sie schlieÃlich zu einer Glasfront führte, die den Blick auf einen übersichtlich gestalteten Empfangsbereich freigab.
Jo schaute zu Finn auf, der nur mit einer seltsamen Mischung aus Nicken und Schulterzucken darauf reagierte. Sie rollte mit den Augen, obgleich sie die Tür schon geöffnet und hindurch getreten war.
Kaum waren beide in dem mit grauem Teppich ausgelegten Raum, als auch schon eine Frau mit schwarzer Kurzhaarfrisur auf sie zukam.
âBitte?â
Joana beäugte sie kurz. Sie trug einen schwarzen Rock, der zu einem Kostüm zu gehören schien und eine weiÃe Bluse. Ihrer Vermutung nach war sie wohl Sekretärin.
âEs geht um folgendesâ, fing Jo vorsichtig an.
âWir denken darüber nach uns nächstes Jahr vielleicht hier zu bewerben und wir wollten uns schon mal über Wohnmöglichkeiten erkundigen. Wir wissen nicht, ob wir nächsten Jahr Zeit haben zu den Schnupperwochenenden zu kommen, da wir allein eine Drei-Tage Fahrt für den Weg brauchen und im Moment sind Sommerferien, daher...â
âDann seit ihr hier genau richtig.â Die Frau nickte âKommt mit.â
Schritt für Schritt folgten Jo und Finn der Frau, die zielstrebig auf einen der weiÃen Schreibtische zusteuerte, auf dem ein kleiner schwarzer Laptop stand.
âAlso, wir haben mehrere Wohnhäuser. Geschlechter werden hier nicht getrennt. Es gibt...â
âÃhm...â Joana unterbrach die Sekretärin vorsichtig âEigentlich, suchen wir nach etwas auÃerhalb des Campus.â
âStudenten unter einundzwanzig, insofern sie unverheiratet sind, wird normalerweise nicht gestattet, auÃerhalb des Universitätsgeländes zu leben.â
âGenau genommen haben wir...â Joana griff nach Finns Hand und lächelte, wie sie hoffte, verliebt. â...vor im nächsten Sommer zu heiraten. Dann trifft die Ausnahmeregel auf uns zu, nicht wahr?â
Sie riskierte es nicht Finn einen fordernden Blick zu zuwerfen und hoffte stattdessen einfach darauf, dass er mitspielen würde.
Kurz fühlte sie, wie er sich versteifte, aber dann lockerte er seine Haltung und zog sie etwas näher an sich heran. Bevor sie es wirklich registriert hatte, hatte er seine Hand aus ihrer gelöst, seinen Arm um ihre Hüfte gelegt und verringerte den Abstand zwischen ihnen noch etwas mehr.
Es dauerte etwas, bis die schwarzhaarige Frau vor ihnen, ihren Blick abwendete und einige Tasten auf der Tastatur betätigte. Jo konnte nicht sagen, ob sie es ihr abgekauft hatte.
Aber, als der Drucker neben dem Laptop plötzlich anfing zu arbeiten, entspannte sie sich etwas.
âDann wünsche ich euch viel Glück.â Mit diesen Worten reichte sie ihnen Papiere âIch kann nicht versprechen, dass zum nächsten Jahr eines dieser Häuser frei ist, aber ihr könnt euch gerne danach erkundigen.â
âDanke!â Allmählich bekam sie den Eindruck es könnte durch aus Stunden dauern, bis die, vom ständigen Grinsen ausgelöste Starre wieder aus ihrem Gesicht verschwand.
Andererseits, machte ihr dieses Spielchen zu viel SpaÃ, als dass sie es jetzt schon abgebrochen hätte. Genau genommen, spielte sie sogar mit dem Gedanken eins obendrauf zu setzen. Sie biss sich auf die Unterlippe.
Keine Chance der Versuchung zu widerstehen. Unmittelbar stand sie auf ihren Zehenspitzen, womit sie groà genug war, um Finn, ohne Vorwarnung einen Kuss auf die Wange zu drücken.
âIst das nicht toll, Schatz?â Finn erstarrte, bereit zum Gegenschlag auszuholen, besann sich dann aber eines Besseren.
âJa, das ist es. Vielen Dank, noch malâ, richtete er sich an die Sekretärin, die sie weiterhin nicht aus den Augen gelassen hatte. Mit einer letzten kurzen Kopfbewegung verabschiedete sich Finn entgültig von der Dame und zog Joana grob neben sich her aus dem Büro.
Es war bereits später Nachmittag, als sie das Bürogebäude der Universität wieder verlassen hatten.
Finn war es, der mehr oder weniger beschlossen hatte, ihre Nachforschungen für den Rest des Tages auf Kleinigkeiten zu beschränken und ausnahmsweise hatte Joana nichts dagegen einzuwenden.
Also, besorgten sie sich einen detaillierten Stadtplan und fingen an die Liste, welche die Sekretärin ihnen ausgehändigt hatte zu bearbeiten. Sie enthielt unzählige Adressen.
Rein instinktiv gingen Jo und Finn sie durch und markierten die, die für sie am wahrscheinlichsten aussahen.
Wohnungen strichen sie im vornherein, danach alle Häuser die direkt in oder an der Stadt lagen. Alles was übrig blieb waren fünf Möglichkeiten.
Mit der Hoffnung darauf, die richtigen Adressen ausgegliedert zu haben gingen die beiden schlieÃlich am Abend zu Bett. Normalerweise hielten sie es länger aus, aber am Morgen wollten sie früh fit sein, frühstücken, die Besitzer der Häuser ausfindig machen und endlich richtig mit den Nachforschungen beginnen.
Zu ihrer beider Erstaunen, war der nächste Morgen ein Sonniger. Nur zarte Schleierwolken zogen über den Himmel und auch der Nebel, der in solchen Küstenorten häufiger vorkam, war nirgends zu sehen.
Direkt in ihrem Stockwerk des Bed & Breakfast, gab es einen kleinen Frühstücksraum, mit Blick auf das Meer.
Keiner der anderen Gäste war schon wach, daher konnten sie sich dort gemütlich niederlassen.
Von dem kleinen Büffet hatten sie sich genug Kaffee, Toast und Rührei genommen, um während ihres gesamten Frühstücks nicht aufstehen zu müssen.
Zwischen ihnen auf dem Tisch lag die stark gekürzte Liste. Indem sie ihren Kaffee tranken und sich Marmelade auf ihre Toasts schmierten, flogen Joanas, wie auch Finns Augen immer wieder darüber, als wollten sie die Adressen auswendig lernen.
Einige der Häuser lagen fast zwanzig Kilometer auÃerhalb rund um die Stadt verteilt. Mit etwas Pech könnte es den ganzen Tag dauern, eins nach dem andern anzufahren.
âWas, wenn wir erst mal versuchen die Eigentümer telefonisch zu erreichen?â
Finn hatte gerade den letzten Bissen seines dritten Toasts hinunter gewürgt und schaute nun zum ersten Mal von den Papieren auf.
âEs könnte uns jede Menge Fahrerei sparenâ, fügte er schnell hinzu, als er Joanas Geste sah, die ihm andeutete, dass sie erst fertig kauen musste, bevor sie antworten konnte.
âKeine dumme Idee, Finny.â Sie nickte bestätigend.
âVorausgesetzt, wir erreichen alle.â
âUnd selbst, wenn nicht...â Finn zuckte mit den Schultern â...können wir dann immer noch zu den Häusern fahren.â
âOk.â Joana gab nach âAber, wenn wir schon versuchen, das telefonisch zu erklären, nutzen wir die gewonnene Zeit mit einer kleinen Tour durch die Stadt.â
Sie hatten bereits drei der Hausbesitzer erreicht, als es Mittag wurde, keiner von ihnen hatte ihnen weiterhelfen können.
Bei den andern Beiden war ständig besetzt, oder es ging niemand ran. Schon seit mehreren Stunden schlenderten sie durch die Stadt. Immer wieder zog einer von ihnen sein Handy aus der Tasche und wählte wieder eine der verbleibenden Nummern.
Wenigstens hatten sie Handys und waren nicht an ihr Zimmer gefesselt, während sie die Telefonate führten.
Finn hatte es gerade wieder versucht und erneut kein Glück gehabt.
Als Joana ihn am Arm griff und so drehte, dass er in die gleiche Richtung schaute wie sie.
âWas glaubst du wie alt sie ist?â Joana deutete unauffällig auf eine ältere Frau, die vor der nächsten Bäckerei auf einer Holzbank saÃ.
âSiebzig?â
Wie so oft, knabberte Joana an ihrer Unterlippe âAlt genug, um sich an die Vermissten zu erinnern, oder?â
Finn schaute zu ihr hinab âWas hast du vor, Jo?â
âSie fragen, was sie weiÃ.â
Bockig brummte Finn vor sich hin âDas kannst du nicht machen. Du kennst die Frau nicht. Du kannst nicht einfach auf sie zugehen und sie ausquetschen!â
âFinn, es ist mir egal, was ich kann und was nicht!â Joana schnaubte. âSie sieht alt genug aus, um sich erinnern zu können. Warum soll ich sie nicht fragen? Vielleicht hat sie wirklich nichts zu erzählen, aber, wenn sie sich erinnert, wie es damals hier in der Stadt war, nach dem Mord, nach dem Verschwinden von Studenten, will ich es wissen!â
Sie begegnete Finns bedächtigem Blick einen kurzen Moment, bevor sie sich von ihm abwandte und auf die Frau, auf der kleinen Bank zusteuerte.
Sie legte ihr freundlichstes Lächeln auf, ein ehrliches Lächeln und sprach die Frau bereits aus einiger Entfernung an, während sie Schritt für Schritt näher heran trat.
âEntschuldigung? Ich weià es ist nicht üblich, aber ich und ein Freund...â Sie deutete auf Finn, der sich nicht von der Stelle bewegt hatte â...sind hier, um etwas über die vermissten Studenten von Zweitausendsieben zu erfahren.â
Sie machte eine Pause. Inzwischen stand sie keine zwei Meter von der Frau entfernt.
Nah genug, um ihr direkt in die blauen faltengeränderten Augen schauen zu können.
Joana wartete darauf, dass die Frau etwas sagte, aber für eine ganze Weile schaute sie sie nur an.
SchlieÃlich, als Jo schon kurz davor war sich umzudrehen und zu gehen, kam eine Reaktion.
âWarum?â
Jo blinzelte überrascht, einen Moment war sie von der kurzen und zeitgleich so direkten Frage überrumpelt.
âWeil meine Tante eine von ihnen warâ, antwortete sie wahrheitsgemäÃ, nachdem sie sich gefangen hatte.
Die Frau nickte mit einem zarten Lächeln im Gesicht, dass die Falten in ihren Mundwinkeln und um die Augen noch tiefer werden lieÃ.
âNa dann, setz dich zu mir. Dein Freund dahinten auch!â
Sie machte eine Kopfbewegung in Finns Richtung. Obwohl er Abseits stand, verstand er die Aufforderung.
Finn hatte noch nicht platzgenommen, als die Frau anfing zu reden
âErst mal, ich bin Mrs. Grain und ihr seid...?â
âJoana, oder Jo und er heiÃt Finn.â
Mrs. Grain lieà ihren Blick von einem zum andern wandern âFreut mich euch kennen zulernen, Finn und Jo.â
Beide antworten auf Mrs. Grains Worten mit einem aufrichtigen Lächeln.
âEs war eine andere Zeit damals. Hier ist bis dahin nie etwas wirklich Schlimmes passiert, keine Morde, Entführungen. Ich war noch sehr jung zu der Zeit, gerade neun, aber die Geschichten darüber werden immer noch erzählt, deshalb sind sie mir so gut im Gedächtnis geblieben. Alles fing im Dezember Zweitausendsechs an. Kennt ihr die StraÃe mit den ganzen Studenten Bars?â
Finn und Jo schüttelten den Kopf.
âSie ist dahinten.â
Mrs. Grain deutete die StraÃe hinauf.
Weder Jo noch Finn konnten genau sagen, auf welche der Abzweigungen sie sich bezog, aber für den Augenblick spielte es auch keine Rolle.
âÃber die Feiertage sind nie viele Studenten hier, aber die, die da sind treffen sich dort. Zwei Tage vor Silvester, wurde ein Student in einem Hinterhof ermordet. Damit hat alles angefangen. Anfang Januar gingen die ersten Vermisstenmeldungen ein. Erst war es nur eine, eine Studentin, die nur ein paar Kilometer von hier aufgewachsen war und eigentlich Silvester bei ihren Eltern hätte verbringen sollen. Als es bekannt wurde, überschlugen sich die Meldungen. Mitte des Monats waren es dann etwa vier vermisste Personen. Die Ermittlungen der Polizei ergaben, dass sie alle bereits Ende Dezember verschwunden sind, etwa zu der Zeit des Mordes. Ihren Eltern und Freunden ist nur nicht früher aufgefallen. Sie haben gedacht, sie hätten einfach vergessen sich zu melden, oder seien doch nach Hause gefahren und hatten einfach nicht Bescheid gesagt. Im Laufe des Monats, kamen noch zwei Vermisstenmeldungen dazu, allerdings wurden diese anders behandelt. Es hieà damals die Beiden seien ganz normal ausgezogen, aber danach hat nie wieder jemand etwas davon gehört.â
âMeine Tante und ihr Mannâ, unterbrach Joana sie âMein Granpa, ihr Vater, hatte den ... Zwanzigsten notiert. Den Tag, an dem er mit der Polizei hier Kontakt aufgenommen hat und später, dass sie ihrer Vermieterin gesagt hatten, sie würden das College wechseln.â
âDas kann gut sein. Ich glaube sogar, sie standen in der Zeitung, mit Beschreibungen, wie sie aussehen. Alle von ihnen standen drin. Die Polizei hat über Wochen hinweg nichts anderes getan, als nach ihnen zu suchen. Sie haben sogar Verstärkung aus anderen Städten angefordert, weil es anders nicht möglich gewesen wäre, aber es nutzte nichts. Es gab keine Spuren und auch keine weiteren Leichen. Die ganze Stadt lebte zu der Zeit in Angst. Eltern lieÃen ihre Kinder nicht alleine nach drauÃen. Studenten blieben abends auf dem Campus. Es dauerte länger, bis die Stadt sich wieder beruhigt hatte, als die Suche der Polizei. Irgendwann, stellten sie die Suche ein. Erinnerten hin und wieder daran und hofften auf neue Hinweise, aber nichts kam. Bis heute nicht. Mehr kann ich euch nicht erzählen.â Sie schaute Jo eingehend an, als diese nickte.
âDas kann niemand.â Langsam richtete sie sich auf âTrotzdem, vielen Dank.â
âJa, ja. Kein Problem, mein Kind. Vielleicht findest du ja was du suchst.â
âJa, vielleicht.â
Joana winkte der alten Dame zum Abschied zu, während sie und Finn sich schon wieder in Bewegung gesetzt hatten.
Wie schon den ganzen Morgen über schlenderten sie StraÃe um StraÃe entlang.
Gerade, als sie die Augen nach einem kleinen Restaurant, einer Pizzeria oder etwas ähnlichem offen hielten, fing Finns Handy an zu klingeln.
Unter den aufmerksamen Augen von Jo hob er ab. Sie konnte nicht hören, was die Person am anderen Ende der Leitung sagte, aber Finns Antworten genügten ihr.
Sie war sich sicher, dass einer der Hausbesitzer am anderen Ende der Leitung war, denn Finn spulte die Geschichte, warum sie sich für das Haus interessierten ab.
Erzählte von ihrer Tante, davon, dass sie sich das Haus gerne ansehen würden und fragte, ob er wüsste, ob es sein Haus sei, in dem sie gelebt hatten.
Als Finn dann fragte, wann sie sich treffen konnten, weiteten sich ihre Augen. Volltreffer!
Finn hielt den Daumen hoch. âOk, dann morgenfrüh gegen elf am Haus. Vielen Dank!â
Finn wartete kurz âIhnen auch.â
Er hatte noch nicht mal mehr Zeit, als Jo anfing einen quietschenden Ton von sich zu geben und ihm, auf und ab hüpfend, um den Hals fiel.
Wenn Zeit sich wie Gummi zog, war es immer ein deutliches Zeichen dafür, dass etwas bevorstand, das man auf etwas wartete. Schon, seit sie am Morgen die Augen aufgeschlagen hatte, war sie unruhig.
Keine ängstliche, oder nervöse Unruhe, eher eine erwartungsvolle. Ihr war absolut klar, dass sie nicht zu viele Erwartungen in das Treffen mit Mr. Moretti stecken sollte, aber er war der Besitzer des Hauses, in dem ihre Tante gelebt hatte, wenn auch nur für wenige Monate.
Wie er selbst Finn erzählt hatte, war er damals noch ein Kind gewesen, gerade mal zwölf, aber er erinnerte sich und er war bereit diese Erinnerung mit ihnen zu teilen.
Vielleicht hatte er etwas gesehen, etwas gehört, dass eine Bestätigung sein konnte.
Die Fahrt, wenngleich sie auch nur zwanzig Minuten dauerte, war am Schlimmsten. Sie nahm ihre Umgebung kaum war.
Sah nicht die Bäume, die mit jedem Kilometer, den sie zurücklegten, dichter zusammen standen, wie sie Stück für Stück die Sonne ausblendeten.
Und noch weniger fielen ihr die Ãhnlichkeiten zwischen diesem Weg und dem in Forks auf.
Als das Haus endlich in Sichtweite kam und sie aus der Flut aus Gedanken auftauchte, als sie die hellblaue Fassade sah, die GröÃe, den Wald rundherum, hatte sie keinen Zweifel mehr daran, das richtige Haus gefunden zu haben.
Sie steuerten direkt auf die Eingangstür zu und hielten hinter einem alten Ford Pickup.
Gerade als sie aussteigen wollten, öffnete sich auch die Fahrertür des Pickups.
âWir haben gestern telefoniert?â Ein Mann mit dichtem grauen Bart und grauem Haarschopf kam auf sie zu.
âJa, ich bin Finn, das ist Joana. Mr. Moretti?â
âGenau der!â Er begrüÃte beide mit einem kräftigen Händeschütteln. âIhr wollt euch das Haus ansehen?â
Trotz seines rüden Aussehens, schien Mr. Moretti ein durch und durch freundlicher Mensch zu sein.
Bevor sie überhaupt antworten konnten, führte er sie bereits die Stufen zur Haustür hinauf.
âIm Moment ist es nicht vermietet. Wir, also, mein Sohn, lässt es umbauen. Dadurch, dass die Kosten gestiegen sind, finden wir keine Mieter mehr. Deshalb lässt er die einzelnen Stockwerke mit eigenen Bädern und Küchen nachrüsten. Dadurch können wir die Einzelwohnungen vermieten, jede soll für bis zu vier Personen bewohnbar werden. Die beiden, wegen denen ihr hier seid, haben alleine hier gewohnt. Weià Gott, was sie mit den leeren Zimmern gemacht haben.â
Er führte sie durch den Eingangsbereich, einen breiten Flur, in den offenen Wohnraum, trotz der Plastikplanen auf dem Boden und jenen, die von der Decke hingen, konnte man deutlich sehen, dass der Preis für dieses Haus, egal, wie hoch er war, wohl voll und ganz berechtig war. Alles, selbst die Farbe an den Wänden, sah hochwertig aus.
âSie haben sehr zurück gezogen gelebt. Sie wollten nicht, dass irgendjemand für die Reparaturen vorbei kam. Selbst den Wasserrohrbruch in dem Jahr, haben sie selbst in Ordnung gebracht. Ich hab mich darum nie viel geschert. Das einzige, was sie toleriert haben, war das ich einmal im Monat zum Rasenmähen kam. Sie haben immer Abstand von mir gehalten. Wenn ich fertig war, lag meistens schon ein kleines Trinkgeld für mich auf der Veranda. Ich hab nie gesehen, wie es einer dorthin gelegt hat und trotzdem war es immer da.â
Joana hörte zu, wartete bis er fertig gesprochen hatte, während sie die Treppen in den zweiten Stock hinauf stiegen.
âWarum erinnern sie sich so gut?â
âAus mehreren Gründen. Zum einen ist die Miete für die Studenten normalerweise, selbst damals, schon zu hoch gewesen, solange sie nur zu zweit sind. Wir haben es sonst immer an gröÃere Studentengruppen vermietet. Sie waren bis heute die Einzigen, die das ganze Haus für sich alleine wollten. Dann..., damals hat meine Mutter sich um alles gekümmert und die Cullens, deine Tante und ihr Mann, haben ihr erzählt sie würden an einer anderen Universität weiter studieren. Die Polizei sagte später, dort wären sie nie aufgetaucht. Schon seltsam, an so was erinnert man sich und, was es mir unmöglich gemacht hat sie zu vergessen... Sie waren hübsch. Sie beide, ich kann nicht sagen, dass sie besondere, oder markante Gesichtszüge hatten, aber trotzdem waren sie unglaublich gut aussehend. Ich habe nie wieder jemanden wie die beiden gesehen und ich bin in meinem Leben vielen Menschen begegnet.â
Dieses Mal war es Finn, der weiter nachfragte âUnd an sonst erinnern sie sich an nichts?â
Mr. Moretti schüttelte den Kopf âEtwas, das weder meine Mutter, noch ich, je der Polizei erzählt haben? Nein, leider nicht.â
Niemand wusste was geschehen war, aber irgendetwas musste passiert sein, dessen war sie sich sicher.
Sie hatte so viele Geschichten gehört und nichts davon lieà Bella in ihren Gedanken aussehen wie eine Person, die alles zurück lässt.
Die Gerüchte von denen Mr. Newton an Finns Geburtstag gesprochen hatte, Dinge, die nicht erwähnenswert waren, Dinge, von denen ihr GroÃvater gesprochen hatte, hatten sich schon vor zwei Wochen ihren Weg in ihr Bewusstsein gebahnt und irgendwie, obwohl es allem widersprach, was sie wusste, glaubte sie ihnen.
Es gab etwas, etwas an Bellas Verschwinden war nicht normal, nicht natürlich.
Ihr Verschwinden an sich, hatte keinen natürlichen, keinen menschlichen Grund. Sie wollte dieses eine Wort, das Wort, das sie nicht mehr in Ruhe lieà nicht denken.
Es zu denken, würde ein für alle Mal bedeuten es zuglauben und es zuglauben, würde bedeuten, dass sie ebenso verrückt war, wie ihr Granpa, obwohl sie nicht glaubte, dass ihr GroÃvater jemals wirklich verrückt gewesen ist.
Sie konnte es nicht beweisen, selbst mit den Informationen von Mr. Moretti nicht, und selbst wenn, würde ihr kaum jemand glauben, aber tief in ihrem Innern wusste sie es.
Es war kein Wissen, das sie mit irgendjemandem teilen würde und doch war es da.
Aber ein Puzzleteil fehlte. Eine kleine Information, die erklärte, warum Bella und Edward Sitka so überstürzt, gestützt von fadenscheinigen Erklärungen, verlassen hatten.
Was auch immer geschehen war, es war hier in Sitka geschehen. Nicht in Forks, nicht sonst wo. Sie war sich sicher, dass es etwas mit den anderen Studenten zu tun hatte und sie spürte, dass sie Recht hatte.
Alles was sie noch tun musste, war das Puzzleteil, zu finden.
Die Menschen hier zu fragen, war keine Möglichkeit mehr.
Die Chance, dass auch nur einer, mehr wusste als Mr. Moretti, oder Mrs. Grain, war eher gering.
Ihre einzig andere Chance, die sie sah, war, dass ihr Puzzleteil, etwas war, das irgendwann genug Aufmerksamkeit erregt hatte, um in einer Zeitung, wenn auch nur einem kleinen Regionalblatt zu erscheinen, aber nicht ausgereicht hatte um im Gedächtnis der Menschen hängen zu bleiben.
Hätte es keine Aufmerksamkeit erregt, hätte es keinen Grund für ihre Tante gegeben zu verschwinden, alle Brücken abzubrechen.
Dieses Bruchstück, musste etwas sein, das alle anderen übersehen hatten. Etwas, was ihnen nicht von Bedeutung erschien, weil sie nicht wussten, was sie wusste.
Direkt in ihrem Stockwerk des Bed & Breakfast, gab es einen kleinen Frühstücksraum, mit Blick auf das Meer.
Keiner der anderen Gäste war schon wach, daher konnten sie sich dort gemütlich niederlassen.
Von dem kleinen Büffet hatten sie sich genug Kaffee, Toast und Rührei genommen, um während ihres gesamten Frühstücks nicht aufstehen zu müssen.
Zwischen ihnen auf dem Tisch lag die stark gekürzte Liste. Indem sie ihren Kaffee tranken und sich Marmelade auf ihre Toasts schmierten, flogen Joanas, wie auch Finns Augen immer wieder darüber, als wollten sie die Adressen auswendig lernen.
Einige der Häuser lagen fast zwanzig Kilometer auÃerhalb rund um die Stadt verteilt. Mit etwas Pech könnte es den ganzen Tag dauern, eins nach dem andern anzufahren.
âWas, wenn wir erst mal versuchen die Eigentümer telefonisch zu erreichen?â
Finn hatte gerade den letzten Bissen seines dritten Toasts hinunter gewürgt und schaute nun zum ersten Mal von den Papieren auf.
âEs könnte uns jede Menge Fahrerei sparenâ, fügte er schnell hinzu, als er Joanas Geste sah, die ihm andeutete, dass sie erst fertig kauen musste, bevor sie antworten konnte.
âKeine dumme Idee, Finny.â Sie nickte bestätigend.
âVorausgesetzt, wir erreichen alle.â
âUnd selbst, wenn nicht...â Finn zuckte mit den Schultern â...können wir dann immer noch zu den Häusern fahren.â
âOk.â Joana gab nach âAber, wenn wir schon versuchen, das telefonisch zu erklären, nutzen wir die gewonnene Zeit mit einer kleinen Tour durch die Stadt.â
Sie hatten bereits drei der Hausbesitzer erreicht, als es Mittag wurde, keiner von ihnen hatte ihnen weiterhelfen können.
Bei den andern Beiden war ständig besetzt, oder es ging niemand ran. Schon seit mehreren Stunden schlenderten sie durch die Stadt. Immer wieder zog einer von ihnen sein Handy aus der Tasche und wählte wieder eine der verbleibenden Nummern.
Wenigstens hatten sie Handys und waren nicht an ihr Zimmer gefesselt, während sie die Telefonate führten.
Finn hatte es gerade wieder versucht und erneut kein Glück gehabt.
Als Joana ihn am Arm griff und so drehte, dass er in die gleiche Richtung schaute wie sie.
âWas glaubst du wie alt sie ist?â Joana deutete unauffällig auf eine ältere Frau, die vor der nächsten Bäckerei auf einer Holzbank saÃ.
âSiebzig?â
Wie so oft, knabberte Joana an ihrer Unterlippe âAlt genug, um sich an die Vermissten zu erinnern, oder?â
Finn schaute zu ihr hinab âWas hast du vor, Jo?â
âSie fragen, was sie weiÃ.â
Bockig brummte Finn vor sich hin âDas kannst du nicht machen. Du kennst die Frau nicht. Du kannst nicht einfach auf sie zugehen und sie ausquetschen!â
âFinn, es ist mir egal, was ich kann und was nicht!â Joana schnaubte. âSie sieht alt genug aus, um sich erinnern zu können. Warum soll ich sie nicht fragen? Vielleicht hat sie wirklich nichts zu erzählen, aber, wenn sie sich erinnert, wie es damals hier in der Stadt war, nach dem Mord, nach dem Verschwinden von Studenten, will ich es wissen!â
Sie begegnete Finns bedächtigem Blick einen kurzen Moment, bevor sie sich von ihm abwandte und auf die Frau, auf der kleinen Bank zusteuerte.
Sie legte ihr freundlichstes Lächeln auf, ein ehrliches Lächeln und sprach die Frau bereits aus einiger Entfernung an, während sie Schritt für Schritt näher heran trat.
âEntschuldigung? Ich weià es ist nicht üblich, aber ich und ein Freund...â Sie deutete auf Finn, der sich nicht von der Stelle bewegt hatte â...sind hier, um etwas über die vermissten Studenten von Zweitausendsieben zu erfahren.â
Sie machte eine Pause. Inzwischen stand sie keine zwei Meter von der Frau entfernt.
Nah genug, um ihr direkt in die blauen faltengeränderten Augen schauen zu können.
Joana wartete darauf, dass die Frau etwas sagte, aber für eine ganze Weile schaute sie sie nur an.
SchlieÃlich, als Jo schon kurz davor war sich umzudrehen und zu gehen, kam eine Reaktion.
âWarum?â
Jo blinzelte überrascht, einen Moment war sie von der kurzen und zeitgleich so direkten Frage überrumpelt.
âWeil meine Tante eine von ihnen warâ, antwortete sie wahrheitsgemäÃ, nachdem sie sich gefangen hatte.
Die Frau nickte mit einem zarten Lächeln im Gesicht, dass die Falten in ihren Mundwinkeln und um die Augen noch tiefer werden lieÃ.
âNa dann, setz dich zu mir. Dein Freund dahinten auch!â
Sie machte eine Kopfbewegung in Finns Richtung. Obwohl er Abseits stand, verstand er die Aufforderung.
Finn hatte noch nicht platzgenommen, als die Frau anfing zu reden
âErst mal, ich bin Mrs. Grain und ihr seid...?â
âJoana, oder Jo und er heiÃt Finn.â
Mrs. Grain lieà ihren Blick von einem zum andern wandern âFreut mich euch kennen zulernen, Finn und Jo.â
Beide antworten auf Mrs. Grains Worten mit einem aufrichtigen Lächeln.
âEs war eine andere Zeit damals. Hier ist bis dahin nie etwas wirklich Schlimmes passiert, keine Morde, Entführungen. Ich war noch sehr jung zu der Zeit, gerade neun, aber die Geschichten darüber werden immer noch erzählt, deshalb sind sie mir so gut im Gedächtnis geblieben. Alles fing im Dezember Zweitausendsechs an. Kennt ihr die StraÃe mit den ganzen Studenten Bars?â
Finn und Jo schüttelten den Kopf.
âSie ist dahinten.â
Mrs. Grain deutete die StraÃe hinauf.
Weder Jo noch Finn konnten genau sagen, auf welche der Abzweigungen sie sich bezog, aber für den Augenblick spielte es auch keine Rolle.
âÃber die Feiertage sind nie viele Studenten hier, aber die, die da sind treffen sich dort. Zwei Tage vor Silvester, wurde ein Student in einem Hinterhof ermordet. Damit hat alles angefangen. Anfang Januar gingen die ersten Vermisstenmeldungen ein. Erst war es nur eine, eine Studentin, die nur ein paar Kilometer von hier aufgewachsen war und eigentlich Silvester bei ihren Eltern hätte verbringen sollen. Als es bekannt wurde, überschlugen sich die Meldungen. Mitte des Monats waren es dann etwa vier vermisste Personen. Die Ermittlungen der Polizei ergaben, dass sie alle bereits Ende Dezember verschwunden sind, etwa zu der Zeit des Mordes. Ihren Eltern und Freunden ist nur nicht früher aufgefallen. Sie haben gedacht, sie hätten einfach vergessen sich zu melden, oder seien doch nach Hause gefahren und hatten einfach nicht Bescheid gesagt. Im Laufe des Monats, kamen noch zwei Vermisstenmeldungen dazu, allerdings wurden diese anders behandelt. Es hieà damals die Beiden seien ganz normal ausgezogen, aber danach hat nie wieder jemand etwas davon gehört.â
âMeine Tante und ihr Mannâ, unterbrach Joana sie âMein Granpa, ihr Vater, hatte den ... Zwanzigsten notiert. Den Tag, an dem er mit der Polizei hier Kontakt aufgenommen hat und später, dass sie ihrer Vermieterin gesagt hatten, sie würden das College wechseln.â
âDas kann gut sein. Ich glaube sogar, sie standen in der Zeitung, mit Beschreibungen, wie sie aussehen. Alle von ihnen standen drin. Die Polizei hat über Wochen hinweg nichts anderes getan, als nach ihnen zu suchen. Sie haben sogar Verstärkung aus anderen Städten angefordert, weil es anders nicht möglich gewesen wäre, aber es nutzte nichts. Es gab keine Spuren und auch keine weiteren Leichen. Die ganze Stadt lebte zu der Zeit in Angst. Eltern lieÃen ihre Kinder nicht alleine nach drauÃen. Studenten blieben abends auf dem Campus. Es dauerte länger, bis die Stadt sich wieder beruhigt hatte, als die Suche der Polizei. Irgendwann, stellten sie die Suche ein. Erinnerten hin und wieder daran und hofften auf neue Hinweise, aber nichts kam. Bis heute nicht. Mehr kann ich euch nicht erzählen.â Sie schaute Jo eingehend an, als diese nickte.
âDas kann niemand.â Langsam richtete sie sich auf âTrotzdem, vielen Dank.â
âJa, ja. Kein Problem, mein Kind. Vielleicht findest du ja was du suchst.â
âJa, vielleicht.â
Joana winkte der alten Dame zum Abschied zu, während sie und Finn sich schon wieder in Bewegung gesetzt hatten.
Wie schon den ganzen Morgen über schlenderten sie StraÃe um StraÃe entlang.
Gerade, als sie die Augen nach einem kleinen Restaurant, einer Pizzeria oder etwas ähnlichem offen hielten, fing Finns Handy an zu klingeln.
Unter den aufmerksamen Augen von Jo hob er ab. Sie konnte nicht hören, was die Person am anderen Ende der Leitung sagte, aber Finns Antworten genügten ihr.
Sie war sich sicher, dass einer der Hausbesitzer am anderen Ende der Leitung war, denn Finn spulte die Geschichte, warum sie sich für das Haus interessierten ab.
Erzählte von ihrer Tante, davon, dass sie sich das Haus gerne ansehen würden und fragte, ob er wüsste, ob es sein Haus sei, in dem sie gelebt hatten.
Als Finn dann fragte, wann sie sich treffen konnten, weiteten sich ihre Augen. Volltreffer!
Finn hielt den Daumen hoch. âOk, dann morgenfrüh gegen elf am Haus. Vielen Dank!â
Finn wartete kurz âIhnen auch.â
Er hatte noch nicht mal mehr Zeit, als Jo anfing einen quietschenden Ton von sich zu geben und ihm, auf und ab hüpfend, um den Hals fiel.
Wenn Zeit sich wie Gummi zog, war es immer ein deutliches Zeichen dafür, dass etwas bevorstand, das man auf etwas wartete. Schon, seit sie am Morgen die Augen aufgeschlagen hatte, war sie unruhig.
Keine ängstliche, oder nervöse Unruhe, eher eine erwartungsvolle. Ihr war absolut klar, dass sie nicht zu viele Erwartungen in das Treffen mit Mr. Moretti stecken sollte, aber er war der Besitzer des Hauses, in dem ihre Tante gelebt hatte, wenn auch nur für wenige Monate.
Wie er selbst Finn erzählt hatte, war er damals noch ein Kind gewesen, gerade mal zwölf, aber er erinnerte sich und er war bereit diese Erinnerung mit ihnen zu teilen.
Vielleicht hatte er etwas gesehen, etwas gehört, dass eine Bestätigung sein konnte.
Die Fahrt, wenngleich sie auch nur zwanzig Minuten dauerte, war am Schlimmsten. Sie nahm ihre Umgebung kaum war.
Sah nicht die Bäume, die mit jedem Kilometer, den sie zurücklegten, dichter zusammen standen, wie sie Stück für Stück die Sonne ausblendeten.
Und noch weniger fielen ihr die Ãhnlichkeiten zwischen diesem Weg und dem in Forks auf.
Als das Haus endlich in Sichtweite kam und sie aus der Flut aus Gedanken auftauchte, als sie die hellblaue Fassade sah, die GröÃe, den Wald rundherum, hatte sie keinen Zweifel mehr daran, das richtige Haus gefunden zu haben.
Sie steuerten direkt auf die Eingangstür zu und hielten hinter einem alten Ford Pickup.
Gerade als sie aussteigen wollten, öffnete sich auch die Fahrertür des Pickups.
âWir haben gestern telefoniert?â Ein Mann mit dichtem grauen Bart und grauem Haarschopf kam auf sie zu.
âJa, ich bin Finn, das ist Joana. Mr. Moretti?â
âGenau der!â Er begrüÃte beide mit einem kräftigen Händeschütteln. âIhr wollt euch das Haus ansehen?â
Trotz seines rüden Aussehens, schien Mr. Moretti ein durch und durch freundlicher Mensch zu sein.
Bevor sie überhaupt antworten konnten, führte er sie bereits die Stufen zur Haustür hinauf.
âIm Moment ist es nicht vermietet. Wir, also, mein Sohn, lässt es umbauen. Dadurch, dass die Kosten gestiegen sind, finden wir keine Mieter mehr. Deshalb lässt er die einzelnen Stockwerke mit eigenen Bädern und Küchen nachrüsten. Dadurch können wir die Einzelwohnungen vermieten, jede soll für bis zu vier Personen bewohnbar werden. Die beiden, wegen denen ihr hier seid, haben alleine hier gewohnt. Weià Gott, was sie mit den leeren Zimmern gemacht haben.â
Er führte sie durch den Eingangsbereich, einen breiten Flur, in den offenen Wohnraum, trotz der Plastikplanen auf dem Boden und jenen, die von der Decke hingen, konnte man deutlich sehen, dass der Preis für dieses Haus, egal, wie hoch er war, wohl voll und ganz berechtig war. Alles, selbst die Farbe an den Wänden, sah hochwertig aus.
âSie haben sehr zurück gezogen gelebt. Sie wollten nicht, dass irgendjemand für die Reparaturen vorbei kam. Selbst den Wasserrohrbruch in dem Jahr, haben sie selbst in Ordnung gebracht. Ich hab mich darum nie viel geschert. Das einzige, was sie toleriert haben, war das ich einmal im Monat zum Rasenmähen kam. Sie haben immer Abstand von mir gehalten. Wenn ich fertig war, lag meistens schon ein kleines Trinkgeld für mich auf der Veranda. Ich hab nie gesehen, wie es einer dorthin gelegt hat und trotzdem war es immer da.â
Joana hörte zu, wartete bis er fertig gesprochen hatte, während sie die Treppen in den zweiten Stock hinauf stiegen.
âWarum erinnern sie sich so gut?â
âAus mehreren Gründen. Zum einen ist die Miete für die Studenten normalerweise, selbst damals, schon zu hoch gewesen, solange sie nur zu zweit sind. Wir haben es sonst immer an gröÃere Studentengruppen vermietet. Sie waren bis heute die Einzigen, die das ganze Haus für sich alleine wollten. Dann..., damals hat meine Mutter sich um alles gekümmert und die Cullens, deine Tante und ihr Mann, haben ihr erzählt sie würden an einer anderen Universität weiter studieren. Die Polizei sagte später, dort wären sie nie aufgetaucht. Schon seltsam, an so was erinnert man sich und, was es mir unmöglich gemacht hat sie zu vergessen... Sie waren hübsch. Sie beide, ich kann nicht sagen, dass sie besondere, oder markante Gesichtszüge hatten, aber trotzdem waren sie unglaublich gut aussehend. Ich habe nie wieder jemanden wie die beiden gesehen und ich bin in meinem Leben vielen Menschen begegnet.â
Dieses Mal war es Finn, der weiter nachfragte âUnd an sonst erinnern sie sich an nichts?â
Mr. Moretti schüttelte den Kopf âEtwas, das weder meine Mutter, noch ich, je der Polizei erzählt haben? Nein, leider nicht.â
Niemand wusste was geschehen war, aber irgendetwas musste passiert sein, dessen war sie sich sicher.
Sie hatte so viele Geschichten gehört und nichts davon lieà Bella in ihren Gedanken aussehen wie eine Person, die alles zurück lässt.
Die Gerüchte von denen Mr. Newton an Finns Geburtstag gesprochen hatte, Dinge, die nicht erwähnenswert waren, Dinge, von denen ihr GroÃvater gesprochen hatte, hatten sich schon vor zwei Wochen ihren Weg in ihr Bewusstsein gebahnt und irgendwie, obwohl es allem widersprach, was sie wusste, glaubte sie ihnen.
Es gab etwas, etwas an Bellas Verschwinden war nicht normal, nicht natürlich.
Ihr Verschwinden an sich, hatte keinen natürlichen, keinen menschlichen Grund. Sie wollte dieses eine Wort, das Wort, das sie nicht mehr in Ruhe lieà nicht denken.
Es zu denken, würde ein für alle Mal bedeuten es zuglauben und es zuglauben, würde bedeuten, dass sie ebenso verrückt war, wie ihr Granpa, obwohl sie nicht glaubte, dass ihr GroÃvater jemals wirklich verrückt gewesen ist.
Sie konnte es nicht beweisen, selbst mit den Informationen von Mr. Moretti nicht, und selbst wenn, würde ihr kaum jemand glauben, aber tief in ihrem Innern wusste sie es.
Es war kein Wissen, das sie mit irgendjemandem teilen würde und doch war es da.
Aber ein Puzzleteil fehlte. Eine kleine Information, die erklärte, warum Bella und Edward Sitka so überstürzt, gestützt von fadenscheinigen Erklärungen, verlassen hatten.
Was auch immer geschehen war, es war hier in Sitka geschehen. Nicht in Forks, nicht sonst wo. Sie war sich sicher, dass es etwas mit den anderen Studenten zu tun hatte und sie spürte, dass sie Recht hatte.
Alles was sie noch tun musste, war das Puzzleteil, zu finden.
Die Menschen hier zu fragen, war keine Möglichkeit mehr.
Die Chance, dass auch nur einer, mehr wusste als Mr. Moretti, oder Mrs. Grain, war eher gering.
Ihre einzig andere Chance, die sie sah, war, dass ihr Puzzleteil, etwas war, das irgendwann genug Aufmerksamkeit erregt hatte, um in einer Zeitung, wenn auch nur einem kleinen Regionalblatt zu erscheinen, aber nicht ausgereicht hatte um im Gedächtnis der Menschen hängen zu bleiben.
Hätte es keine Aufmerksamkeit erregt, hätte es keinen Grund für ihre Tante gegeben zu verschwinden, alle Brücken abzubrechen.
Dieses Bruchstück, musste etwas sein, das alle anderen übersehen hatten. Etwas, was ihnen nicht von Bedeutung erschien, weil sie nicht wussten, was sie wusste.
some people were concerned about whether the Winchesters survived