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1.Chapter:
Ob Rory wirklich glücklich war, konnte noch nicht einmal sie selbst beantworten.
Wenn Joelle sie mit ihren groÃen blauen Kinderaugen und einem lachenden Gesicht ansah, dann war sie glücklich.
Wenn sie bei ihrer Mum war und sah, wie gut sich diese mit ihrem Mann Luke verstand, dann war sie glücklich.
Wenn sie beobachtete wie ihr kleiner Bruder Bennet zufrieden an seinem Schnuller nuckelte, dann war sie glücklich.
Aber was war mit all den anderen Momenten?
In denen sie alleine in der kalten Wohnung war und sich nach Wärme und Geborgenheit sehnte.
Diese Momente gab es leider nur all zu oft.
Ohne Joelle, sagte sich Rory, hätte sie schon oft alles aufgegeben.
Joelle gab ihr den Lebensmut und die Freude wieder.
Und mit Joelle kamen Erinnerungen.
Erinnerungen, die Roryâs Gefühlsleben auf Hochtouren arbeiten lieÃ. Die sie schmerzten, da alles hätte anders verlaufen können. Die sie traurig machten, da sie selbst Angst vor der Wahrheit hatte.
Seufzend packte sie ein paar Sachen ein und fuhr mit Joelle nach Stars Hollow. Nur dort fühlte sie sich wirklich zuhause.
New Haven war nicht ihr Stil. Damit assoziierte sie nur ihre Wohnung und die Nähe zu ihrer Arbeit bei der Stamford Eagle Gazette.
Mit Stars Hollow verband sie ihre Kindheit, ihre Familie und ihre Freunde. Deshalb war es ihr auch wichtig, dass Joelle so oft wie möglich hier war. Sie wollte dieses Gefühl an ihre Tochter weiter geben.
Lorelai stand schon erwartungsvoll auf der Veranda. Sie hatte ihren kleinen Sohn auf dem Arm der friedlich schlief.
âDie verlorene Tochter kommt zurück!â empfing Lore ihre Tochter lachend. âIch würde dich ja umarmen, aber sonst würde dein Bruder runterfallen.â
âMum!â rief Rory drohend. Sie gab ihrer Mutter einen Kuss und streichelte Bennet sacht über die Wange. âIch hab dich vermisstâ flüsterte sie ihm zu.
Sie sah sich um. âJoelle?â rief sie. Keine Spur von ihrer Tochter. Panik machte sich in ihr breit. Schnell lief sie um das Haus in den Garten.
Sie atmete tief auf. Erleichtert sah sie Joelle auf der Wiese stehen. Luke kniete vor ihr und zeigte ihr ein Buch.
Rory lächelte. Luke, der sich früher selbst zum Kinderhasser ernannte, hatte ein tolles Verhältnis zu Joelle. Die beiden waren ein Herz und eine Seele. Rory war froh darüber, denn Mitchum war nie ein GroÃvater für Joelle. Ein GroÃvater, der mit ihr Drachen steigen lassen würde, der mit ihr zum See schwimmen geht, der ihr jeden Wunsch von den Augen abliest. Mitchum kümmerte nur sein Wohlstand und seine Arbeit.
Lorelai trat hinter ihre Tochter und beobachtete die Szene lächelnd. Luke war ein toller Mensch. Sie war stolz darauf, seine Frau zu sein. Und stolz darauf, ein Kind mit ihm haben zu dürfen. Sie hatten es nicht immer einfach gehabt. Vor allem sie, Lorelai, hatte viele Fehler gemacht. Aber die Liebe hatte die beiden immer wieder zusammen gebracht.
âRuf die beiden schon mal zum Kaffee!â sagte Lore zu Rory und ging zurück ins Haus.
Langsam ging Rory auf ihre Tochter und Luke zu.
â⦠und am Ende kroch auch das letzte Vogelbaby aus dem Eiâ erzählte Luke.
Joelle klatschte begeistert in ihre kleinen Hände. Sie nahm das Buch und drückte es fest an sich. Da bemerkte sie ihre Mutter.
âMommy, Luke hat mir ein Buch über ein Vogelnest geschenktâ sagte sie strahlend.
Rory lächelte und strich ihr über den Kopf. âWie schön! Schätzchen, geh schon mal rein, es gibt gleich Kuchen und Kaffee. Grandma geht mit dir noch die Hände waschen!â
Joelle lief mit wehenden Haaren ins Haus.
Luke ging auf Rory zu und drückte sie kurz. Sie war für ihn wie seine Tochter.
âDanke für das Buch!â sagte Rory.
âKein Problem. Die Liebe zu Büchern hat sie wohl von dir. Kein anderes Kind in dem Alter ist so verrückt danachâ lachte Luke. Er legte Rory den Arm um die Schulter und ging in Richtung Haus.
âJaâ murmelte Rory leise. Die Liebe zu Büchern hat sie wohl von dir. Ein Stich durchfuhr ihr Herz.
âJoelle, hör auf in der Tasse rumzupanschen. Entweder du trinkst es, oder du lässt es stehenâ Rory sah ihre Tochter durchdringend an.
Schuldbewusst legte Joelle den Löffel auf den Tisch. Dabei stieà sie an ihren Teller und das Stück Kuchen fiel herunter. Paul Anka, der die ganze Szene dösend beobachtet hatte, hob den Kopf und trottete zum Tisch. Er schnüffelte an dem Kuchen und entschied sich, ihn zu fressen.
âJoelle, pass doch auf!â Rory seufzte.
âSchätzchen, das macht nichts. Du hast Paul Anka eine groÃe Freude gemacht!â beschwichtigte Lorelai und lächelte ihre Enkeltochter an.
Sie wandte sich an Rory. âErzähl, gibt es irgendwas Neues?â
Rory schluckte ihren Bissen herunter. âNajaâ , fing sie an, âabgesehen von der neuen Sekretärin von Logan, die absolut unfähig ist ein Faxgerät zu bedienen und mit deren Makeln mir Logan immer in den Ohren liegt, haben wir Pläne für unseren Urlaub.â
Lorelai schaute ihre Tochter interessiert an. âAch ja? Wohin gehtâs denn?â
âKalifornien.â Rory bekam einen wehmütigen Glanz in die Augen. Fernweh. Hinaus aus dem Alltag.
âWow!â Lore kaute. âDa ist cool!â
Rory lächelte. âJa, find ich auch. Ich freue mich richtig. 2 Wochen abschalten. Die Huntzbergers haben ein Anwesen dort. Ein Ferienhaus direkt am Strand. Es wird toll. Joelle kann endlich einmal das Meer sehenâ sagte sie mit einem Blick auf ihre Tochter.
âWas ist Meer?â fragte Joelle während sie versuchte ein Stück Kuchen auf ihre Gabel zu spieÃen.
âDas Meer ist ein ganz, ganz groÃer See, SüÃe.â erklärte Rory.
âWann gehtâs denn los?â erkundigte sich Luke, der seinen kleinen Sohn sanft in den Armen wiegte.
âIn 3 Wochenâ gab Rory zur Antwort.
Sie freute sich wirklich auf diesen Urlaub.
Endlich würden sie und Logan noch mal etwas Zeit für sich haben. Ohne seine Familie, ohne die Arbeit und ohne seine Freunde, die Rory zwar ins Herz geschlossen hatte, die ihn aber trotzdem von seiner Rolle als Ehemann abhielten.
Sie lebten eigentlich nur noch aneinander vorbei, stellte Rory bedauernd fest.
Sie setzte groÃe Hoffnung in Kalifornien.
..not my circus not my monkeys..