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Rory und Jess fuhren mittlerweile schon wieder seit Stunden durch die Gegend. Sie hatten das Auto in aller Frühe abgeholt. Glücklicherweise war ihnen die Reparatur und die Ãbernachtung nicht allzu teuer gekommen. Sie waren den ganzen Tag durchgefahren. Jess war hin und wieder einmal stehen geblieben, um etwas zu futtern zu holen oder um zu tanken.
DrauÃen war es schon dunkel geworden. Die StraÃen waren nass, da es geregnet hatte. Dadurch hatte es auch schlagartig abgekühlt. Da Rory nur ihr luftiges Sommerkleid trug, hatte sie bald zu freiren begonnen. Daher saà sie jetzt in Jess' dickem Pullover eingehüllt am Beifahrersitz und starrte in die Dunkelheit. Sie musste ihn endlich fragen. Seit sie weggefahren waren, hatte sie sich diese Frage gestellt, aber keine Antwort darauf gefunden. Er musste doch eine Lösung wissen.
"Wie wird es weitergehen?"
"Was meinst du?", er wusste nicht was sie meinte.
"Ich meine, wie wird es mit uns in Kalifornien weitergehen? Hast du dir das schon überlegt?"
Jess zuckte nur mit den Schultern. Er hatte seinen Blick weiterhin starr auf die StraÃe gerichtet.
"Jess, ich meine es ernst. Was sollen wir tun, wenn wir ankommen? Wir können doch sicher nicht beide bei deinem Vater wohnen."
Er wusste es nicht. Er hatte sich das auch schon gefragt. Seit sie von Yale abgefahren waren, hatte er sich das immer wieder gefragt, aber keine Antwort gefunden. Natürlich konnten sie nicht beide bei Jimmy wohnen. Der hatte ja ihn schon nur ungern aufgenommen. Er würde ausrasten, wenn er plötzlich mit Rory auftauchen würde.
"Wir werden sehen."
"Jess, wir müssen uns das schon vorher überlegen. Wir können nicht alles einfach so auf uns zukommen lassen, wir..."
"Nein Rory, hör auf. Ich will das jetzt gar nicht hören. Du bist doch mitgefahren. Du musst dir das überlegen. Ich werde nichts dergleichen tun. Ich wollte nicht einmal, dass du mitkommst."
Er war immer lauter geworden und hatte sie zum Schluss sogar angeschrien. Rory war geschockt. Ihr kamen beinahe die Tränen. Doch sie wollte nicht, dass er sie weinen sah. Sie musste hier raus.
"Bleib stehen!"
Er merkte das Zittern in ihrer Stimme. Sie war enttäuscht von ihm. Er fuhr an den Rand und stoppte den Wagen. Sofort sprang Rory heraus.
Sie ging ein Stück vom Auto weg und begann zu heulen. Wie konnte er so etwas nur sagen? Sie war mit ihm gegangen, hatte ihr Leben in Stars Hollow aufgegeben, und er schrie sie an. Sie drehte sich um und sah zurück zum Auto. Er hatte seinen Kopf aufs Lenkrad gelegt. Sie war so wütend auf ihn. Er hatte ihr praktisch gesagt, dass sie unerwünscht war.
Jess fühlte sich so mies. Er hatte sie schrecklich beleidigt. Er wollte sie nicht anschreien, hatte es aber dennoch getan. Warum musste er immer solchen Mist bauen? Er musste das jetzt schnellstens bereinigen. Er atmete tief durch und öffnete dann die Tür.
Als sie sah, wie er aus dem Auto stieg und auf sie zukam, ging sie noch weiter weg. Sie hörte ihn rufen, drehte sich aber nicht mehr um. Sie hob ihren Arm. Sie würde Autostoppen.
"Rory, was machst du denn?"
Jess kam immer näher, doch sie ignorierte ihn. Diesmal war er zu weit gegangen. Sie wollte nur noch nach Hause, zu ihrer Mum, in ihr Bett, wo ihr niemand mehr wehtun konnte. Am wenigsten er.
"Rory, hör auf."
Sie hörte nicht auf ihn. Endlich blieb ein Auto stehen. Sie rannte hin und der Farer kurbelte das Fenster herunter.
"Kann ich dir helfen?"
"Können Sie mich ein Stück mitnehmen?"
"Wo willst du denn hin?"
"Egal. Bloà weg von hier.
Bloà weg von ihm, dachte sie.
"Dann steig ein."
"Rory, bist du verrückt, das ist gefährlich. Du hast keine Ahnung, wer das ist."
Rory deutete dem Fahrer, dass er noch kurz warten sollte. Dann drehte sie sich um und ging auf Jess zu. Als sie vor ihm stand, hob sie ihre Hand und scheuerte ihm eine.
"Nein Jess, du hast Recht, ich hab keine Ahnung, wer das ist, aber eine Fahrt mit ihm kann nicht schlimmer sein als mit dir."
Das war gelogen. Sie hatte bisher die Fahrt mit ihm genossen, doch jetzt hatte sich ihre Sichtweise schlagartig geändert. Sie war wieder die alte Rory geworden. Zumindest in dieser Hinsicht. Die alte Rory würde nie zu einem Fremden ins Auto steigen, aber sie wusste, dass sie sich nicht mehr mit Jess einlassen hätte dürfen.
Sie drehte sich um und lief zum fremden Auto. Sie überhörte das Rufen von Jess. Sie wollte es nicht hören. Sie wusste, dass es verdammt gefährlich war per Autostopp zurück nach Stars Hollow zu fahren. Wer weiÃ, welche Typen sich auf der StraÃe rumtrieben. Sie musste nur an den Fernfahrer denken, der sie damals beinahe vergewaltigt hatte. Trotzdem stieg sie ein und der Mann fuhr los.
Verdammt. Jess hätte sich am liebsten einen Hang hinunter gestürzt. Er hatte Rory vertrieben. Er hatte sie verloren. Warum war er nur so blöd? Sie war gerade zu einem anderen Mann ins Auto gestiegen. Das war viel zu gefährlich. Luke würde ihn umbringen, wenn Rory etwas zustoÃen würde. Doch Luke müsste das gar nicht erledigen. Wenn ihr etwas passieren würde, würde er sich selbst die Kugel geben. Er musste doch irgenwas machen. Er konnte Rory doch nicht ihrem Schicksal überlassen. Doch er wusste nicht, was er tun sollte. Er konnte nichts mehr machen.
Rory sah, wie Jess im Rückspiegel immer kleiner wurde. Er stampfte mit dem Fuà auf den harten Asphalt. Er regte sich schrecklich auf, das sah sie. Doch ihr war es egal. Diesmal war er zu weit gegangen. Jess wurde immer kleiner und kleiner und verschwand schlieÃlich ganz. Jetzt hatte er sie endgültig verlorern. Oder sie ihn? Ihr kullerten die Tränen über die Wangen. Sie wischte sie gleich weg, doch schon schlich sich eine neue über ihre Wange. Der Mann am Steuer bemerkte es natürlich.
"Hey, alles in Ordnung?"
Rory schüttelte den Kopf. Nichts war in Ordnung, aber sie wollte nicht darüber reden.
"Hat dir der Kerl etwas getan? Sollen wir zur Polizei?"
Wieder schüttelte sie den Kopf. Er hatte ihr etwas getan, aber dafür konnte man ihn nicht anzeigen. Sie wollte ihn nur noch vergessen, aber sie wusste, dass das nicht so einfach ging. Doch jetzt war das Kapitel Jess erst einmal abgehakt. Sie war auf dem Weg nach Stars Hollow. Nach Hause. Was ihre Mum wohl sagen würde...