Herbstzeitlose
#1

Vorwort:
"Herbstzeitlose" ist das Sequel zu der als OneShot geposteden Kurzgeschichte "Nox Aeterna". Ich rate euch, diese zuerst zu lesen, da in der Fortsetzung nicht mehr genau erwähnt wird, was geschehen ist.

*****
Titel: Herbstzeitlose
Fandom: Lenßen & Partner
Genre: Drama/Tragedy
Rating : R-16


*****
[Bild: herbstzeitlosemj7.jpg]
Disclaimer: Die Charaktere der Serie Lenßen & Partner gehören nicht mir, sondern Constantin Entertaiment und Sat1. Ich werde kein Geld mit dieser FanFiction verdienen, das Schreiben dient allein der Freude meinerseits

[SIZE=2] [SIZE=2][SIZE=1]*****[/SIZE][/SIZE][/SIZE]
Prolog - Sei bereit

[SIZE=2][SIZE=2][SIZE=1] 1. Manchmal in der Nacht...[/SIZE][/SIZE][/SIZE]
[SIZE=2][SIZE=2][SIZE=1] 2. Du wirst dich in mir erkennen
3. Totale Finsternis
4. Sich verliern heißt sich befrein
5. Ich hüll dich ein in meinen Schatten
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[SIZE=2][SIZE=2][SIZE=1] Epilog - Sternkind[/SIZE][/SIZE][/SIZE]
[SIZE=2][SIZE=2][SIZE=1]
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[SIZE=2][SIZE=2][SIZE=1] *****
[SIZE=2]Prolog - Sei bereit

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„Name der Patientin?“
„Katja Hansen, wurde vor wenigen Stunden hier eingeliefert. Vermutlich schwer traumatisiert.“
„Schicken Sie sie rein, ich will mit ihr sprechen.“
„Es tut mir Leid, aber das wird nicht möglich sein.“
„Ach nein? Wieso denn nicht?“
„Nun, Doktor… Frau Hansen ist nach den Ereignissen der letzten Nacht verstummt.“


„Frau Hansen?“, langsam kniete sich ein Polizist zu der jungen Frau auf den Boden. „Frau Hansen, können Sie mich hören?“
Sie zeigte keine Reaktion. Saß einfach nur da und starrte ins Leere. Der Polizist legte vorsichtig eine Hand auf ihren Arm. „Katja… Hab ich Recht?“
Stille. „Können Sie aufstehen?“, fragte er leise und zog sie vorsichtig auf die Beine, doch sie zitterte so sehr, dass sie sofort wieder zu Boden sank. Der Wachmann seufzte leise, half ihr erneut beim Aufstehen. „Wir bringen Sie jetzt in Sicherheit, okay?“
Katja, immer noch völlig apathisch, brachte nicht einmal ein Nicken zu Stande. Sie konnte all das, was geschah nur schemenhaft wahrnehmen, wie sie langsam von dem Polizisten zu einem Auto gebracht wurde, die Fahrt, und schließlich die Ankunft vor einem großen, weißen Haus. Sie wusste nicht, wo sie war, doch es war ihr auch egal. Alles war ihr egal. Erneut sank sie in die Knie, blieb regungslos auf den kalten, nassen Pflastersteinen liegen und vergrub ihren Kopf in den Händen. Tränen liefen ihre Wangen hinab, vermischten sich mit dem Wasser des gefallenen Regens. Von stummen Schluchzern geschüttelt hob sie ihren Kopf, um ihn kurz darauf wieder sinken zu lassen und die Augen zu schließen. Selbst als man versuchte, ihr beim Aufstehen zu helfen, wehrte sie sich mit letzter Kraft dagegen, klammerte sich so lange am Boden fest, bis Blut aus ihren Fingerspitzen quoll. „Katja…“, flüsterte eine unbekannte Stimme. „Katja, Sie müssen aufstehen…. Kommen Sie…“
Doch Katja zeigte keine Reaktion. Inzwischen hatte es erneut zu regnen begonnen, endlich richtete sie sich ein kleines bisschen auf und breitete die Arme aus, lächelte. Nein... Nein, sie lachte, ein stilles Lachen. Der Regen würde sie von allem reinwaschen. Von allem Schmerz, jeglicher Schuld würde er sie befreien.
Doch erneut sank sie in sich zusammen, begann am ganzen Leib zu zittern. Sie konnte nicht verhindern, dass ihr die Augen zufielen. Und die unglaubliche Qual endlich erlosch.

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#2

2. Manchmal in der Nacht...

„Frau Hansen?“ Langsam ließ sich ein älterer Herr auf einen Stuhl neben ihrem Bett sinken, betrachtete sie mit gerunzelter Stirn. „Frau Hansen, können Sie mich hören?“
Nicken. Der Arzt lächelte. „Wunderbar...“ Er holte ein Stethoskop hervor und begann vorsichtig, sie abzuhören. Bei jeder Berührung zuckte sie zusammen. Endlich drehte Katja ihren Kopf, sah Dr. Jung mit leeren, angsterfüllten Augen an.
„Frau Hansen...“ Der Arzt runzelte besorgt die Stirn. „Katja... Können Sie mir sagen, was geschehen ist?“
Wieder ein Nicken. Sie schien zu einem Satz ansetzen zu wollen, doch so sehr sie es auch versuchte, kein Laut drang aus ihrem Mund. Sofort schossen ihr Tränen in die Augen.
„Hey... Hey, das macht doch nichts...“ Dr. Jung und wischte ihr vorsichtig die Tränen aus dem Gesicht. „Es ist okay, Katja... Strengen Sie sich nicht zu sehr an... Hier... Nehmen sie das... Das wird Ihnen guttun.“ Vorsichtig holte er drei winzige Tabletten aus seiner Kitteltasche. Katja schüttelte hastig den Kopf, doch der Arzt lächelte nur. „Ich will Ihnen doch nur helfen...“, flüsterte er. „Vertrauen Sie mir...

„Katja? Hier ist jemand der dich sprechen will...“ Lächelnd steckte Pfleger Mark seinen Kopf durch ihre Zimmertür. Verwundert sah die junge Frau von ihrem Buch auf. So viele Monate war sie nun schon in der Klinik, doch nie, niemals hatte sie Besuch bekommen. Von wem auch... Ihre besten Freunde, alle Menschen, denen sie wichtig gewesen war, die sich je für sie interessiert hatten, waren tot. Ausgelöscht von einem Fremden, einen Verrückten, innerhalb einer einzigen Nacht. Sie war die Einzige, die das Massaker überlebt hatte. So oft war die Polizei bei ihr gewesen, hatte sie zu den Geschehnissen dieser einen Nacht befragt, doch stets hatte sie geschwiegen. Denn in dem Moment, als die anderen ihr Leben verloren hatten, war dasselbe mit ihrer Sprache geschehen. Mark runzelte die Stirn. „Kat?“
Erschrocken zuckte sie zusamen. Ihr Pfleger, der sich mittlerweile zu einem wahrend Freund entwickelt hatte, musste lachen. „Soll ich ihn reinschicken?“
Nicken.
„Okay...“ Mark verschwand aus ihrem Blickfeld und kehrte wenige Minuten mit einem jungen Mann im Schlepptau zurück. Sogleich sie ihn erblickte, schlug sie sich die Hand vor den Mund, ihr ganzer Körper begann zu zittern. Vorsichtig, ganz vorsichtig trat Christian an ihr Bett, aber sie wich zurück, immer weiter. „Kleine?“, fragte er leise. „Hey... Freust du dich denn gar nicht, mich zu sehen?“
Keine Reaktion. Hilflos warf Chris einen Blick zu Mark, doch dieser zuckte nur mit den Schultern. „Katja... Jetzt schau mich doch wenigstens mal an...“
„Was willst du hier?“, fragte sie mit schwacher, erstickter Stimme. Erneut wandte sich ihr ehemals bester Freund an den Pfleger. „Ich... ich dachte, sie hätte ihre Sprache verloren?“, zischte er ihm zu. Dieser nickte nur, ebenfalls erstaunt. Langsam kam Christian einen weiteren Schritt auf seine beste Freundin zu, schloss sie vorsichtig in die Arme. „Ich hol dich hier raus, Kleine...“, flüsterte er ihr ins Ohr. „Jetzt wird alles gut... Das versprech ich dir... Jetzt wird alles gut...“
„Aber du... du bist...“
Er schüttelte den Kopf. „Katja... Ich bin nicht tot...“ Ein kaum merkliches Lächeln umspielte seine Lippen. „Hast du es denn noch immer nicht verstanden?“
Vorsichtig löste sie sich aus seinen Armen, sah ihm tief in die Augen. „Was, Christian?“, fragte sie leise. „Was?“
Mit einem Schlag gefror sein Lächeln. „Dummes, dummes Mädchen...“, murmelte er. „Wir leben noch... Wir alle... Es ist niemand gestorben...“
„Das.... das ist doch nicht möglich...“, flüsterte sie kaum hörbar. „Ich... ich hab doch...“
„Es war ein Spiel, Katja... Nur ein Spiel...“
Endlich schien sie zu verstehen. „Mistkerl...“, zischte sie. „Du gottverdammter...“ Tränen der Wut schossen ihr in die Augen, sie gab ihm eine heftige Ohrfeige. „Verschwinde... Geh mir aus den Augen!“
„Katja...“
„Nein!“, schrie sie ihn an. „Ich will dich nie wieder sehen! Raus! MARK! Mark, verdammt!“ Verzweifelt sah sie sich nach ihrem Pfleger um, doch er war nirgends zu sehen. „Bring ihn hier raus!“, rief sie, in der Hoffnung, er würde kommen, sie befreien. Doch nichts geschah.

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#3

oh eine neue FF von dir un noch kein FB *mich wunder*

habe den OS in deinem link und die zwei teile, die du on gestellt hast, gelesen und gefällt mir bis jetzt genauso gut wie deine vorherige Story =)=)

Allerdings bin ich verwirrt^^ [wie oft in letzter zeit xDD]
Was hat das jetzt zu bedeuten mit Christian un den andren??
Ich glaube ja, dass das
Show Content
??

Schreib bald weiter, ich werde auf jeden fall weiterlesen =)
kiss Anni

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And I felt Hope {Twilight|Alice&Jasper}
[♥]ava&sig by Avi[XxPruexX][♥]
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#4

Hey!
Ich werde auch weiterlesen auf jeden Fall. Smile Mir haben der Prolog und der erste Teil wirklich gut gefallen. Smile
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#5

Danke, ihr zwei Smile

3. Du wirst dich in mir erkennen

Schlagartig, mit einem erstickten Schrei fuhr sie aus dem Schlaf hoch, ihr Atem ging schnell und unregelmäßig, Tränen liefen unaufhörlich ihre Wangen hinab. Sofort kam Mark angelaufen, schloss sie fest in seine Arme. „Katja... Katja, beruhig dich doch...“, flüsterte er immer wieder, doch er hatte keine Chance. „Ruhig... Ganz ruhig, Kleine... Schhh... Alles ist gut...“ Vorsichtig setzte er eine Spritze an ihre Armbeuge an, injizierte ihr eine durchsichtige Flüssigkeit. „Du hast nur schlecht geträumt... Alles ist gut...“
Das Mittel begann zu wirken, erschöpft sank Katja in seinen Armen zusammen, schloss ihre Augen. Noch immer weinte sie, doch endlich... endlich hatte sie sich beruhigt.

„Na?“ Lächelnd setzte sich Mark zu ihr an die Bettkante, strich ihr vorsichtig eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Gut geschlafen?“
Katja zuckte nur mit den Schultern. Ihr Pfleger konnte ein Seufzen nicht unterdrücken. „Wieder schlecht geträumt?“
Nicken.
„Gott Kleine, was mach ich nur mit dir...“
Müde legte sie ihren Kopf auf seine Schulter, er streichelte behutsam darüber. Lange saßen sie so da, bis er sich erheben musste, sie vorsichtig zurück in ihr Bett legte. Und das Zimmer verließ. Geistesabwesend wandte Katja ihren Kopf, blickte aus dem Fenster, strich über die samtweichen Blüten der Herbstzeitlosen, die sich in einer Vase auf ihrem Nachttisch befanden. Jede Woche brachte Dr. Jung ihr bei der Visite diese Blumen mit, zauberte ihr damit stets ein Lächeln auf die Lippen. Sie hatte es gut hier, Ärzte und Pfleger mochten sie, taten alles, um ihr zu helfen. Obwohl sie das heimliche Sorgenkind der Klinik war, seit ihrer Ankunft vor fast einem Jahr keine Fortschritte gemacht hatte, war sie... nun... glücklich.
Vor allem Mark hatte sie fest ins Herz geschlossen, innerhalb kürzester Zeit war für sie ein Leben ohne ihn unvorstellbar geworden. Er verstand sie, auch ohne Worte, war der einzige, der sie nicht drängte, endlich wieder zu sprechen, doch nicht einmal er wusste, was geschehen war.
Jeden Abend kam er sie besuchen, selbst an seinen freien Tagen, half ihr, all das durchzustehen. Oft blieb er sogar über Nacht, beruhigte sie, wenn sie im Schlaf erneut von den Ereignissen jeder Nacht heimgesucht wurde. Katja war ihm wichtig, und das zeigte er ihr.
Sie konnte ein Zusammenzucken nicht unterdrücken, als sich die Tür erneut öffnete und ein lachender Mark ihr Zimmer betrat. „Du wirst auch immer schreckhafter...“, meinte er, während er schwer atmend zwei riesige Tüten auf den Tisch stellte. „Suchtbefriedigung.“ Er deutete auf die linke Einkaufstasche, die so prall gefüllt war, dass sie zu platzen drohte. „Nicholas Sparks, Cecilia Ahern, Arthur Golden. Das müsste bis nächste Woche reichen.“
Strahlend fiel sie ihm um den Hals, gab ihm zum Dank ein Küsschen auf die Wange. Seit sie hier war hatte sie endlich wieder begonnen zu lesen, Mark, der sie regelmäßig mit Büchern versorgte, staunte jedes Mal, wie schnell sie den Inhalt der Schriftstücke in sich einsog. Katja hatte ihre neuen Bücher mittlerweile sorgfältig verstaut und lenkte ihre Aufmerksamkeit nun auf die zweite Tüte. Ein schelmisches Lächeln umspielte die Lippen ihres Pflegers und besten Freundes. „Ich hab den Speiseplan für die nächsten Tage gesehen...“, erklärte er und wedelte mit einer Chipstüte vor ihrer Nase herum. „Aber zeig das Zeug um Himmels Willen nicht Dr. Jung, wenn er erfährt, dass ich dahinterstecke, komm ich in Teufels Küche...“
Lachend schüttelte sie den Kopf und ließ die Sachen unauffällig in der Schublade ihres Nachttisches verschwinden. Neugierig holte Katja einige DVDs hervor, denn noch immer war der Sack nicht geleert. Mark musste lachen, als er ihr Stirnrunzeln bemerkte. „Lust auf einen Filmabend?“ Es war nicht nötig, eine Antwort abzuwarten, denn Katjas Blick schien alles zu sagen. „Okay...“, flüsterte er ihr ins Ohr und drückte sie kurz. „In drei Stunden hab ich Feierabend... Dann komm ich.“

„Mach mal ein bisschen Platz...“ Lachend legte sich Mark neben Katja auf ihr Bett, schlang vorsichtig einen Arm um ihren Körper. „Ist doch fast so gemütlich wie im Kino...“
Sie musste lächeln.
„Du siehst unglaublich schön aus, wenn du lächelst, Katja...“, murmelte er in seine Gedanken versunken, spielte verträumt mit einer ihrer Haarsträhnen. Lange beobachtete er sie, doch sie war viel zu vertieft in den Film, um es zu bemerken. Irgendwann, es war schon weit nach Mitternacht, legte sie erschöpft ihren Kopf auf seine Schulter.
„Ich wünschte, ich könnte deine Stimme hören, meine Kleine...“, flüsterte Mark ihr ins Ohr. „Nur ein einziges Mal... Sie... sie muss wunderschön sein...“
Doch Katja hörte ihn nicht mehr, denn sie hatte ihre Augen geschlossen, war tief eingeschlafen. Und zum ersten Mal... Zum ersten Mal seit über zehn Monaten blieb ihr Schlaf traumlos.


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#6

das ist so schön... Heart
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#7

oh my god, I'm so sorry!
Ich hab total vergessen/verdrängt/whatever, dass ich die FF hier noch nicht zu Ende geposted hab... Ab jetzt gehts hier regelmäßig weiter mit den restlichen paar Kapis, promise :gg:

4. Totale Finsternis

Mit einem gellenden Schrei ließ Katja die Fernbedienung fallen. Zitternd wich sie zurück, immer weiter zurück, rutschte an der Wand entlang zu Boden. Nur schemenhaft konnte sie wahrnehmen, dass Mark in ihr Zimmer gestürmt kam, sie behutsam auf die Beine zog. „Verschwinde!“, fuhr sie ihn an, völlig außer sich. „GEH!“
Doch er blieb. So stark er konnte packte er sie an den Schultern, sah ihr tief in die vor Schreck weit aufgerissenen Augen. „Katja...“
Mit aller Kraft versuchte sie, sich aus seinem Griff zu befreien, schlug wie wild um sich. Die Panik stand ihr ins Gesicht geschrieben. „Raus! Ich will dich nicht sehen, verdammt! Nie wieder!“
Heiße Tränen liefen in Strömen ihre Wangen hinab, nichts... nichts von dem was geschah, was sie sagte, schien sie zu realisieren. Mittlerweile hatten auch Dr. Jung und zwei weitere Pfleger den Raum betreten, drückten sie nun fest auf ihr Bett. Eindringlich beschwor der Arzt Mark, ihm zu erzählen, was geschehen war, aber er konnte nur mit den Schultern zucken.
Noch immer hatte Katja nicht aufgehört, sich zu wehren, doch ihre Schreie waren verstummt. Mit bebender Stimme murmelte sie unverständliche Dinge, schluchzte leise. Erschöpft schloss sie ihre Augen, inzwischen waren auch ihre Versuche, sich von den Fesseln zu befreien nur noch kaum erkennbare Zuckungen.
Seufzend ließ sich Mark auf den Stuhl an ihrem Bett sinken, stützte den Kopf in seine Hände und schloss die Augen. So verzweifelt, so unglaublich verzweifelt hatte er sie noch nie gesehen... Nicht einmal bei ihrer Ankunft. Als die Polizei sie vor etwas mehr als einem Jahr blutverschmiert und völlig verstört auf der Straße aufgegriffen und hierher gebracht hatte, war ihm sofort klar gewesen, dass etwas Schreckliches geschehen sein musste. „Oh mein Gott...“ Hastig sprang er auf, schlug sich erschrocken die Hand vor den Mund. „Dr. Jung... Wissen Sie, was heute für ein Film im Abendprogramm lief?“
Der Angesprochene hob eine Augenbraue. „Herr Neuer, ich halte es wirklich nicht für relevant zu wissen-...“
Mark seufzte leise. „Darum geht es noch nicht, Carl... Ich... ich glaub, ich weiß, was mit Katja passiert ist.“

„Und Sie sind sich wirklich sicher, dass dieser Film Frau Hansens Anfall ausgelöst hat?“ Misstrauisch betrachtete Dr. Jung die eben besorgte DVD des Thrillers „Das Loch in der Tür“.
Mark nickte. „Ganz sicher.“, erwiderte er. „Es muss sie an ein Ereignis in ihrer Vergangenheit erinnert haben...“ Seufzend schaltete er den Fernseher ein. „Vielleicht erfahren wir jetzt endlich, was mit unserer Kleinen wirklich geschehen ist...“

„Katja?“ Vorsichtig nahm er ihre Hand in die seine, streichelte behutsam darüber. „Hey... Jetzt schau mich doch mal an...“
Keine Reaktion. Mark seufzte leise. Wie lange lag sie nun schon so da... Ohne etwas zu sagen, ihren Kopf zu drehen... Es war, als könnte sie nichts wahrnehmen, all ihre Gefühle schienen mit ihrem Zusammenbruch aus ihrem Körper gewichen zu sein, hatten eine leere Hülle hinterlassen, Katja in diesen tauben, unnahbaren Zustand versetzt. Ihre Seele war gestorben.

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#8

Ich muss sagen, ich find das so toll wie du schreibst und was du schreibst und überhaupt. Ich bin echt gespannt wie es weiter geht und ich staune immer wieder wie man sowas so schön in Worte fassen kann.
Und ganz besonders liebe ich deine Überschriften der Kapitel. Einfach zu toll mit den Sachen aus Tanz der Vampire. Heart
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#9

Okay... Dank dir seh ich jetzt wirklich so aus :o :laugh: Vielen, vielen Dank für dieses wunderbare FB, Zwergin Heart

5. Sich verliern' heißt sich befrein'

„Kleines, ich glaub ich hab eine Überraschung für dich...“ Lächelnd öffnete Mark die Tür zu ihrem Zimmer, trat zu ihr ans Bett. Er vermisste die Zeiten, in denen er nur klopfen musste, und sie ihm schon entgegen gelaufen kam, stets mit einem Lächeln auf den Lippen. Und nun? Nun lag sie einfach nur da, ohne eine Reaktion zu zeigen. Zwei Jahre war sie nun schon hier, und vor elf Monaten war alles anders geworden. Sie hatte sich so sehr verändert... Es tat unglaublich weh, sie zu sehen, nichts tun zu können... Es war, als wäre sie in einer Art Trance gefangen. Er strich ihr vorsichtig eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Draußen wartet jemand auf dich... Soll ich sie holen?“
Stille. Mark seufzte leise. „Ich... ich bring sie rein...“, meinte er und wandte sich um. Wenige Minuten später brachte er langsam eine junge Frau in den Raum. Vorsichtig hatte er einen Arm um ihre Hüften geschlungen, um sie zu stützen, denn sie zitterte so sehr, dass sie drohte, jeden Moment zu fallen.
Schlagartig sprang Katja auf, lief ihr entgegen und fiel ihr um den Hals. Tränen liefen unaufhörlich ihre Wangen hinab, leise schluchzend brachte sie ihre beste Freundin zu ihrem Bett, half ihr behutsam, sich zu setzen. „Hey, Kleine...“, flüsterte Sandra mit bebender Stimme. „Ich... ich freu mich so, dich wiederzusehen...“

„Frau Nitka, können Sie uns sagen, was geschehen ist?“ Beinahe flehentlich sah Dr. Jung Katjas bester Freundin in die Augen. Diese nickte nur. „Natürlich...“, erwiderte sie. „Aber... Ich halte es für das Beste, Sie zu warnen... Unser Schicksal ist... Ach, was soll’s... Sie werden es niemals verstehen...“

„Was... was ist geschehen?“ Schwach versuchte sie, sich aufzurichten, doch sie schaffte es nicht, konnte sich nur erschöpft an ihr Kissen lehnen. Verschwommen nahm sie wahr, dass eine Gestalt an ihrem Bett saß, sich Notizen machte. „Frau Nitka?“, fragte eine sanfte Stimme, die dem Mann zu gehören schien. „Sie... Sie sind wach?“
Nicken.
„Wie fühlen Sie sich?“, fuhr der Arzt fort, während er vorsichtig begann, sie zu untersuchen. Sandra zuckte kaum merklich mit den Schultern. „Ich... ich spür so ein Stechen in der Brust...“, flüsterte sie.
„Keine Sorge, das ist völlig normal...“ Seufzend ließ sich Dr. Braun zurück auf seinen Stuhl sinken. „Können... Sie sich an irgendetwas erinnern?“
Wieder brachte sie nur ein Nicken zu Stande.
Der Arzt lächelte. „Ruhen Sie sich erst mal aus... Ich werde in ein paar Stunden noch mal nach Ihnen sehen.“
„Nein... Warten Sie...“
„Brauchen Sie etwas?“, erkundigte sich Dr. Braun, mit einem besorgten Stirnrunzeln.
„Wie... wie lange war ich weg?“


„Es ist ein Rätsel, warum er Katja nicht auch etwas angetan hat...“, schloss sie ihre Erzählung. „Aber... was heißt das schon... eine solche Nacht zu überleben... Mit ansehen zu müssen, wie die besten Freunde sterben... und zu leben... Ich schwöre Ihnen, so etwas ist weitaus schlimmer als der Tod. Es wundert mich nicht, dass sie kein Wort mehr sagt, weiß Gott nicht. Aber ich bewundere sie für ihre Stärke. Wäre ich an ihrer Stelle... Ich hätte mich längst umgebracht.“
Es herrschte langes, bedrücktes Schweigen, Sandra blickte geistesabwesend aus dem Fenster. Sie hatte es überlebt... Am Anfang... Am Anfang war es ihr so irreal vorgekommen... Niemals hatte sie daran geglaubt, sie zu finden... Katja lebte, auch wenn sie nicht mehr dieselbe war. Nur noch ein Schatten ihrer selbst, die einst so lebenslustige Frau war verschwunden. Gebrochen innerhalb einer einzige Nacht.

Auch Mark war unfähig etwas zu sagen, heimlich kämpfte er mit den Tränen. Natürlich hatte er gewusst, geahnt, dass etwas Schreckliches geschehen war, doch das... Nein... Niemals. Noch immer völlig verstört erhob er sich, wandte sich Dr. Jung zu. „Ich... ich muss zu ihr...“, flüsterte er. Und lief.
„Frau Nitka...“ Der Arzt stieß einen langen, tiefen Seufzer aus. „Gestatten Sie mir eine letzte Frage... Warum sind Sie nicht viel früher hier her gekommen?“
Auch sie konnte ein Seufzen nicht unterdrücken. „Nach fast zwei Jahren Koma hab ich Zeit gebraucht, um mich wieder... wieder zu fangen... So bald ich aufstehen konnte, hab ich mich auf die Suche nach Katja gemacht... Und sie gefunden. Hier.“
Dr. Jung lächelte. „Wir werden versuchen, ihr zu helfen...“, sagte er leise. „Ich versprech’ es Ihnen.“

„Katja... Kleine, hey...“ Behutsam schloss er sie in seine Arme. „Es tut mir so Leid...“, flüsterte er. „Es tut mir so unglaublich Leid...“
Leises Schluchzen war zu vernehmen. „Schhh...“ Zärtlich strich er ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Ich pass auf dich auf, mein Schatz... Das versprech’ ich dir... ich pass auf dich auf...“
Langsam, ganz langsam beugte er sich zu ihr vor, noch ehe er sich versah trafen seine Lippen auf die ihren, nur wenige Sekunden verharrten beide in dieser Stellung bevor sie, sichtlich erschrocken, zurückwichen.
„Katja!“, rief Mark, lauter als gewollt. „Ich... du... das... das tut mir so Leid!“
Doch ein Lächeln zeichnete sich auf ihren Lippen ab, sie zog ihn zurück zu sich auf ihr Bett. Die beiden sahen einander tief in die Augen, bevor Katja ihm in die Arme fiel und sich vollends dem schönsten, innigsten aller Küsse hingab.

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#10

ohh avi, schon wieder ein toller teil x3
und tuut miir leiid dass ich beim letzten teil kein fb gegebn hab =( habe es völlig verpeilt ..

ich bin etwas verwirrt, was wahrscheinlich daran liegt dass ich kurz vorm einschlafen bin^^
aaaabber vool toll, mit mark un katja ♥♥

also wie immer, toller teil, freue mich schon auf den nächsten (:
Liebe grüße, Anni

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