Where you lead I will follow
#41

Hallo ihr Lieben,
überraschend habe ich heute Nacht diesen Teil getippt.
Ich mag ihn recht gerne, aber entscheidet selbst!
Vielen dank für euer FB!

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9. Easy come, easy go
Rory stand vor ihren offenen Kleiderschrank, bemüht etwas Passendes für das Freitagsdinner bei den Großeltern auszuwählen. Aufgrund des Zeitmangels entschied sie sich für einen grauen Pullover und einen immer passenden schwarzen Rock.
Die Tage nach Tom Greenwich tragischen Selbstmord, waren für sie eine doppelte Belastung gewesen. Einerseits gab es da den Stress in der Arbeit, der sie täglich bis 9 Uhr abends im Büro festgehalten hatte, andererseits war sie dabei gewesen, wie sich jemand das Leben genommen hatte.
Erschöpft ließ sie sich für einen Moment auf ihr Bett fallen, prüfend geleitete ihr Blick durch das Zimmer, alles war an seinem Platz. Ihre Bücher standen ordentlich geordnet in den Regalen, inständig wünschte sie sich wieder mehr Zeit für diese zu haben. Lächelnd erhob sie sich und strich mit den Fingern über die Einbände ihrer Lieblingswerke, amüsiert stellte sie fest, dass sich auf ihren Fingerspitzen Staub bildete. Kein Wunder, schließlich war sie beinahe zwei Jahre nicht zu Hause gewesen. Unbewusst fiel ihr ein kleines weißes Buch mit schwarzen Rand ins Auge, vorsichtig zog sie es zwischen James Joyce „Ulysses“ und Charles Bukowskis „Ham on Rye“ hervor.
Seit Ewigkeiten hatte sie dieses Buch nicht mehr in ihren Händen gehalten, wie zerlesen es doch war. Neugierig schlug sie die erste Seite auf, und nur den Bruchteil einer Sekunde später wieder zu. Oh mein Gott, wie hatte sie das nur vergessen können? Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals. Unweigerlich sah sie ihn vor sich, die Hände in der Hosentasche vergraben, das Gesicht zu einen schiefen Lächeln verzogen, das seine warmem, braunen Augen strahlen lies. Noch heute, hörte sie seine Stimme, fast so als würde er neben ihr stehen. „Oliver Twist“ klang es in ihren Ohren.
Erneut schlug sie das Buch auf, wie in Trance strich sie über Jess Bemerkungen die er für sie vor über einen halben Jahrzehnt mit Bleistift notiert hatte. Sie konnte noch immer spüren an welchen Stellen er fester aufgedrückt hatte, schmunzelnd überflog sie die Zeilen.
„Hey, Rory! Wir sind gleich fertig, Luke braucht wie immer ewig, wahrscheinlich steckt seine Krawatte schon wieder im Reisverschluss seiner Hose fest“ schrie ihre Mutter aus der Küche.
„Lorelai, hör auf damit“ hallte Lukes entsetzte Stimme aus dem Wohnzimmer.
Sie zuckte erschrocken zusammen, schon sehr bald würde sie ihrer Mum alles erzählen müssen, es gab am Wochenende keine Arbeit mehr in die sie flüchten konnte. Tief in ihr drin wusste sie, dass sie sich nach einen Gespräch mit ihrer Mutter besser fühlen würde, nichtsdestotrotz hatte Angst vor ihrer Reaktion.

„Rory, das mit der Krawatte ist nur ein einziges Mal passiert, und auch nur weil mich deine Mutter abgelenkt hat“ erklärte Luke und warf dabei seiner Frau vom Beifahrersitz aus böse Blicke zu.
„Klar, und die anderen drei zerrissenen Krawatten haben wir so gekauft“ kicherte Lorelai.
„Ich hab dir gesagt, dass das dein komischer Hund war!“
„Paul Anka hat Angst vor Krawatten, er hält sie für Hundeleinen, und von denen hat er noch immer ein Trauma“
„Sehr normal, und vergessen wir nicht, dass er auch Angst vor meinen Socken hat! Die ich jetzt immer oben in die Schubladen legen muss“
„Ihr seid schon ein Richtiges Ehepaar“ warf Rory vom Rücksitz aus ein.
„Wir sind zwar noch nicht so gut wie Al & Peggy Bundy, aber wir arbeiten daran“ konterte Lorelai, und Luke schüttelte nur den Kopf.

„Weißt du was Luke gesagt hat? Er würde sich lieber 3-mal Casablanca mit mir ansehen, als jeden Freitag hier anzutanzen“ erzählte Lorelai ihrer Tochter als sie vor der Haustür der Großeltern standen.
„Weil mich dein Dad sicher wieder dazu überreden will Aktien und Fonds oder auch gleich die ganze Welt zu kaufen, und ich absolut keine Ahnung davon habe“
„Ihr könnt euch aber beide nicht drücken“ erinnerte sie Rory, und drückte auf den Knopf für die Türklingel.
Wenige Sekunden später wurden sie auch schon von einem ihnen unbekannten Dienstmädchen hereingebeten.
„Rory! Lorelai“ begrüßte Emily die beiden überschwänglich „Guten Tag Luke“ fügte sie mit einem spitzen Lächeln hinzu.
„Gibt Sienna eure Mäntel“ forderte sie die drei auf.
Sie taten wie ihnen geheißen wurden, und folgten Emily im Gänsemarsch in Richtung Wohnzimmer.
„Sienna kommt aus Neuseeland“ erzählte Emily.
„Isst sie denn viele Kiwis?“ feixte Lorelai in Richtung ihrer Mutter.
„Das weiß ich nicht“
„Vielleicht hortet sie oben Kiwi Bäume in ihren Zimmer die bis unter die Decke wachsen! Einestages öffnest du dann die Tür zu ihrem Zimmer und darin befindet sich ein Urwald bestehend aus lauter Kiwis“
„Das ist dann aber ein gesunder Urwald“ warf Rory ein, und setzte sich zwischen ihre Mutter und Luke auf das Sofa.
„Richard! Kommst du bitte! Lorelai braucht ganz dringend was zu trinken“ rief Emily.
„Ich komme schon, ich komme schon! Lorelai was möchtest du denn?“ fragte Richard der soeben im Wohnzimmer erschienen war, an seine Tochter gewandt.
„Einmal Kiwisaft“ kicherte Lorelai woraufhin Rory auflachte und ihrer Mum mit dem Ellbogen einen Stoß in die Rippen versetzte.
„Ach sehr gut, Witze über das Neuseeländische Dienstmädchen!“ schmunzelte er und machte sich auf dem Weg um die Drinks zu mixen.
„Richard!“ ermahnte Emily ihren Gatten mit einem strengen Blick.
„Schon gut, was darf es denn nun für euch nun wirklich zum Trinken sein?“ wollte Richard wissen.
„Gin Tonic und einen Gin Tonic“ kam es von Lorelai wie es aus der Pistole geschossen.
„Ein Wasser“ fügte Rory hinzu.
„Und Luke, möchtest du ein Bier?“ fragte Emily höflich.
„Ja, das wäre sehr nett, danke“ antwortete Luke lächelnd, und fummelte dabei an seiner Krawatte herum.
Lorelai blickte an die Decke und verdrehte dabei genervt die Augen, ihre Mutter konnte es einfach nicht lassen.
Richard reichte ihnen die Drinks, und setzte sich dann auf den bequemen Sofasessel neben seine Frau.
„Hach Rory, dein Großvater und ich sind so stolz auf dich“ säuselte Emily und hob sie Montagsausgabe der New York Times vom Couchtisch.
„Was warum seid ihr Stolz auf sie?“ wollte Lorelai wissen und blickte abwechselnd ihre Mutter und ihre Tochter an.
„Danke, Mum“ bemerkte Rory.
„Nein, Schatz so meinte ich das nicht! Ich bin schon stolz auf dich seit du mit 4 wolltest. dass ich dir ´´Krieg und Frieden´´ vorlese, und ich dachte es sei ein Märchenbuch! Also Mum, warum seid ihr stolz?“
„Weil Rorys Name auf Seite drei der Times abgedruckt wurde! Das würdest du wissen wenn du sie gründlicher lesen würdest“ belehrte Emily ihre Tochter und warf ihr dabei einen ihrer vernichtenden Blicke zu.
„Dein Name war in der Zeitung? Warum hast du nichts gesagt? Wir hätten den Artikel ausgeschnitten und ihn hinter Panzerglas eingerahmt und ihn zwischen die Kinderfotos von dir im Hasenkostüm gestellt“
„Mum, ich-“
„Sehen wir es uns doch einmal an“ strahle Emily, packte die Zeitung und breitete sie über den Wohnzimmertisch aus. Richard rückte seine Brille zurecht und zeigte auf jene Stelle an der Rorys Namen erwähnt wurde.
„Das ist doch so winzig! Man sollte zur Zeitung auch eine Lupe bekommen“ beschwerte sich Lorelai.
„Recherchiert von Lorelai Gilmore“ las Richard voller Stolz vor.
„Hörst du Luke, ich hab was für die Times geschrieben“ gluckste Lorelai.
„Das ist doch toll, Rory“ beglückwünschte Luke seine Stieftochter ohne auf die Anspielung seiner Frau einzugehen.
„Warum hast du uns nichts gesagt?“ fragte Lorelai erneut.
„Nun ja, es war der Tag an dem sich Tom Greenwich umgebracht hat, und ich war so aufgewühlt … ich wollte das alles nur vergessen“ entgegnete Rory.
„Hach, Schätzchen“ flüsterte Lorelai und drückte ihre Tochter kurz an sich.
„Das ist uns doch egal, dass sich dieser verrückte Wichtigtuer umgebracht hat! Rorys Name steht in der Zeitung, das ist ein Grund zu feiern! Wer will ein Glas Champagner?“ lächelte Emily.
„Darf ich vorstellen? Meine Eltern: Emily und Richard Gilmore, die pietätlosesten Menschen von ganz Connecticut“

„Servieren Sie bitte den nächsten Gang, Sienna“
„Sehr wohl, Mrs. Gilmore“
„Was gibt es denn als Hauptgang?“ erkundigte sich Lorelai, die nach der Kürbissuppe und dem Rote Beete Salat mit Ziegenkäse auf etwas Essbares hoffte.
„Lachs mit Meerrettich Kruste“
„Schon wieder Fisch?“ seufzte Lorelai und zog dabei einen Schmollmund.
„Dein Vater soll viel Lachs Essen, Doktor Parker hat gesagt das ist genau das richtige für ihn“
„Dr. Parker?“
„Er ist einer der besten Diätlogen des Landes, er betreut auch einige Berühmtheiten in Hollywood“ erzählte Emily stolz.
„Wahrscheinlich sieht Linday Lohan neuerdings so abgemagert aus, weil ihr von dem vielen Lachs immer schlecht wird“ stänkerte Lorelai munter weiter.
„Das könnte ich mir durchaus vorstellen“ räusperte sich ihr Vater.
„Richard!“ rief Emily schockiert, verstummte aber sofort, da das Dienstmädchen im Esszimmer erschienen war, um den Hauptgang zu servieren.
„Das sieht köstlich aus, Emily“ lächelte Luke um die Wogen etwas zu glätten. Unauffällig musterte er das mickrige Stückchen Lachs auf seinen Teller, er würde nachher wohl noch etwas zu Essen brauchen.
„Dankeschön, Luke“ flötete Emily.
„Argh!“ raunte Lorelai.
„Geht es dir gut, Lorelai? Brauchst du deine Tabletten?“ fragte ihre Mutter, doch Lorelai schüttelte den Kopf und wandte sich wieder den Teller zu.
„Und deiner Tochter geht es gut?“ setzte Emily an Luke gewandt nach.
„Ähm, ja … sie die Klassenbeste in der Schule … und vor ein paar Wochen hat sie einen Naturwissenschaftlichen Preis gewonnen … weil sie herausgefunden hat, wie lange Sandflöhe bei geänderten Bedingungen überleben können“ stotterte Luke, wenn es um April ging wurde er immer noch sichtlich nervös.
„Interessant, nun da ihr beide verheiratet seid, frage ich mich natürlich wann wir die Kleine auch einmal kennenlernen werden! Ich meine, bei der Hochzeit hat sie uns einmal kurz die Hand geschüttelt, aber ich denke nicht dass sie weiß wer wir sind“ erläuterte Emily die Situation aus ihrer Sicht.
„Nun, es waren ja auch viele Leute auf der Hochzeit“ erinnerte sie Luke.
„Nicht so viele wie es hätten sein sollen, Lorelais Cousine Sarah ist noch immer empört“
„Mum, Sarah ist nicht einmal meine richtige Cousine, sondern die Tochter deiner Cousine, was bedeutet dass sie und ich nicht verwandt sind“ warf Lorelai ein.
„Wie auch immer, da ihr jetzt eine Familie seid, wollen wir das Kind richtig kennen lernen“
„Okay“ antwortete Luke zaghaft, und warf seiner Frau hilfesuchende Blicke zu.
„Irgendwann mal klappt das bestimmt“ versuchte es Lorelai, sie durften sich jetzt ja nicht in die Ecke drängen lassen.
„Wann?“ hakte Emily nach.
„Keine Ahnung, Mum“ antwortete Lorelai mit zusammengepressten Zähnen.
„Wann kommt sie denn das nächste Mal her?“ lies Emily nicht locker.
„Ahm, übernächstes Wochenende“ beantwortete Luke die Frage, was Lorelais und Rorys Reaktion nach falsch gewesen zu sein schien.
„Wunderbar, dann könnt ihr sie freitags mitnehmen zum Dinner“ strahlte Emily.
„Das ist wie bei Titanic, entweder du springst ins Eiskalte Wasser und erfrierst oder du wirst mit dem Schiff nach unten gezogen und zerquetscht – im Grunde gibt es keinen Ausweg“ raunte Lorelai gerade so laut, dass es ihre Tochter hören konnte.
„Weißt du, April wird wahrscheinlich erschöpft sein, nach dem langen Flug! Es wäre vielleicht besser wenn wir alleine kommen und-“
„Ich erwarte euch um Punkt Sieben, Lorelai“ sagte Emily in einen Ton der keine Widerrede duldete.

„Das habt ihr zwei echt gut hingekriegt“ grinste Rory nachdem ihre Großmutter die Türe hinter ihnen geschlossen hatte, und klopfte den beiden aufmunternd auf die Schultern.
„Wie macht sie das bloß?“ seufzte Luke und warf dabei die Hände in die Luft.
„Keine Ahnung, komm las uns fahren, ich hab Hunger“ resignierte Lorelai genervt.


„Das muss aber noch ein Stück breiter werden“ schrie Lorelai von der Veranda aus Kirk zu, den sie damit beauftragt hatte, die Auffahrt neu zu betonieren.
„Ja, wenn der Beton reicht!“ erwiderte Kirk und blickte verunsichert in die Mischmaschine die nur mehr zu einen Drittel voll war.
„Kirk, verdammt! Die Auffahrt muss breiter sein, sonst passt Luke mit seinen Pick-up nicht durch“
„Dann müsst ihr euch halt Motorräder kaufen! Ich wollte schon immer eines haben, aber meine Mutter hat es mir nie erlaubt! Einmal da hatte ich ein ferngesteuertes Motorrad aber irgendwann hat es Mrs. Lychfields fetter Hund zerbissen“
„Geh an die Arbeit, Kirk“ fauchte Lorelai.
„Sei nicht so fies zu ihm“ gluckste Rory, die auf der blauen Korb Bank neben ihrer Mum auf der Veranda saß.
„Pink steht mir ausgezeichnet“ stellte Lorelai fest und wedelte mit ihren frischlackierten Fingern durch die Luft.
Es war Samstagsvormittag, Luke arbeitete im Cafe und Lorelai hatte es geschafft sich frei zu nehmen. Wenn auch unter Michels heftigen Protest, bei denen mehrere Französische Wörter gefallen waren, von denen sie stark vermutete, dass sie nicht jugendfrei waren.
„Stimmt, man merkt gar nicht, dass er aus der Kinderabteilung ist, und ein Hellokitty Gesicht auf der Verpackung war“
„Tja, jeder ist eben nicht so Stilsicher wie du und entscheidet sich für farblosen Nagellack“
„Das ist Nagelhärter und keine Nagellack“
„Wie auch immer! Was hast du denn heute noch vor?“ fragte Lorelai.
„Hm, ich muss ein paar Sachen recherchieren, einen Artikel abtippen, aber ansonsten möchte ich mich einfach nur entspannen“ lächelte ihre Tochter
„Zieh die Decke nicht immer mehr auf deine Seite, meine Zehen fallen noch ab“
Obwohl die Sonne vom Himmel strahlte hatte es auch Ende Februar nicht mehr als 5 Grad über Null. Rory seufzte und breitete die Stoffdecke so aus, dass ihre Mutter zufrieden war.
„Rory, ich mach es jetzt kurz und schmerzlos, sag mir bitte was mit dir los ist? Es ist doch nicht nur die Sache wegen dem Unglück diese Woche! Irgendetwas ist davor schon passiert … ich hab nur keine Ahnung was“
Rory zog die kalte Winterluft ein und atmete langsam aus, sie hatte gewusst dass dieser Moment unweigerlich kommen würde, genauso wie Montage, man versuchte sie zu verdrängen aber sie kamen trotzdem.
„Du hast Recht Mum, es ist etwas passiert“
Zögernd fischte sie das dünne weiße Buch mit dem schwarzen Rand, dass sie seit gestern in ihrer Jackentaschetrug, hervor.
„Du hast dir ein Buch gekauft? Das ist alles? “
Mit großen Augen starrte sie das weiße etwas in ihren Händen an, unschlüssig schlug sie es auf der ersten Seite auf und reichte es ihrer Mutter, die sie nur verständnislos anblickte.
„Soll ich es dir vorlesen? Ich glaube das kannst du schon selber“
„Nein“ antwortete Rory mit tonloser Stimme und starrte auf ihre frisch lackierten Zehen.
Lorelai blickte verwirrt zu ihrer Tochter hinüber, wandte sich dann aber wieder den Buch in ihrer Hand zu.
„Ich sollte dir vertrauen obwohl ich dich nicht kenne, jetzt musst du unfreiwillig mir vertrauen, denn ich habe dein Buch entwendet. Wenn du das je liest, dann hast du es zurückbekommen, ich hoffe du kannst meine Notizen lesen“ las Lorelai laut vor und wurde daraus nicht schlauer.
„Ich hatte es völlig vergessen, und plötzlich ist es mir gestern wieder in die Hände gefallen“
„Rory, was hast du vergessen? Ich verstehe das alles nicht!“
„Er hat das für mich damals geschrieben, als er nach Stars Hollow kam“
„Wer? Wer hat das für dich geschrieben?“ schrie Lorelai nun schon beinahe, ihre Stimme war viel höher als sonst.
Rory schnaubte verächtlich, langsam drehte sie sich zur Seite und blickte ihrer Mutter in die blauen Augen, die ihren so sehr glichen.
„Jess“ flüsterte sie.
„Wann hat er das geschrieben? Als er bei der Hochzeit war?“
„Nein, als er damals hierhergezogen ist“ schüttelte Rory den Kopf, sie spürte einen großen Klos im Hals, Tränen stiegen in ihr hoch.
„Rory, Schatz! Bitte erzähl es mir endlich, warum nimmt dich etwas so sehr mit was Jess vor Jahren geschrieben hat?“
„Weil wir uns geküsst haben“
Lorelai klappte die Kinnlade hinunter, mit offenem Mund starrte sie ihre Tochter an, damit hatte sie nicht gerechnet! Ebenso gut hätte sie ihr erzählen können, dass Elvis noch lebte und ein Diner in Dallas betrieb.
„Wann?“ stammelte Lorelai.
„Am Abend nach der Hochzeit, wir haben uns zufällig bei Luke im Cafe getroffen, weil drinnen noch Licht brannte und ich nachsehen wollte“
„Aber er hat doch eine Freundin?“
„Keine Ahnung, sie war oben, wahrscheinlich hat sie schon geschlafen, es war ziemlich spät“ brachte Rory mühsam hervor und Tränen liefen ihr über die Wangen.
„Ihr habt euch nur geküsst? Mehr nicht?“
„Nein, es ist nicht mehr passiert! Nach all dem was damals in Philadelphia passiert ist, es war einfach so komisch ihn wiederzusehen“
„Was ist in Philadelphia passiert, Rory?“ sagte ihre Mum auf einmal ganz ruhig.
„Damals haben wir uns auch geküsst, aber ich war verletzt wegen Logan und den Brautjungfern, ich hab den keine Bedeutung beigemessen. Oh mein Gott“ schluchzte sie und ihre Mum legte schützend den Arm um ihre Schultern.
„Ist schon gut, Schatz“ hauchte Lorelai und drückte ihre Tochter an sich.
„Nein, ist es nicht! Ich weiß nicht weiter! Jedes Mal wenn ich Jess begegne sind da diese Gefühle, und ich kann mich nicht dagegen wehren“
„Sch! Schatz! Beruhig dich doch einmal! Eure Geschichte wurde damals so abrupt beendet, es ist wahrscheinlich völlig normal dass deine Gefühle verrücktspielen“
„Ich hab keine Ahnung was ich jetzt tun soll“ jammerte Rory und setzte sich wieder aufrecht hin.
„Vielleicht solltest du einfach abwarten, ob er sich meldet oder-“
„Das wird er nicht tun, er hat mir eine Nachricht geschrieben, dass wir das geschehene vergessen sollen und es keinen Sinn mehr macht für ihn“
„Macht es denn Sinn für dich, Rory?“
„Keine Ahnung“
„Wir sollten jetzt reingehen, wir holen uns sonst hier draußen noch den Tod! Und Kirk guckt auch schon so komisch rüber“

„Was ist denn mit Rory los? Hat sie schon geschlafen als ich nach Hause kam?“ fragte Luke leise an Lorelai gewandt, die auf seiner Brust lag und kleine Kreise darauf malte.
„Es geht ihr nicht besonders gut, aber das wird schon wieder“
„Das kitzelt Lorelai! Ist es wegen der Selbstmord – Geschichte?“
„Hm, nicht nur. Sie und Jess haben sich auf der Hochzeit geküsst“ platzte es aus Lorelai heraus, sie musste es einfach jemanden erzählen. Sie hatte erwartet dass Luke aufspringen würde, oder zumindest einhundert Fragen stellen würde, von denen sie auf keine die Antwort wusste, doch das Gegenteil war der Fall – er lag ganz still da und bewegte sich keinen Millimeter.
„Luke?“
„Hm?“
„Ich habe dir so eben die Neuigkeit des Jahrtausends erzählt und du bist weder schockiert, noch flippst du aus oder schreist herum! Warum?“ wunderte sich Lorelai und rappelte sich hoch um ihren Ehemann in die Augen zu blicken.
„Starr mich nicht so an! Na gut, ich wusste es schon“
„Was du wusstest es? Verdammt noch einmal, woher?“ brüllte sie.
Luke blieb ganz ruhig, und betrachtete Lorelai zwei Sekunden lang bevor er antwortete.
„Von Jess“
„Was er hat es dir erzählt? Wann?“
„Sonntag nach der Hochzeit, er war total niedergeschlagen, ich hab ihm im Cafe gefunden, er brauchte jemanden zum reden“ rechtfertigte sich Luke.
„Aber warum hast du mir nichts gesagt? Er ist der Grund warum es meiner Tochter so schlecht geht“ funkelte sie ihn böse an, sprang aus dem Bett und lief im Zimmer unruhig auf und ab.
„Ich habe Jess versprochen nichts zu sagen, außerdem wollte ich warten bis es dir Rory von selber sagt“
„Das ist unglaublich!“
„Lorelai, komm wieder ins Bett!“ bat sie Luke.
„Nein, wir sind verheiratet Luke, du musst mir alles sagen! Zwischen uns darf es einfach keine Geheimnisse geben, sonst funktioniert das nicht“ schüttelte sie den Kopf, blieb ohne Vorwarnung stehen und starrte ihren Ehemann der völlig perplex im Bett lag an.
„Okay, Lorelai! Ich schwöre dir, keine Geheimnisse mehr!“ beteuerte er mit ernster Miene.
Zögerlich legte sie sich zurück ins Bett und zog die Decke bis zu ihrem Kinn hinauf, dann schaltete sie ihre Nachttischlampe aus.
„Was denkst du Lorelai?“ fragte er in die Dunkelheit hinein und ergriff ihre Hand.
„Ich weiß es nicht! Wir geben ihnen Zeit, mehr können wir nicht tun“ wisperte sie.
„Dich bedrückt doch noch was?“
„Er sieht Rory so an wie du mich ansiehst, Luke! Schon damals als sie zusammen waren“
Luke sagte nichts, denn darauf gab es keine Antwort.

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only god can judge me
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#42

Hey du,

also ich verfolge deine Geschichte jetzt schon eine ganze weile und ich bin echt hin und weg. Das ist alles so toll was passiert.
Und du schriebst es auch wirklich.
Eine ganze Zeit lang habe ich mit mir gerungen dir ein Feedback zu geben aber nach dem letzten Satz von Lorelai konnte ich gar nicht mehr anders.

Sie sieht also quasi selber das Jess sie unendlich liebt. Wahrschienlich etwas was Rory selber gar nicht sieht.

Ich bin sehr gespannt wie es weiter geht!!!

Mach unbedingt so weiter!!!
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#43

Du schreibst so gute Teile das ich immer sprachlos bin.

Das sah bestimmt witzig aus als Lukes Krawatte im Reisverschluss feststeckte.
Emely und Richard sammeln mal wieder alle Artikel von Rory.
Endlich hat Rory mit ihrer Mutter geredet.

Kann es kaum erwarten bis es weiter geht und schreib schnell weiter Big Grin
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#44

Ahh ein schöner Teil. Vor allem das:
Zitat:„Er sieht Rory so an wie du mich ansiehst, Luke! Schon damals als sie zusammen waren“
Ich hoffe Luke und Lorelai intervenieren ein bisschen, damit sie darüber reden.

Freu mich schon auf den nächsten Teil!

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ich will dir eine watschen
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#45

Fand ich eigentlich wieder sehr gut, aber diesmal hab ich einen Kritikpunkt:
Ich finde, Lorelai reagiert über. Klar, Jess war der Bad-Boy. Aber muss sie durch die Hochzeit nicht auch gemerkt haben, dass er sich geändert hat? Und kann man einen Menschen über 7 Jahre so hassen?

Und das Luke ihr das nicht erzählt hat... Ich weiß nicht, wenn er Part von Lores Leben sein will, dann muss er ihr solche Sachen erzählen. Oder?

Jedenfalls wars trotz allem wieder ganz schön, der Teil.

Und mein ewiger Kritikpunkt: Wer sind Al & Peggy Bundy?
Wenn man den Witz der Story ganz verstehen soll, ist es immer hilfreicher, die Anspielungen zu erklären Wink


_____What if sex was holy and war was obscene_____
-Alicia Keys
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#46

Zitat: Hey du,

also ich verfolge deine Geschichte jetzt schon eine ganze weile und ich bin echt hin und weg. Das ist alles so toll was passiert.
Und du schriebst es auch wirklich.
Eine ganze Zeit lang habe ich mit mir gerungen dir ein Feedback zu geben aber nach dem letzten Satz von Lorelai konnte ich gar nicht mehr anders.

Sie sieht also quasi selber das Jess sie unendlich liebt. Wahrschienlich etwas was Rory selber gar nicht sieht.

Ich bin sehr gespannt wie es weiter geht!!!

Mach unbedingt so weiter!!!
Liebe cherry, vielen lieben dank dass du dich dazu durchgerungen hast mir ein Feedback zu geben, hat mich sehr gefreut!
Ich würde mich natürlich auch freuen wenn du weitherin dabeibleibst & ab und zu ein FB gibst.
Stimmt, Lorelai nimmst Sachen wahr die für Rory (noch) nicht erkennbar sind.
Danke nochmals !


Zitat: Du schreibst so gute Teile das ich immer sprachlos bin.

Das sah bestimmt witzig aus als Lukes Krawatte im Reisverschluss feststeckte.
Emely und Richard sammeln mal wieder alle Artikel von Rory.
Endlich hat Rory mit ihrer Mutter geredet.

Kann es kaum erwarten bis es weiter geht und schreib schnell weiter :biggrin:
Lis, was soll ich noch sagen ? Smile
Außer herzlichen dank, dass du immer FB gibst, das ist wirklich klasse von dir!! DANKE !!



Zitat: Ahh ein schöner Teil. Vor allem das: Zitat:
„Er sieht Rory so an wie du mich ansiehst, Luke! Schon damals als sie zusammen waren“
Ich hoffe Luke und Lorelai intervenieren ein bisschen, damit sie darüber reden.

Freu mich schon auf den nächsten Teil!
auch dir vielen lieben dank, Mela.


Zitat: Fand ich eigentlich wieder sehr gut, aber diesmal hab ich einen Kritikpunkt:
Ich finde, Lorelai reagiert über. Klar, Jess war der Bad-Boy. Aber muss sie durch die Hochzeit nicht auch gemerkt haben, dass er sich geändert hat? Und kann man einen Menschen über 7 Jahre so hassen?

Und das Luke ihr das nicht erzählt hat... Ich weiß nicht, wenn er Part von Lores Leben sein will, dann muss er ihr solche Sachen erzählen. Oder?

Jedenfalls wars trotz allem wieder ganz schön, der Teil.

Und mein ewiger Kritikpunkt: Wer sind Al & Peggy Bundy?
Wenn man den Witz der Story ganz verstehen soll, ist es immer hilfreicher, die Anspielungen zu erklären Wink
Auch dir herzlichen dank, Lore.
Zu der Lorelai - Jess Geschichte, ich hatte gar nicht das Gefühl dass Lorelai so hasserfüllt reagiert. Immerhin hat sie Rory danach gefragt wie sie sich selbst dabei fühlt, und sie sieht dass zwischen den beiden etwas ist. (Als sie zu Luke sagt, dass Jess Rory so ansieht wie Luke sie selbst)

Zu Lorelai & Luke:
Natürlich muss er vollkommen ehrlich sein, sonst wird das ganze nicht funktionieren. Luke ist eben auch noch etwas "unsicher" und muss in diese ganze "Ich bin jetzt verheiratet Sache" auch erst reinwachsen.

Zu der Erklräung von Anspielungen:
Du hast Recht !!!!!!!! Das habe ich bis jetzt immer vermieden, weil ich dachte dass es eh allen klar ist. Aber ich kann nicht von mir immer auf andere schließen, das ist ein Fehler. Werde nun wirklich versuchen, unklare Anspielungen vorher bzw. am Ende kurz zu erklären.

Danke dafür & ich hoffe du bleibst weiter dabei Smile

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10. Friendship.
„Das heißt ich muss heute ganz alleine zu Abendessen …“ seufzte Lorelai theatralisch in das Telefon und beobachtete eine Gruppe Chinesischer Gäste die soeben das Hotel betreten hatten.
„Mum, du bist nicht alleine, schon vergessen: Du bist jetzt verheiratet mit Luke, groß, mit Flanellhemd, trägt gerne Käppis – klingelt es?“
„Na schön, und wo trefft ihr euch heute?“ erkundigte sie sich, während sie angestrengt versuchte Michel, der die ankommenden Hotelgäste gekonnt ignorierte, mit dem Fuß zu treten.
„In New Haven, in der Nähe des Uni Geländes, wir wollen nur ein wenig quatschen! Paris, ist nur zwei Wochen in der Stadt, um ihre Eltern zu besuchen“
„Oh, sind denn ihre Eltern wieder im Land? Die waren doch einige Zeit auf der Flucht vor der Steuerfahndung?“ fragte Lorelai halbherzig nach, schnappte sich einen Kugelschreiber und warf ihn nach Michel, der sie noch immer keines Blickes würdigte.
„Ja, nein … keine Ahnung. Mum was machst du? Es hört sich an als würdest du einen Stepptanz aufführen“
„Schön dass du das bemerkst, wenigstens irgendjemand. Ich muss jetzt Schluss machen, jede Menge neuer Gäste einchecken, anschließend Michel umbringen und ihm danach im Garten verscharren“ stöhnte sie genervt.
„Da ist aber heute mal wieder jemand ehrgeizig! Wir sehen uns dann erst Spätabends“
„Bis dann, Schatz. Grüß Paris von mir“
Wütend drückte sie die Aus-Taste ihres Handys, mit einem falschen Lächeln im Gesicht marschierte sie zu Michel hinüber der seinen Blick starr auf den Monitor des Computer gerichtet hatte.
„Sind sie blind?“ wollte sie von ihm wissen.
„Nein“
„Vielleicht taub?“
„Nicht das ich wüsste“
„Okay, gut und warum reagieren sie dann nicht auf meine Zeichen die ich ihnen seit 5 Minuten gebe?“
„Welche Zeichen sollten das bitteschön gewesen sein?“
„Hm, Hände in die Höhe werfen als wäre ich bei einen Konzert der Bangles, Fußtritte, Kugelschreiber die ganz von alleine in Richtung ihres Kopfes flogen, soll ich noch weiter machen?“
„Nicht nötig“ erwiderte Michel mit zusammengepressten Zähnen und blickte Lorelai von der Seite an.
„Warum begrüßen Sie dann nicht unsere neuen Gäste, die seit einer halbe Ewigkeit im Eingangsbereich warten?“
„Machen Sie das doch, ich verstehe die nicht! Sie sprechen Englisch mit so einem straken Akzent! Das ist unmöglich!“
„Oh, man darauf fallen mir mindestens zweihundert Antworten ein“ schüttelte Lorelai den Kopf, langsam verlor sie die Geduld.
„Behalten sie Ihre sarkastischen Sprüche für sich“ fauchte Michel.
„Los! Sie gehen jetzt da hinüber und seien sie freundlich! Vielleicht unterhalten sie sich mit den chinesischen Gästen auch darüber welcher Akzent schöner ist“
„Sie sind widerlich“ antwortete Michel voller Abscheu.
„Hey, wenn Sie wollen können sie das alles ab morgen dem Arbeitslosenamt erzählen, wie wäre das?“
„Wenn sie wieder möchten dass das Zimmermädchen Glückskekse anstatt Pralinen auf ihre Kopfkissen legt, verliere ich die Beherrschung“
„Von mir aus, los jetzt“ scheuchte Lorelai Michel in Richtung der wartenden Gruppe.
„Wegen Ihnen möchte ich Tod sein“ offenbarte er mit gequälter Miene.
Michels Laune nicht weiter beachtend, schnappte sie sich ihre leere Kaffetasse, durchquerte den Speisesaal in dem noch einige Frühstücksgäste Zeitung lasen, in Richtung Küche. Noch herrschte nicht viel Betrieb darin, doch in weniger als einer halben Stunde würde Sookie wie immer damit beginnen das Mittagessen vorzubereiten.
„Sookie wo bist du?“ rief Lorelai während sie die Kaffekanne aus der Maschine nahm und ihre knallgelbe Tasse randvoll machte.
„Ich bin hier“ ertönte eine heiser klingende Stimme rechts von ihr. Verwirrt blickte sie sich um und erkannte dann ihre Küchenchefin die zusammengekauert auf einen Hocker saß,den Kopf auf die silberne Arbeitsplatte gelegt, versteckt hinter einen Stapel Pfannen.
„Wow, heute sind mal alle wieder toll drauf“ stellte Lorelai fest.
„Nein, es geht schon wieder, alles in Ordnung“ sagte Sookie mit erstickter Stimme und wischte sich mit einem Geschirrtuch einige Tränen aus dem Gesicht.
„Hey, Süße! Was ist denn los? Hast du etwa geweint?“
Irgendetwas stimmt hier nicht, unsicher machte Lorelai ein paar Schritte auf sie zu.
„Nein, es ist nur … Ava hat die ganze Nacht durch geweint, Davey wollte heute Morgen nicht aufstehen, und Martha hat die gesamten Cornflakes über den Boden verteilt weil sie sich selber Frühstück machen wollte“ schluchzte Sookie.
„Du hattest einen schlimmen Morgen, das ist doch normal. So sind Kinder eben, und du hast drei Stück davon, das ist jede Menge Arbeit“
„Das ist es nicht, mit ihnen komm ich schon irgendwie klar auch wenn meistens das pure Chaos herrscht, jetzt wo Ava endlich aus dem gröbsten raus ist“ entgegnete Sookie, abwesend wischte sie mit dem weißen Geschirrtuch über einen imaginären Fleck auf einen der Pfannen.
„Siehst du, Süße. Alles wird gut, du hast nur einen Durchhänger-“
„Durchhänger“ schnaubte diese verächtlich.
„Ja! Jeder hat so etwas einmal, aber das geht auch vorbei und-“
„Er will noch eines“ schnitt ihr Sookie das Wort ab.
„Was? Wer will noch eines? Noch eines von was?“
„Jackson will noch ein Kind! Heute Morgen bevor ich mit drei schreienden Kindern das Haus verlassen habe, um zu meinem 40 Stunden Job zu gehen, meinte er, es wäre schön noch eines zu haben“ sagte sie, in ihren Augen spiegelte sich Fassungslosigkeit.
„Komm her, Süße“ flüsterte Lorelai und breitete die Arme aus.
„Ich liebe meine Kinder, aber ich glaube noch eines mehr das schaffe ich einfach nicht“ schluchzte Sookie auf Lorelais Schulter.
„Sch, Sch! Ist schon gut“
„Manchmal, Lorelai sitz ich nachts in der Küche und weine, weil ich einfach keine Kraft mehr habe“
„Sookie, das haben wir alle durchgemacht. Damals als Rory noch klein war und sie ihre Zähne bekommen hat, ehrlich, ich weiß nicht wer mehr geheult hat – ich oder sie“ versuchte Lorelai sie zu beruhigen.
Die beiden lösten sich langsam aus ihrer Umarmung, für einen kurzen Augenblick hielten sie sich noch an den Händen.
„Danke, Lorelai“
„Du musst einfach mit Jackson reden“
„Gleich wenn ich nach Hause komme! Nichtsdestotrotz seine Gemüselieferung ist heute einwandfrei“ stellte Sookie fest, und räumte wie in Zeitlupe Zucchini, Karotten, und Gurken aus der Holzschachtel.
„Das wird schon wieder“ lächelte Lorelai aufmunternd.
„Ja, du hast recht. Sagt habt du und Luke denn schon über Kinder geredet? Jetzt wo ihr verheiratet seid? Ihr wollt doch noch Kinder haben, oder?“ erkundigte sich Sookie und begann das Gemüse kleinzuschneiden.
Lorelai zuckte unmerklich zusammen, damit hatte Sookie wohl ohne es zu wissen, ihren wunden Punkt getroffen. Einige Male hatte sie bereits versucht mit Luke über dieses Thema zu reden, doch irgendwie hatten sie am Ende alles immer auf später verschoben. Langsam fragte sie sich: Wann war später? Monatelang wartete sie nun schon darauf, dass ihr Ehemann selbst einmal die Initiative ergriff und das Thema anschnitt, bis jetzt vergeblich.
„Hm, Lorelai?“ holte sie Sookies neugieriger Blick wieder zurück in die Gegenwart.
„Also-“ setzte sie an, versucht sich eine passende Antwort zurechtzulegen, als auf einmal die Küchentür aufgerissen wurde.
„Nie wieder mache ich so etwas“ rief Michel empört und schnappte sich eine von Sookies gewürfelten Karottenstückchen.
„Hey, Michel! Gehen Sie da weg mit ihren ungewaschenen Händen“ fauchte Sookie.
Nur wenige Sekunden später waren die beiden in einen erbitterten Streit verwickelt, so dass sich Lorelai unbemerkt zurückziehen konnte, erleichtert versuchte sie sich daran zu erinnern, wann sie das letzte Mal so glücklich über Michels Anwesenheit gewesen war

Rory saß an einen Tisch im hinteren Bereich des Rich man´s Shoes und studierte aufmerksam die Speisekarte, die sich, wie sie schnell feststellte, in den letzten Jahren nur wenig geändert hatte. Überaschenderweise war sie etwas früher von der Arbeit weggekommen, so dass sie nun schon vor der vereinbarten Uhrzeit eingetroffen war. Die letzte Arbeitswoche war besonders intensiv gewesen, ein Korruptionsskandal hatte New York erschüttert, und somit gleichzeitig ihr Arbeitspensum verdoppelt. Ansonsten lief alles gut, Luis ging ihr weiterhin aus dem Weg, aber damit konnte sie leben.
Neugierig blickte sie sich in dem Lokal um, es war Ewigkeiten her, seit sie das letzte Mal hier gewesen war. Damals war so vieles anders gewesen, wenn sie genauer nachdachte, war sie selbst sogar ein anderer Mensch gewesen.
„Sind Sie wirklich so inkompetent oder ist das eine Show? Sehen Sie nicht wie im hinteren Teil des Lokales der Rauch steht, ein Blinder kann das erkennen! Wissen Sie eigentlich dass es laut Gesetz seit 1 Jahr verboten ist Gäste in einem Lokal rauchen zu lassen?“ hörte sie eine ihr nur allzu bekannte Stimme schimpfen, die sich – gefolgt von einem Kellner - auf sie zubewegte.
„Paris, hey!“ begrüßte sie ihre langjährige Freundin.
„Hey Rory!“ erwiderte Paris, wandte sich aber gleich wieder dem verzweifelt dreinblickenden Kellner zu „Wissen Sie wie viele verschiedene Arten von Krebs durch das Rauchen verursacht werden?“ setzte sie nach.
Rory musste schmunzeln, Paris hatte sich kein Stückchen verändern und sie war gerade so richtig in Fahrt, amüsiert beobachtete sie die Szene.
„Nein, das weiß ich nicht“ antwortete der Kellner mit einem gequälten Gesichtsausdruck und zückte seinen Notizblock um ihre Bestellungen zu notieren.
„Über 27 verschiedene Krebsarten werden durch den Tabak Konsum ausgelöst! Schon mal was von so lustigen Wörtern wie: Kehlkopf-, Mundhöhlen-, oder Speiseröhrenkrebs gehört?“ knallte sie den Angestellten, der nicht viel älter als 20 sein konnte an den Kopf.
„Was darf ich euch zu trinken bringen?“ wollte dieser verzweifelt wissen.
„Eine Cola mit Zitrone“ antwortete Rory blitzschnell noch bevor Paris wieder in einen Redeschwall verfallen konnte.
„Nur ein Wasser für mich! Und hey, wehe das Glas ist nicht sauber“ ermahnte sie den Kellner mit einem Blick, den nur Paris Gellar aufsetzten konnte.
„Es hat sich also nicht viel verändert“ kicherte Rory.
„Nicht wirklich, und bei dir Blondie?“ erwiderte Paris mit einem Lächeln auf den Lippen.
„Auch nicht, und das Blond lasse ich wieder hinauswachsen“
„Es ist schön dich wiederzusehen“ sagte Paris aufrichtig.
„Geht mir ebenso, und jetzt spann mich nicht auf die Folter! Wie läuft es in Harvard?“
Die nächste halbe Stunde verbrachte Paris damit ihr sämtliche Erlebnisse aus ihrer Studienzeit zu erzählen. Entspannt plauderten sie über ihre verschiedenen medizinischen Kurse, die witzige Studienkollegen und ihr Praktikum im Youville Hospital.
„Es ist doch Wahnsinn wie sich alles entwickelt hat, du arbeitest bei der New York Times und ich studiere Medizin in Harvard“ bemerkte Paris, und schob ihren leergegessenen Teller zur Seite.
„Stimmt, aber wir haben auch hart dafür gekämpft“ warf Rory ein.
„Das ist wahr! Ich soll dich auch von Doyle schön grüßen, er arbeitet jetzt beim Boston Herald“
„Wow, das ist ja toll. Ich finde es super dass ihr noch immer glücklich seid! Und das mit der Zeitung ist auch toll“ freute sie sich für ihre Freundin, wenigstens eine von ihnen hatte einen Mann ihrer Seite.
„Nun ja, es ist zwar nicht die New York Times, aber besser als der Duxbury Clipper für den er zuvor geschrieben hat. Hey, wenn du bei der Times mal irgendwo ganz oben bist, kannst du Doyle doch sicher einen Job verschaffen?“
„Ich hab denn Job doch noch nicht einmal sicher, erst in 3 Monaten-“
„Ja, aber wenn es mal soweit kommen sollte“ setzte Paris nach und sah sie fragend an.
„Okay, wenn es mal dazu kommen sollte, werde ich Doyle einen Job verschaffen! Aber du weißt hoffentlich wie unwahrscheinlich es ist, dass ich in absehbarer Zeit in eine solche Position komme“
„Hm, sag das nicht so, du hast noch immer diese freundliche, unschuldige Art, gepaart mit diesen funkelnden blauen Augen, die Leute mögen das“
„Kann sein“
„Sag, hast du eigentlich mal wieder was von Mr. Reich & Arrogant gehört?“ fragte Paris direkt ohne mit der Wimper zu zucken.
Natürlich hatte Rory gewusst dass diese Frage im Laufe des Abends höchstwahrscheinlich fallen würde, insgeheim hatte sie aber bis zum Schluss auf das Gegenteil gehofft. Was konnte sie darauf schon antworten? Nervös zupfte sie an einen losen Faden auf ihren Pullover herum.
„Nein, seit der Abschlussfeier in Yale kam nie wieder etwas. Aber das wundert mich auch nicht, nachdem ich seinen Heiratsantrag abgelehnt habe“
„Er war es nicht wert, Rory“ winkte Paris ab.
Unsicher zuckte sie nur mit den Schultern, sie hasste dieses Thema.
„Und ansonsten gibt es niemanden? Rory Gilmore lebt brav abstinent ohne Männer?“ hakte Paris nach, in ihren Gesicht spiegelte sich leichte Skepsis wieder.
„Nein, eigentlich nicht“ flüsterte sie.
Was hätte sie sonst auch sagen sollen? Entsprach diese Antwort nicht sowieso der Wahrheit?
„Eigentlich?“
Sie musste ihre Mauer aufrecht erhalten, auf keinen Fall durfte sie nachgeben und ihre alles erzählen. Unsicher betrachtete Rory den Salzstreuer vor sich, sie fühlte sich unbehaglich, für jeden anderen Menschen auf dieser Welt wäre dies sichtbar gewesen, nur nicht für Paris.
„Was? Hast du etwa eine Affäre mit Bill Keller? Ist es so, schlimm?“
„Nein, Paris ich habe nichts mit dem Chefredakteur der New York Times“
„Warum siehst du mich dann an als würdest du mir gleich dein Herz ausschütten? Und weiß Gott, ich bin nicht scharf darauf, dass das passiert“ murmelte Paris und trank einen Schluck Wasser.
Weiter vorne im Lokal verabschiedete sich lautstark eine Gruppe Studenten voneinander, und dann erkannte sie den Tisch.
Jenen Tisch an dem sie vor Jahren ein Mal mit Logan und Jess gesessen hatte, gegen ihren Willen kamen die Erinnerungen an den damaligen Abend zurück. Jener Abend, der so vieles verändert hatte. Wie in Zeitlupe lief das Ganze noch einmal vor ihren geistigen Auge ab, die angespannte Stimmung zwischen Jess und Logan, die Beschimpfungen die sich beide Männer an den Kopf knallten, und am Ende sah sie sich selbst aus der Tür stürmen um Jess nachzulaufen.
„Rory, huh?“ holte sie Paris ungeduldige Stimme zurück in die Gegenwart.
„Entschuldigung“ murmelte Rory.
„Wie heißt er?“ fragte Paris ohne Umschweife.
„Was?“
„Rory, ich kenn dich schon eine halbe Ewigkeit, ich weiß wenn dich etwas bedrückt! Man kann dir das ansehen, vielleicht sollte ich dir einen Spiegel vor das Gesicht halten. Also wer ist es?“
„Jess“ seufzte sie, und in diesem Moment hasste sie sich selbst dafür.
„Jess, Jess, Jess … woher kenne ich diesen Namen nur“ überlegte Paris angestrengt.
„Du hast ihn einmal getroffen, als du bei mir übernachtet hast, damals als wir noch in Chilton waren“
„Ah! Mittelgroß, dunkle Haare, braune Augen, recht eigenwilliger Sinn für Literatur aber durchaus nicht uninteressant, er muss heute richtig gutaussehen?“
„Das tut er“ gab Rory zu.
„Und was läuft da zwischen euch? Seit ihr zusammen?“
Fassungslos schüttelte Rory den Kopf, es reichte Paris also nicht nur die Antwort aus ihr hinaus zu quetschen, nein sie wollte noch mehr wissen. Angespannt atmete sie tief aus und ein, jetzt machte es wohl keinen Unterschied mehr ihr alles zu erzählen.
„Nein, wir sind nicht zusammen. Bei der Hochzeit meiner Mum haben wir uns geküsst, aber für ihn hatte das anscheinend nichts zu bedeuten, außerdem hat er eine feste Freundin“ sagte Rory mit tonloser Stimme, eine Flut schmerzvoller Erinnerungen überkam sie.
„Du liebst ihn, hab ich Recht?“ fragte Paris geradehinaus und blickte ihrer Freundin in die Augen.
Die Frage hallte in Rorys Kopf wider, und ließ sie zittern, auf einmal war ihr trotz des dicken, schwarzen Pullovers eiskalt. So gerne sie Paris in diesem Moment auch verflucht hätte, in ihrem inneren wusste sie, dass sie der Frage nicht mehr aus dem Weg gehen konnte.
„Hm, ich weiß es nicht, wirklich“ räusperte sie sich.
„Okay, wenigstens warst du jetzt einmal ehrlich zu dir selbst“ lächelte Paris und deute mit einer Handbewegung den Kellner an den Tisch zu kommen.
So hartnäckig Paris ihre Freundin bis vor wenigen Momenten noch ausgefragt hatte, desto schnell wechselte sie wieder das Thema. Den Rest des Abends redeten die beiden über ihre gemeinsamen Uni Zeiten, und was aus ihren anderen Mitstudenten geworden war.
„Und im Sommer heiratet sie ihn dann. Ich wusste schon immer, dass sie keine Karrierefrau ist! Schlussendlich hat sie das gemacht, was sie schon immer am besten konnte, sich einen reichen Typen angeln“ erzählte Paris grinsend.
„Wahnsinn, dabei ist Louise noch so jung“
„Ihr Ziel sind anscheinend 3 Ehen und doppelt so viele Affären. Hör zu, Rory ich müsste dann langsam los“
Die letzten 3 Stunden waren wie im Flug an den beiden vorbeigerauscht.
„Klar, kein Problem … Es ist schließlich schon spät“
Die beiden Frauen packten ihre Habseligkeiten zusammen, schnappten sich ihre Taschen und streiften ihre Winterjacken über. Mittlerweile war es bereits stockdunkel draußen und bitterkalt.
„Es war schön dich wiederzusehen, Paris“
„Gleichfalls!“ grinste Paris und die beiden umarmten sich einige Sekunden bevor sie sich in unterschiedliche Richtungen davonmachten. .
„Rory?“ rief ihr Paris nach.
„Ja?“
Sie war bereits auf dem Weg zu ihrem Auto, drehte sich aber noch ein letztes Mal um.
„Sprich mit ihm“ rief Paris ihr über die Straße zu.
Sie antwortete nichts sondern nickte nur leicht und stieg dann in ihrem Wagen um nach Stars Hollow zu fahren.


„Luke ich muss mit dir reden“ sagte Lorelai in die Dunkelheit hinein, bereits vor gut einer halben Stunde waren sie zu Bett gegangen.
„Morgen, Lorelai“ grummelte Luke, seufzend drehte er sich auf die andere Seite.
„Nein, ich kann nicht mehr warten“ erwiderte sie ungeduldig und knipste ihre Nachttischlampe an.
Das Schlafzimmer wurde vor der kleinen Lampe nur notdürftig erleuchtet, trotzdem hielt sich Luke, der bis vor wenigen Sekunden noch geschlafen hatte, schützend seine Hände vor die Augen.
„Lorelai, was ist denn los?“ wollte er vollkommen verwirrt wissen und richtete sich auf.
„Wir müssen jetzt sofort darüber reden“
Luke beobachtete seine Frau mit einem unguten Gefühl in der Magengegend, wie sie da so saß, die Arme vor der Brust verschränkt, die Augen zusammengekniffen, irgendetwas bedrückte sie.
„Über was müssen wir reden? Was ist so wichtig, dass es nicht auch bis Morgen warten kann?“
Lorelai schnaubte verächtlich und starrte auf ihre Füße.
„Ich warte schon seit Wochen, nein seit Monaten, dass du mich endlich mal von alleine darauf ansprichst, Luke. Ich liebe dich, ich liebe dich wirklich, aber irgendwann hab ich auch keine Geduld mehr“ flüsterte Lorelai, währenddessen wurde ihr Blick glasig, Tränen bildeten sich in ihren Augen.
„Worauf wartest du? Lorelai, bitte rede mit mir“ flehte er hilflos.
„Willst du überhaupt noch Kinder haben?“ schluchzte sie.
„Lorelai, natürlich will ich noch Kinder haben, oder zumindest für den Anfang mal ein Kind. Wir haben doch gerade erst geheiratet, muss es denn jetzt sofort sein?“
Er rutschte etwas näher an seine Frau heran und schloss sie in seine Arme, ihre Haut fühlte sich eiskalt an. Zärtlich strich er ihr über den Rücken und wischte sanft die Tränen von ihrer Wange, doch Lorelai blieb weiterhin wie versteinert.
„Luke, ich habe in meinen Leben schon so viel warten müssen, auf dich, auf Rory, auf die Hochzeit … Ich will nicht mehr warten! Ich hab das alles so satt“
Neue Tränen liefen ihr über die Wange und tropften auf ihr Nachthemd, wo sie dunkle Spuren hinterließen.
„Okay, Lorelai, ich verstehe dich! Und ehrlich, wenn du bereit bist, dann bin ich es auch“ versicherte ihr Luke und drückte sie dabei fest an sich.
„Wirklich? Versprochen?“
„Ja, versprochen. Ich habe zwar etwas Angst davor, aber zusammen werden wir das schon hinkriegen, da bin ich mir sicher! Wir dürfen uns nur nicht zu sehr unter Druck setzen, hörst du?“
Lorelai nickte langsam und legte ihren Kopf auf Lukes Schulter.
„Hey, ich liebe dich … okay?“ lächelte er und küsste sie behutsam auf die Stirn.
„Ich dich auch“

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Ich freue mich wie immer über Feedback!

--- Beitrag hinzugefügt um: 19:47 Uhr. --- Verschmelzung, da weniger als 24 Studen alt. ---

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--- Beitrag hinzugefügt 09.11.2011 um: 09:52 Uhr. --- Verschmelzung, da weniger als 24 Studen alt. ---

[/COLOR]Nur schnell was rausgelöscht ..

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only god can judge me
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#47

Es war echt wieder super toll geschriben. Die Personen sind super beschrieben wie wenn man dabei ist. Es sind auch immer voll die witzige Stellen dabei. Big Grin

Das ist typisch Michel einfach die Gäste zu ignorieren. Auch die Streitereihen zwischen ihm und Lorelai sind am bessten.

Paris ist immer noch die gleiche geblieben wie sie immer alle anschreit wenn ihr was nicht passt.

Ich mag die Lorelai Luke Teile am liebsten. Binn gespannt ob sie jetzt ein Kind bekommen ?

Kann es kaum warten bis es weiter geht und lass dir zeit. Ich kann auch länger warten Big Grin
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#48

Fands auch wieder gut, und Paris ist weicher geworden Wink
Lore und Luke-Thematik: es bleibt spannend!


_____What if sex was holy and war was obscene_____
-Alicia Keys
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#49

So, nach etwas längerer Zeit geht´s mal wieder weiter.

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11. Ahead!
„Noch sind wir die Auflagenstärkste Zeitung des Landes, aber alleine im letzten Quartal haben wir laut Statistik mehr als 14.600 Leser verloren! Jetzt fragen Sie sich wahrscheinlich: Was geht mich das an? Das ist doch ein Fall für die Marketingabteilung, und nicht für uns Journalisten, doch da liegen sie falsch! Einfach komplett falsch, wir müssen unsere Berichterstattung den Leserwünschen anpassen, und dazu werden wir eine Kampagne starten“ sagte Madison Smith mit verschwörerischer Stimme und stützte sich dabei mit ihren Händen auf dem Glastisch des Besprechungszimmers ab. Aufmerksam musterte sie mit zusammengekniffenen Augen jeden einzelnen ihrer Mitarbeiter, von denen einige Entschlossen manche aber auch Überrascht zurückblickten.
Rory saß neben Luis in einen der schwarzen Ledersessel an der Wand, ein Stückchen abseits der übrigen Journalisten. Normalerweise träumt sie von jenem Tag, an dem sie auch einmal mit den anderen Mitarbeitern an der Besprechung teilnehmen durfte, doch in dieser Situation fühlte sie sich in ihrer Haut vollkommen wohl.
Es war ein trüber Freitagmittag was bedeutete, dass ihr erster Monat bei der Times beinahe um war. Die letzten vier Wochen waren vollgestopft gewesen mit Arbeit, von der sie jedoch beinahe jede einzelne Minute genossen hatte. Mittlerweile kannte sie das Gebäude, die Menschen, und ab und zu hatte sie auch ein Gefühl der Zugehörigkeit entwickelt. Sie wusste bereits wo man in dem riesigen Gebäude den besten Kaffee herbekam, hatte sich einer Gruppe junger Kollegen angeschlossen mit denen sie meist gemeinsam zu Mittag aß, und endlich verstanden wie man den komplizierten Drucker bediente, ohne einen Stromschlag zu bekommen.
„Jeder von Ihnen hat eine Kopie der Zahlen des letzten Quartals bekommen, lesen Sie sich diese durch und versuchen sie daraus Rückschlüsse auf Ihre eigene Arbeitsleistung zu ziehen! Ach ja und die nette Tafel hinter mir mit den Diagrammen und Analysen ist nicht nur zum Spaß da, werfen Sie beim rausgehen einen Blick darauf! Gilmore, Castillo kommen sie noch einen Moment zu mir“ richtete Madison ihre abschließenden Worte an die Journalisten.
Die rund 20 Frauen und Männer erhoben sich von ihren Stühlen und verließen in Trauben das Büro, die meisten von ihnen in hitzige Diskussionen vertieft. Rory und Luis marschierten mit ihren Notizen bewaffnet zu Madison hinüber, die in ihren sündhaft teuren Highheels ein gutes Stück größer war als Rory selbst.
„Also, hier sind einige Auswertungen von Telefon Interviews die wir mit unseren Abonnenten in den letzten Wochen geführt haben, sehen sie sich diese dann genau an! Was ich von Ihnen erwarte ist eine Zusammenfassung der größten Kritikpunkte, diese senden sie dann bis heute spätestens 5 Uhr an Jay Olivier der daraus einen Artikel samt Verbesserungsvorschlägen für die Sonntagsbeilage entwerfen wird“ erklärte sie ihnen und sammelte dabei mit genervten Gesichtsausdruck einige liegen gebliebene Zettel vom Tisch ein.
Die beiden nickten stumm.
„Ja, ich weiß sie sind jung und könnten sich wahrscheinlich hunderte Sachen vorstellen die sie an einen Freitagnachmittag lieber machen würde, aber hey so läuft das hier! Gewöhnen sie sich daran, desto schneller umso besser“ fügte Madison hinzu, wandte ihnen dann den Rücken zu und lief zu ihrem Schreibtisch.
Schweigend ging Rory neben Luis den Gang entlang zu ihrem kleinen Büro, dass sie mittlerweile sogar mochte.
Die Arbeit die Madison ihnen auferlegt hatte, konnten sie bis zum Abgabetermin nur schaffen, wenn sie zusammenarbeiten würden, das wussten sie beide. Rory ließ sich in ihren Schreibtischsessel fallen, Luis tat es ihr gleich, die Stimmung war angespannt.
„Also, irgendwelche Vorschläge?“ raunte er kurz angebunden vom anderen Ende des Raumes, seine dunklen ja fast schwarzen Augen musterten sie abschätzig.
„Ich würde sagen wir teilen uns die Auswertungen auf, schreiben unsere Gedanken dazu nieder und fassen sie am Ende gemeinsam zusammen“ schlug Rory achselzuckend vor.
Warum wirkte er immer so verbissen wenn er mit ihr alleine war? Diese steife Haltung, die zusammengepressten Lippen die dadurch noch ein wenig schmaler wirkten, dieser Blick indem etwas lag dass sie nicht näher deuten konnte.
„Von mir aus“ zischte er und wandte sich seinen Computer zu, mit leichtem Kopfschütteln tat sie es ihm gleich.
Rory dachte an das Freitagsdinner bei den Großeltern, nahm das Handy aus ihrer Tasche und tippte schnell eine Nachricht an ihre Mum, dass sie sich direkt in Hartford treffen würden.
Nach nur einer Stunde realisierten die beiden, dass sie es unmöglich bis 5 Uhr schaffen würden. Glücklicherweise konnte sie Jay Olivier, ihren Redakteur dazu überreden die Abgabefrist bis 7 Uhr zu verlängern.
Während Rory sich durch die hunderten Telefoninterviews durchkämpfte, sah sie einigen ihrer Arbeitskollegen voller Wehmut zu, wie sie das Büro in Richtung Wochenende verließen. Voller Schuldgefühle schrieb sie noch eine Message an ihre Mum, dass sie es heute nicht mehr zum Essen bei den Großeltern schaffen würde. Ausgerechnet heute.

„Rory kann heute nicht kommen, sie steckt in der Arbeit fest“ seufzte Lorelai an Luke gewandt und klappte ihr silbernes Handy zu.
„Das ist aber-“ setzte er an.
„Dad! Dad! Dad“ rief ein schwarzhaariges Mädchen mit blauer Strickweste und roter Reisetasche in der Hand, das mit schnellen Schritte auf ihn zulief.
Kurz davor ließ April all ihre Sachen achtlos auf den Boden fallen und warf sich ihren Vater in die Arme.
„Hey, Schätzchen“ flüsterte Luke und drückte seine Tochter fest an sich.
„Tut mir leid, dass der Flug Verspätung hatte, aber in New Mexico gab es einen ziemlich heftigen Sandsturm, deswegen konnten wir nicht eher starten“ entschuldigte sie sich lächelnd.
„Kein Problem“ antwortete Luke und sammelte das verstreut liegende Gepäck seiner Tochter ein.
„Hey Lorelai! Ich hoffe ihr musstet nicht zu lang warten“ sagte April und umarmte herzlich die Frau ihres Vaters.
„Hach, gar nicht! Wir haben die Zeit genützt um die lustigen Läden am Flughafen zu erkunden, besonders die Zeitungen mit den arabischen und asiatischen Schriftzeichen fand ich witzig“ entgegnete diese fröhlich.
„Ja, und dann hast du eine halbe Stunde so getan als würdest du mir daraus vorlesen“ schüttelte Luke den Kopf.
„Hey, das war witzig, ich bin fast sicher daraus könnte man eine Comedy Show machen“
„Ganz bestimmt, April soll ich dir das Teil auch noch abnehmen?“ fragte Luke an seine Tochter gewandt und zeigte auf die kleine schwarze Tasche die auf ihrer Schulter ruhte.
„Aber Dad, das ist doch eine Frauenhandtasche, die trägt man so“ erwiderte seine Tochter verwirrt.
„Tja, Schätzchen dein Dad muss noch einiges lernen was uns Frauen anbelangt“ kicherte Lorelai und marschierte mit April in Richtung Parkhaus davon.

„Und wie soll ich die beiden ansprechen? Grandma und Grandpa? Ich habe ja schon eine Grandma, das würde mir irgendwie komisch vorkommen. Oder Mr. & Mrs. Gilmore?“ fragte April vom Rücksitz aus sichtlich verwirrt, während sie die letzten Meter nach Hartford zurücklegten.
„Nenn sie einfach Mr. Rechthaberisch & Mrs. Egoistisch, da fühlen sie sich gleich angesprochen“
„Lorelai, sag ihr doch so etwas nicht! April, nenn sie einfach Emily und Richard“ warf Luke ein.
„Lorelai, du magst deine Eltern nicht sonderlich?“ hakte April nach.
„Kennst du das, wenn du im Winter mit deinen Freunden eine Schnellballschlacht machst, und dir jemand den Schnee unter die Kleidung steckt, und dieser dann eiskalt deinen Rücken hinunter läuft?“
„Ja“ bestätigte die mittlerweile 15 Jährige neugierig.
„So fühlt sich eine Umarmung meiner Mutter an“

„Oh schön, dass ihr gekommen seid! Rory hat uns vorher schon benachrichtigt, dass sie uns leider heute nicht Gesellschaft leisten kann, aber so gilt unsere gesamte Aufmerksamkeit heute dir, junge Dame“ säuselte Emily und nahm April ihren grauen Mantel ab.
„Wenn Rory nicht da ist, haben wir keinen Puffer zwischen uns“ stänkerte Lorelai und reichte ihren Mantel dem neuen Dienstmädchen.
„Lorelai, bitte, der Abend ist für uns alle eine Herausforderung“ zischte Luke, missmutig folgte sie den dreien ins Wohnzimmer.
„Richard, gib bitte die Zeitung zur Seite und schau wer hier ist!“ richtete Emily das Wort an ihren Mann, und legte dabei ihre beiden Hände auf Aprils Schulter.
„Guten Tag“ sagte diese leise.
Richard faltete das Wallstreet Journal zusammen, platzierte es am Couchtisch und erhob sich.
„Guten Tag, junge Dame! Kein Grund schüchtern zu sein, wir beißen nicht“ schmunzelte Richard und schüttelte der Tochter seines Schwiegersohnes aufmunternd die Hand.
„Es ist uns heute eine Freude, dass du da bist! Setz dich doch schon mal auf die Couch, wir haben noch ein kleines Geschenk für dich“ lächelte Emily und verschwand nach oben.
Luke und Lorelai ließen sich rechts und links von April auf das Sofa fallen, während Richard wie gewohnt die Drinks zubereitete. Gerade als er die fertigen Getränke servierte, erschien Emily mit eine großen, in blaues Papier eingewickelten Paket.
„Das wäre wirklich nicht nötig gewesen“ flüsterte April und wandte sich mit hilfesuchendem Blick an ihren Vater, der nur unschlüssig mit den Schultern zuckte.
„Mum, findest du das nicht etwas übertrieben? Immerhin lernt ihr euch gerade erst kennen?“
„Ganz und gar nicht“ antwortete Emily mit einem süffisanten Lächeln im Gesicht und überreichte April das Geschenk.
„Es ist schwer“ grinste diese Verlegen.
„Los, mach es auf“ forderte sie Richard auf und rückte seine Brille zurecht.
Vorsichtig öffnete April die Laschen des Geschenkpapiers um es ja nicht einzureißen oder zu beschädigen, behutsam nahm sie den Inhalt heraus.
„Oh, wow! Dankeschön!“ grinste sie und machte sich sofort daran den Klappentext des Buches zu lesen.
„Gefällt es dir?“ erkundigte sich Emily und ihre Augen strahlten dabei.
„Es ist umwerfend, ich wollte es schon ewig haben, aber es war immer überall vergriffen! Einmal ist Mum mit mir sogar 150 Meilen bis nach Santa Fe gefahren, weil Jessica Clearwater aus meiner Klasse behauptete, dass sie es dort hätten. Als wir dort ankamen gab es das Buch natürlich nicht, später hat sich herausgestellt dass Jessica sauer auf mich war, weil ich in der Pause mit Cathy Henderson gesprochen hatte, und die beiden hatten vorher einen üblen Streit. Auf jeden Fall hatte Jessica mich deshalb sprichwörtlich in die Wüste geschickt, “
„Mit dem Wälzer könnte man glatt jemanden erschlagen“ stellte Lorelai in Anbetracht des 800 SeitenWerkes fest.
„Lorelai, das ist ein wissenschaftliches Buch, ich erwarte nicht dass du dich damit auskennst“ belehrte sie ihr Vater.
„Die Entstehung der Arten von Charles Darwin” las Luke den Titel laut vor “Das klingt nach einer leichten Lektüre“ setzte er nach.
„Charles Darwin war der Begründer der Evolutionstheorie, er ist der unumstrittene Meister auf seinen Gebiet“ klärte April ihren Vater auf.
„Tja, Luke deine Tochter hat ein Fable für seit über hundert Jahren tote Männer mit langen weißen Bärten“ kicherte Lorelai amüsiert.
„Woher … ahm woher wusstet ihr, dass ich meine … ich mir dieses Buch wünsche?“ fragte April ein wenig schüchtern nach.
„Sie haben sicher den Geheimdienst auf dich angesetzt gehabt, wenn du wüsstest, die beiden haben exzellente Verbindungen zur CIA“
„Lorelai!“ rief Emily kopfschüttelnd.
„Als wir uns bei der Hochzeit kurz unterhalten haben, hast du angedeutet dass du dich für Biologie interessierst, und Rory hat uns dann den entscheidenden Hinweis gegeben“ brachte Richard Licht ins Dunkel.
„Vielen Dank“ strahlte April und schlug neugierig die ersten Seiten des Buches auf.

„Und zum Dessert hat Juanita Cupcakes gefüllt mit Vanillecreme und ganz viel rosa Zuckerglasur gebacken, ich hoffe du magst so etwas?“ wandte sich Emily an April, die rechts von ihr am Esstisch saß.
„Cupcakes? In diesem Haus gab es solange ich denken kann niemals Cupcakes! Einmal hab ich nach der Schule von Billy´s Bakery zwei Stück mitgenommen und du hast gesagt wenn ich nur einen Bissen davon esse, werden mir alle Zähne ausfallen“ unterbrach Lorelai aufgeregt die Unterhaltung.
„Das hab ich ganz bestimmt nicht gesagt, Loelai. Du fantasierst mal wieder“ antwortete Emily mit ihren gewohnt abschätzigen Blick.
Schmollend verschränkte Lorelai die Arme vor der Brust und blickte zu Boden.
„Ich esse sehr gerne Cupcakes“ lächelte April.
„Wunderbar!“ freute sich Emily.

„Also ich finde die beiden wirklich nett“ sagte April während sie ihre Reisetasche in Rorys Zimmer abstellte, wo sie die nächsten beiden Nächte auf einen Klappbett verbringen würde.
„Hach, Schätzchen, April … ich sag es dir nur ungern aber sie haben sich eingewickelt“ seufzte Lorelai theatralisch und reichte April eine zusätzliche Decke.
„Echt? Ohne das ich es gemerkt habe? Komisch, ansonsten merke ich es sofort wenn ich manipuliert werde! Ich habe einen sechsten Sinn für sowas“
„Keine Sorge, du wurdest von den absoluten Profis hereingelegt, das passiert den besten“
„Wahrscheinlich, ich werde jetzt bald zu Bett gehen, ich bin ziemlich müde“ gähnte April und machte es sich zwischen den zahlreichen Kissen bequem.
„Klar, und wenn du noch was brauchst, ruf einfach! Schlaf gut“ lächelte Lorelai.
„Danke, kannst du mir nur noch das Buch geben, ich will noch ein bisschen darin blättern“
„Aber sicherlich“ antwortete Lorelai und reichte ihr den dicken Wälzer den sie von Emily und Richard geschenkt bekommen hatte.

Leise schloss Lorelai die Tür hinter sich und begab sich ins Wohnzimmer um mit Luke noch ein wenig fernzusehen. Während sie sich von der Late night show mit David Letterman berieseln ließ, schweiften ihre Gedanken immer wieder unfreiwillig ab.
Seit wenigen Wochen war sie nun verheiratet, und es fühlte sich richtig gut an. Klar, es würden noch eine Menge Probleme auf sie zukommen, Luke würde weiterhin einmal im Monat über das Wochenende nach New Mexico zu Anna und April fliegen, sie wollte unbedingt noch ein Kind haben, und dann war da noch die Sache mit Rory. Eigentlich mit Rory und Jess. Seit ihrem Gespräch auf der Veranda vor einiger Zeit hatte ihre Tochter nie wieder ein Wort darüber verloren, ständig war sie mit Arbeit überhäuft gewesen, selbst am Wochenende. Lorelai kam, so sehr sie sich auch noch bemühte, einfach nicht an Rory ran, als hätte diese eine dicke Mauer um sich herum errichtet. Wahrscheinlich war genau das der Fall, ein Schutzmechanismus den sie von sich selbst nur zu gut kannte, der auf Dauer aber nur zur Einsamkeit führte. Und das wollte sie ihrer Tochter unbedingt ersparen, denn aus Erfahrung wusste sie, wie schmerzvoll es war einsam zu sein.

„Hast du es endlich fertig? Mach schneller, die Abgabefrist ist in weniger als zwei Minuten zu Ende“ drängte Luis und spielte nervös mit dem Stift in seiner Hand.
Rory war fix und fertig, noch zwei weitere Male hatten sie die Abgabefrist nach hinten versetzen müssen, und ihre endgültige Deadline schwebte wie ein Damoklesschwert über ihnen. Mittlerweile war es bereits nach 11 Uhr, die Druckerei würde keinen erneuten Aufschub dulden, denn die Zeitungen mussten für Morgen gedruckt werden.
„Ich mach ja schon … nur noch das hier, in den Ordner verschieben! Unsere Namen einfügen“
„Du hast sogar meinen Namen als erstes geschrieben“ raunte Luis ungläubig.
„So bin ich eben! Das war es! Wir sind fertig“ grinste Rory triumphierend, drückte die Enter Taste um die Datenübertragung zu starten, erschöpft ließ sie sich in ihren Stuhl sinken.
„Tja, Gilmore, wir haben es doch noch geschafft“
Rory blickte ihn unsicher an, es war das erste Mal, dass er sie so direkt ansprach, außerdem hätte sie schwören können den Anflug eines Lächelns in seinem Gesicht wahrgenommen zu haben.
„Manchmal geschehen eben doch noch Wunder. Ich muss jetzt los, es ist schon spät und ich hab es noch ziemlich weit bis nach Hause“ gähnte Rory, stand auf und schnappte sich ihren Mantel den sie über die Stuhllene gelegt hatte.
Luis nickte und tat es ihr gleich, schweigend – jedoch gemeinsam – verließen sie das Büro und nahmen den Fahrstuhl nach unten. In der Lobby, wo ansonsten hektischer Betrieb herrschte, war es fast gespenstisch still, nur der Nachtwächter verabschiedete die beiden mit einem Handzeichen.
Genüsslich atmete Rory die eiskalte Nachtluft ein, Sirenengeheul der Polizei, hupende Autos und Gelächter erfüllten die Luft. Luis stand ihr gegenüber, hastig blickte er links und rechts die Straße hinunter, fast so als würde er hinter der nächsten Ecke ein Unglück vermuten. Unauffällig schob sie den Ärmel ihres Mantels ein Stückchen hoch um einen Blick auf ihre Armbanduhr zu werfen, mittlerweile war es kurz vor halb 12, und der Weg bis nach Stars Hollow war noch weit. Ihr schauderte es bei dem Gedanken an die 20 minütige U-Bahn bis an den Stadtrand von New York, die ihr noch bevorstand.
„Wo hast du dein Auto geparkt?“ raunte Luis und blickte auf seine schwarzen Schuhe.
„Ahm, in den Washington Heights, aber das ist kein Problem, ich nehm die Subway-“
„Alleine? Als Frau? Mitten in der Nacht? Ich fahr dich zu deinem Auto, meines steht hier gleich um die Ecke“
„Nein, das musst du wirklich nicht-“
„Glaubst du ich will schuld sein, dass du draufgehst?“ fuhr er sie an, und das freundliche aus seinen Augen war verschwunden.
Bemüht mit ihm Schritt zu halten, folgte sie ihm zu einer Parkgarage ein paar Straßen weiter, zielstrebig ging er auf einen schwarzen Lexus zu.
„Was ist? Steigst du jetzt ein?“ rief er Rory zu, die in einigen Metern Entfernung stehen geblieben war.
„Ich komm schon“
Obwohl sie seit mehr als einen Monat mit Luis zusammenarbeitete, wusste sie außer seinen Namen, so gut wie nichts von ihm, unsicher stieg sie in den Wagen.
Luis startete das Auto und verließ den Parkplatz in nördliche Richtung, den Blick stur geradeaus gerichtet. Die Heizung des Autos lief auf Hochtouren, während sie die verschneiten Straßen entlang fuhren, der Radiosprecher verkündete irgendwas vom längsten Winter seit 50 Jahren. Rory sah sich im Auto um, die Sitze glänzten und es hatte noch diesen typischen neuen Geruch, zufällig blieb ihr Blick an dem goldenen Amulett hängen, dass am Rückspiegel befestigt war. Zuerst sah es so aus als wäre am Ende der goldenen Kette, nur ein Anhänger befestigt, doch als Luis um die Kurve bog, drehte es sich und Rory erkannte, dass darin auch ein Foto angebracht war. Eindeutig war darauf ein Kind abgebildet, ein kleines Mädchen mit dunklen Locken, die Gesichtszüge waren denen von Luis zum verwechseln ähnlich. Konnte das sein, hatte Luis eine Tochter?
„Ihr Name ist Carley, sie ist vor kurzem 3 geworden“ flüsterte er kaum merklich, die Augen weiterhin ausschließlich auf die Straße gerichtet.
„Ist sie … ist sie deine Tochter?“ stotterte Rory.
Luis nickte langsam, der Rest der Fahrt verlief schweigend. Nachdem er sie in den Washington Heights abgesetzt hatte, stieg Rory in ihren Toyota und machte sich auf den Weg nach Hause. Die ganze Fahrt über musste sie an Luis denken, und dass er eine Tochter hatte, war er vielleicht sogar verheiratet? Er trug zumindest keinen Ring. Als sie ihren Wagen in der frischbetonierten Auffahrt parkte, war es bereits 2 Uhr morgens, völlig übermüdet fiel sie in ihr Bett.

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Würde mich über FB wie immer freuen.

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only god can judge me
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#50

Super Teil zum lesen. Rory und die Zeitung und das Freitagsdinner sind super beschrieben. Big Grin

Rory fühlt sich sehr wohl bei der Zeitung. Ich hoffe das sie genommen wird.
Schön das sich Lorelai und April so gut verstehen.
Das ist lieb von Emely und Richard das sie April das Buch geschenkt haben.
Schön ist auch das es Lorelai gefällt verheiratet zu sein.
Lorelai macht sich sehr viele Gedanken um Rory. Hoffentlich wird das bald besser.
Luis schein doch sehr nett zu sein. Jetzt wissen wir das es eine Tochter hat. Binn gespant ob wir noch mehr von ihm erfahren ?

Toll wenn es weiter geht
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