Fanfiction CHallenge 2016 #4
#11

Einen wunderschönen guten - ist es schon Mittag? Ai.. ich sollte was essen...

Ich habe nach einer langen Ideenfindungsphase endlich etwas auf die Beine gestellt und ehe ich vergesse es abzusenden, kommt hier direkt mein Beitrag zum Thema Shopping Big Grin  

Gleich vorab eine kleine Anmerkung: Die Story ist nicht aus dem Gilmore-Fandom, sondern ein Original! Sprich aus keiner Serie, sondern eigens von mir erfunden, geschrieben und ohne jeglichen Bezug zu den Gilmore Girls. 

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen :Smile

Titel: Monday mornings
Autor: sweetGilmore
Genre: Comedy
Fandom: Original
Pairing: /
Raiting: 6
Disclaimer: Alles meins!
Sonstige Bemerkungen: Ein kleiner Einblick in meine Vorstellung von einem verkaufsoffenen Sonntag bei Ikea Wink


Montagmorgen. Was für ein Scheißtag. Es gab keinen einzigen Wochentag, der einem das Leben mehr vermieste als Montag. Nehmen wir mal Dienstag: Dienstags lag der Montag schon hinter einem und ich persönlich hatte nur noch 8 langweilige Stunden im Büro vor mir, ehe ich jeden Mittwoch ausschlafen konnte. Damit wären wir also schon bei Mittwoch – einer meiner absoluten Lieblingstage, da ich die ganze Zeit mit Lesen verplempern konnte, wenn nicht ab und an mal sowas wie Haus- oder Schularbeiten anfallen würden. Und so kamen wir auch schon zu Donnerstag. Donnerstags saß ich acht Stunden in einer hochmodernen Schule, in der Musik durch die Pausenzeit schillerte und meine Freundinnen das ganze Unterfangen bis zu meinem Abschluss erträglicher machten. Schlussendlich war der Freitag auch schon da und man konnte das Wochenende förmlich riechen. 

Wochenende! Herrlich diese Erfindung, wenn ihr mich fragt. Man konnte ausschlafen, meine Mom kochte jeden Samstag mein Leibgericht, wenn sie nicht gerade arbeiten musste, und von Arbeit war weit und breit keine Spur. Dann ging man abends mit Freunden etwas trinken, spielte selbsterfundene Spiele, bei denen man etwas trinken musste oder guckte Filme und trank nebenbei. Nicht, dass ich sonderlich viel trinken würde, aber es war irgendwie zu meinem Wochenendritual geworden.

Diesen Samstag nicht. Diesen Samstag hatte sich meine Mutter in den Kopf gesetzt, mich am Sonntagmorgen in das nächstgelegene Möbelhaus zu schleifen und sich ein neues Bücherregal zu kaufen.

Wer das Wochenende erfunden hatte, war wahrlich ein Genie. Wer den verkaufsoffenen Sonntag erfunden hatte, hätte sich vorher auf schwerwiegende psychische Krankheiten untersuchen lassen sollen. 

Und ich sprach hier nicht von irgendeinem verkaufsoffenen Sonntag in irgendeinem Möbelhaus. Nein, es war der letzte verkaufsoffene Sonntag vor Weihnachten im verdammten Ikea!

Und natürlich konnte man nicht erst kurz vor Ladenschluss dort antanzen, denn meine Mom war der festen Überzeugung, dass alle guten Sachen dann schon weg waren. Dieser Meinung war ich nicht, denn es gab im Umkreis von zweihundert Kilometern noch zwei weitere blau-gelbe Möbelhäuser, aber wer widersprach schon seiner Mutter? 

Also fiel der Samstagabend für mich ins Wasser und am Sonntagmorgen stand ich frisch, aber todmüde mit meiner Mutter vor den heiligen Hallen des schwedischen Einrichtungshauses. 

Ich liebte Ikea! Nein wirklich – alles war praktisch und geordnet. Die Einrichtungsbeispiele waren modern, gemütlich und vor allem günstig und in den Katalogen konnte man jede Menge Ideen zum Selbermachen ansammeln, die ich manchmal in die Tat umsetzte. Ich habe Ikea immer geliebt, jedenfalls bis sich die Ladentüren an diesem Sonntag öffneten und eine wahre Völkerwanderung losbrach.

Als wären wir auf einem schwedischen Volksfest gelandet, versuchten sich tausende Mütter mit ihren überdimensional großen Kinderwägen gleichzeitig durch die Schwingtür des Eingangs zu quetschen. Kinder brüllten um die Wette, Väter rollten genervt mit den Augen und ließen ihren Frust an anderen Vätern aus, die sich hilfsbereit anboten, den netten Damen durch die Tür zu helfen und besagte drängelnde Mütter fluchten schlimmer als die angsteinflößendsten Piraten auf der Flying Dutchman aus Fluch der Karibik.

Meine Mutter und ich sahen dem Spektakel eine Weile stumm zu und beschlossen dann den Weg des geringeren Übels zu gehen und den Seiteneingang zu nutzen. 

Die Gänge, die mittels Pfeilen auf dem Boden durch das Einkaufszentrum führten, waren immer wieder verstopft durch jugendliche Mädchen mit Babybauch oder Kinderwagen. Je nachdem ob sie ihr Ei bereits ausgebrütet hatten, oder es noch in sich trugen. Hier und da standen die Leute auch einfach nur herum und schienen ihren eigenen philosophischen Gedanken nachzuhängen. Was mitten im Gang natürlich unheimlich sinnvoll war. Vielleicht fragten sie sich in dieser stillen Minute auch einfach, was zum Teufel sie dazu gebracht hatte, an einem Sonntagmorgen bei Ikea einkaufen zu gehen. Ein kurzer Blick zur Seite genügte, um eines der Teeniemütter für schuldig zu befinden.

Meine Laune schoss von Minute zu Minute mehr dem Keller entgegen und ich sehnte mich nach dem erlösenden Bücherregal, das meine Mutter unbedingt für sich beanspruchen wollte. 

Wir kamen an sämtlichen Einrichtungsvorschlägen vorbei, passierten Betten und Kinderzimmer, ließen unzählige Lampenvariationen und Badezimmereinrichtungen links liegen und steuerten auf das Lager zu, da ich so frei gewesen war und bereits vorher die Regalnummer des ominösen Schranks herausgesucht hatte. 

Genau denselben Gedanken schienen auch einige der bemitleidenswerten Familienväter gehabt zu haben, die nun direkt vor uns mit übervollen Einkaufskörben standen, die immer einen leichten Linksdrall hatten. Von lila Flokatiteppichen über blaue Klogarnituren bis hin zu grünen Lampenschirmen stapelte sich einfach alles in den unkoordinierten Tiefen der Wägen, doch von den dazugehörigen Frauen war weit und breit nichts zu sehen. 

Warum, erklärte sich mir wenige Schritte später, als wir vor dem richtigen Regal standen und auf eine Meute wütender Frauen blickten, die alle dasselbe wollten: das letzte 2 Meter hohe Billy-Regal in braun mit Eschenfurnier für 118 Euro aus Regal 06 Nummer 14!

Ich hatte meinen Spieleabend mit meinen besten Freunden abgesagt. Ich war morgens um sechs Uhr aufgestanden, um eine Stunde mit meiner Mutter im Auto zu sitzen und mich zehn Minuten vor Ladenöffnung vor diesem beknackten Einrichtungshaus wieder zu finden. Ich hatte  vermutlich Prellungen von den spitzen Ellenbogen der winzigen Kinder, die sich an mir durch den Eingang vorbei gequetscht hatten und mehr neue Schimpfwörter in vier verschiedenen Sprachen gelernt, als ich sie in meiner eigenen kannte. Mein einziger Triumph heute war, dass ich den Kampf gegen den widerspenstigen Einkaufswagen gewonnen hatte, der mich aller drei Meter ruckartig daran erinnerte, dass ich nicht sein Lieblingsbesitzer war. Meine Laune war soeben auf dem Gefrierpunkt angekommen und deswegen tat ich etwas, was für Menschen wie mich – Menschen, die die Ruhe liebten, sonntags gern ausschliefen und mit Balladen von James Bay im Ohr ein spannendes Buch lasen – völlig unüblich war. 

Schnaubend, wie ein Bullterrier mit Atemproblemen, ging ich auf die hysterische Meute zu und ließ meine ängstlich dreinblickende Mutter weit hinter mir. Sie hätte sich mit Sicherheit mit einem anderen Regal begnügt. Vielleicht sogar mit einem, das nicht aus der Billy-Serie stammte. Aber ich nicht. 

Ich hatte meinen Sonntag für dieses bescheuerte Stück Holz geopfert, also würde ich es auch kriegen! Ruckartig schob ich zwei keifende Weiber von mir weg und streckte den Arm, um besser an das Pappmonstrum heranzukommen. Sofort wurden quietschende Stimmen laut und mehrere speckige, schwitzende Leiber drängten mich gegen das harte Metal des Regals, das unter der Last von zwanzig Frauen bereits zu wackeln begann. 

Ein Ellenbogen traf mich in den Rippen, der Absatz von Peeptoes bohrte sich in meine Chucks und ein hohes Kreischen, direkt neben meinem Ohr, hinterließ ein nerv tötendes Fiepen in meinen Gehörgängen. Ich griff fester zu und schaffte es tatsächlich, mit reiner Willenskraft, den Karton über meinen Kopf nach unten zu balancieren. Allerdings war das kein Anlass für die Hyänen sich zurück zu ziehen. Oh nein! 

Die Metallschnalle einer Kunstledertasche knallte mir gegen die Schläfe und irgendjemand riss an meinen Haaren, als hätte ich eine neue Frisur nötig. Auch wenn sich wenige Frauen bereits widerwillig geschlagen gaben, so spornte es die anderen scheinbar noch an, dass das Regal endlich auf Augenhöhe mit ihnen war. 

Sie rissen an dem Paket herum wie die Irren und zwischendurch wurde es mir heftig an den Kopf geknallt, sodass ich kurzzeitig Sterne sah.

Doch dann endete alles abrupt durch einen einzelnen langen, durchdringenden Pfiff aus einer Trillerpfeife.

„Ladies – immer mit der Ruhe. Die nächste Lieferung kommt in einer Stunde hier an. Bitte lassen Sie doch der Dame Ihr Regal und warten Sie einfach. In unserem Restaurant könnten Sie sich einen Kaffee genehmigen oder einen leckeren Muffin für nur 1,50 €. Na klingt das nicht toll?“ Ein hochgewachsener, blonder Mann grinste so gelassen in die wütenden Gesichter der zehn Frauen, die immer noch um mich herumstanden, als schien er so etwas schon mehrmals mitgemacht zu haben. 

Langsam lösten sich die Krallen von dem Paket und in weniger als fünf Minuten war ich wieder allein mit meiner Mutter, die mich besorgt musterte. Es war mir egal wie ich aussah. Vermutlich hatte ich jetzt wirklich einen neuen Haarschnitt nötig und musste wegen einer möglicherweise gebrochenen Rippe zum Arzt, aber ich hatte ihr das Billy-Regal erobert, das sie unbedingt haben wollte. 

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, am Montag, um genau zu sein, erinnerte mich mein dröhnender Schädel an die blonde Bestie, die mir mit Billy eins übergezogen hatte. Beim Aufrichten schoss ein höllischer Schmerz durch meinen Brustkorb und erinnerte mich an das winzige rothaarige Ungeheuer, das ihren Ellenbogen in meine Rippen gerammt hatte. Dass ich heute eine Sonnenbrille tragen würde, wenn ich zur Arbeit ging sagte mir mein Spiegelbild, als das Veilchen unter meinem rechten Auge regelrecht zu blühen schien und mich an die brünette Hexe mit ihrer bescheuerten falschen Ledertasche erinnerte.

Montage waren eben absolute Scheißtage. Aber meine Mom hatte ein neues Billy-Regal und das war die Hauptsache. 

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#12

Hehe Das ist doch mal was ganz Anderes - und echt witzig geschrieben!  Big Grin
Gefällt mir gut, gerade wegen der vielen Details, die du richtig schön ausgeführt hast.
Jetzt weiß ich auch wieder warum ich noch nie bei Ikea war (hier gibt es keins in der Nähe) und ich verkaufsoffene Sonntage in der Weihnachtszeit meistens meide (außer ich hab Lust auf bisschen Trubel und will nicht unbedingt etwas Bestimmtes kaufen).
Hat etwas von einem etwas längeren Sketch, jedenfalls gut gelungen! Smile Top

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#13

Titel: Die Küchensiebsuppenkellenodersonstwas-Gitarre

Autor : ich

Genre : Comedy

Fandom: Gilmore Girls

Pairing : werdet ihr sehen.. Wink

Raiting : ü16

Disclaimer : Mir gehören die Charaktere und alles andere nicht usw.

Sonstige Bemerkungen:


Wisst ihr, Leute - irgendwie ist Shopping ja voll uncool.
Ihr kennt das ja, man schleift seinen gelangweilten Körper mühsam übers Pflaster, immer hinter der Lady her, die unser Herz so verdammt fest in den Händen hat, dass man alles macht, was sie will.


Yeah, auch shoppen gehen! Es macht sie glücklich, also geht man mit. Und einen Grund finden sie immer. Jedenfalls ist das bei meiner Lady so. Sie sprudelt über vor Ideen, während sie von einem Laden in den anderen rennt und ständig ruft: „Komm schon, Mooooreeey! Nicht so laaaaahm! Ich seh da drüben was....“ Und schon verschwindet sie zwischen Regalen und Kleiderständern, Truhen und Vorhängen von Umkleidekabinen und was es sonst noch so gibt, wo man Ware reinstellen, aufhängen oder einsortieren kann.
Mann, das ist echt anstrengend, aber wem erzähle ich das, hm? Wobei ich ja eher wenig erzähle, liegt mir nicht so. Bin eben ein Mann mit einer Frau, die viel redet. Versteht ihr? Klar tut ihr das.


Wie auch immer, heute ist mal wieder Shopping angesagt und ich schleppe mich hinter meiner Herzensdame her, die zwar einen Kopf kleiner ist als ich, aber mit ihren kurzen Schritten ist sie verdammt schnell, da nutzen meine langen Knochen und Riesentreter mal gar nichts.

Ich würde mich lieber auf die Terrasse schmeißen, auf meiner Gitarre klimpern und die Katze kitzeln, aber mich fragt ja keiner.


Außerdem hat die Einkaufstour heute einen wichtigen Grund:

In drei Tagen findet in Stars Hollow der Wettbewerb „Mein Vorgarten – schön außergewöhnlich!“ statt. Babette und ich wollen natürlich gewinnen. Außergewöhnlich, das können wir!

Man denke nur an unsere Halloween-Nummer, wo ich mich echt reingehangen hab! Und das könnt ihr wörtlich nehmen, denn wir haben einen Galgen aufgebaut und Babette hat mich gehenkt, yeah!

Okay, ich bin ein paarmal bewusstlos geworden, aber so war es leichter für Babette mich abzuhängen. Ich hab dann nicht mehr so gezappelt, ihr versteht? Klar versteht ihr!


Jedenfalls sind wir nun unterwegs, um für unsere bahnbrechende Idee Material einzukaufen. Wird harte Arbeit, denn Babette will diesmal einen Skulpturen-Vorgarten gestalten. Nicht irgendwelche, sondern so ganz modernes Zeug, Recycling ist unser Ding! Vor allem Metall soll es sein!

Mittlerweile waren wir schon im Eisenwarenhandel (ja, sowas gibt es in unserem Kaff noch!) und haben Dave (auch genannt Rusty Nail) den halben Schuppen hinter dem Laden leergeräumt, wo er das Zeug lagert, was sich nicht mehr verkaufen lässt. Wegen Rost, oder weil es verbogen ist – oder weil es die Geräte, für die die Ersatzteile mal waren, nicht mehr gibt. Oder, weil Rusty Nail nicht mehr weiß, wozu sie mal gut waren – er ist schon bisschen verrostet im Kopf, der Gute!
Der Handwagen, den ich hinter mir herziehe, ist schon fast voll mit Lochblechen, rostigen Werkzeugen, mehreren Sägeblättern für eine Kreissäge und natürlich Unmengen Schrauben und Nägeln (extra groß, damit die Skulpturen auch gut zusammen halten). Ja, überall ist Rost dran und Grünspan und so, aber das sieht geil aus, Patina und so, versteht ihr? Klar tut ihr das!



MOOOOREEEYYY! Trödel nicht so rum, Baby! Ich brauch unbedingt noch ein paar Schüsseln und Siebe aus dem Haushaltswarenladen, das gibt tolle Köpfe und Hüte und so! Und wenn wir noch Schneebesen kaufen, machen wir Haare draus!“
„Ja, Baby, ich komm ja schon!“
Sorry, ich klink mich mal kurz aus, die Schneebesen und Babette sind wichtiger...



Als wir grad aus dem Haushaltswarenladen kamen, beladen mit großen Tüten voll zerbeultem Küchenkram, den wir günstig aus dem Lager gekriegt haben, wo ein Regal zusammengekracht war, trafen wir Taylor.

Was er wollte, haben wir erst gar nicht gehört, weil der Metallkram so klapperte.
„Was wollt ihr denn mit dem vielen Metall, das ist ja teils schon ganz rostig und nicht mehr zu gebrauchen! Handelt ihr neuerdings mit Altmetall?“ fragte er uns. „Wenn ja, empfehle ich eher Kupfer oder zerlegte alte Smartphones, das bringt wirklich Profit!“
Klar, Taylor denkt wie immer nur ans Geld! Von Kunst hat er mal Null Ahnung!


Meine redselige Babette hat ihm dann erklärt, dass wir das für den Vorgartenwettbewerb brauchen, aber natürlich hat sie nicht verraten, was genau wir damit vorhaben. Soll ja schließlich richtig cool rüberkommen, so als Überraschung, versteht ihr? Klar... hehe.


Was dann kam, hätten wir uns denken können, war klaaaar.

Taylor hielt uns einen ellenlangen Vortrag darüber, welche Regelungen es in Stars Hollow darüber gibt, wie ein ordentlicher Vorgarten auszusehen hat. Wusstet ihr, dass es eine Maximalhöhe der Halme für den Rasen gibt? Wenn sie länger sind, muss er gemäht werden! Oder dass eine Hecke nicht in anstößige Formen geschnitten werden darf? Fragt mich nicht, was er darüber sagte, was genau anstößig ist.

Babette musste ihn ja fragen, das hat sie nun davon. Es dauerte ewig, bis unser ach so prüder Taylor sich uns verständlich gemacht hatte.


Achja, wegen Altmetall im Vorgarten – das geht natürlich gar nicht! Wir haben brav genickt und versprochen, dass wir das Altmetall weder im Vorgarten lagern noch als Zaun verwerten noch die Fassade damit behängen und es auch nicht vergraben – das schadet womöglich dem Grundwasser.

Taylor versteht sowieso nichts von moderner Kunst, also verzichtete Babette auf eine Erklärung, und wir konnten endlich weiterziehen...


Bei Luke, wo uns Cesar ein paar alte Suppenkellen mitgab (Luke war grad beim Angeln, ich hoffe, der will die Kellen nachher nicht zurück haben!), trafen wir Kirk.
Unseren vollen Handkarren hatten wir klugerweise hinter der nächsten Ecke stehenlassen, mit einer alten Decke drüber, so konnte Kirk nicht sehen, was wir vorhaben. Aber typisch, er quasselte eh nur davon, was „seine Freundin“ sich ausgedacht hat für den Wettbewerb. „Lulu will einen Garten gestalten wie der von Monet, dem Maler. Wisst ihr, wer Monet ist? Lulu weiß das, sie ist so klug und clever, meine Freundin! Sie hat die Biografie von Monet gelesen, er hat seinen Garten sehr oft gemalt, und meine Freundin möchte unseren Vorgarten jetzt auch so schön gestalten, dass Monet ihn nachher malen kann!“
Wir sparten uns den Kommentar, dass Monet längst tot war... was soll's.
„Ich dachte mir, ich könnte mich dann als Monet verkleiden, so mit gelbem Strohhut und so, und dann hätte ich Eimer mit Lebensmittelfarbe und Zucker angerührt und dann die Wettbewerbskommission damit angemalt. Am besten wäre es natürlich gewesen, wenn ich dabei nackt gewesen wäre und mich selbst angemalt hätte – nur der Strohhut wäre echt gewesen. So ganz authentisch eben, die Maler waren ja alle ziemlich verrückt. Aber Lulu meinte, das sollte ich besser lassen, es wäre zu authentisch.“


Ich sah Babette von der Seite an, und es war klar, dass sie hart mit sich kämpfte, damit sie keinen Lachkrampf bekam.


Oh mein Gott, Morey!“, stöhnte Babette, als wir endlich außer Hörweite von Kirk waren.

Wenn wir Lulu nicht hätten! Ich will mir einen nackten, farbenspritzenden Kirk noch nicht mal ansatzweise vorstellen, dann krieg ich schon Schnappatmung und Panikherzrasen! Der Himmel bewahre uns vor diesem Anblick! Wobei...“, sie blieb so plötzlich stehen, dass ich fast auf sie raufrannte und der Handkarren sich in meine Hacken bohrte. Babette war so in Gedanken versunken, dass sie mein schmerzgepeinigtes Stöhnen glatt überhörte.

Morey, mein Schatz, was hältst du davon, wenn...“


Ich kannte mein Baby und stöhnte gleich nochmal. Jetzt kam wieder eine von den Ideen, die irgendwas mit mir zu tun hatten. Aufhängen hatten wir ja schon – was kam denn diesmal?
Ich meine, ich liebe Babette, wirklich. Wenn sie es toll findet, mich aufzuhängen, dann ist das ok. Mit ihr ist alles ok, echt alles. Meistens sind ihre Ideen toll und wir haben unseren Spaß ... ok, lassen wir das.


Aber manchmal ... aufhängen und so. Ist echt harte Arbeit, versteht ihr? Ja, genau.

... du dich als lebende Skulptur zu den Metallkunstwerken dazu stellst? Das wäre doch wirklich eine tolle Sache, wir sprühen dich silbern an, basteln aus dem Metallkram eine Gitarre und einen Hut und dann stehst du ganz still, so als „Spirit of Music“, weißt du? Und wenn dann die Wettbewerbskommission vorbeikommt, stell ich ein Gitarrensolo auf volle Lautstärke und du fängst an dazu zu tun, als wenn du spielst und machst Headbanging und so. Ist das nicht eine tolle Idee?“
Mein Baby strahltw mich erwartungsvoll an, während ich noch überlegte, ob das heißen soll, dass ich bis auf die Silberfarbe nichts anhabe und wie ich dann meine edelsten Körperteile hinter der Küchensiebsuppenkellenodersonstwas-Gitarre verbergen soll. Oh, Mann! Was sag ich jetzt? Ob eine Leidensmiene hilft?

Ach, komm schon, Morey! Das wird toll!“

Äh... nein. Leidensmiene beibehalten.

Moooreeeyyyy, Baby.....“
Och nee, nicht dieser Augenaufschlag....


Leidensmiene, Leidensmiene!!!
Sie seufzt. Gibt sie nach? Ja? Ja??
„Ok, das wäre ein bisschen drüber, schätze ich mal.“
JAAAA! Definitiv wäre es das!!! Hoffnungsvolle Leidensmiene.


Und mir ist doch lieber, wenn nur ich dein bestes Teil sehe, nicht alle anderen. Silberfarbe hin oder her.“
GEEEENAAAAUUU!


Zeit, sich den realen Problemen der Vorgartenkunst aus Altmetall zu widmen.

Also wenden wir uns nun heimwärts, den Handkarren im Schlepptau, hinter einer glücksstrahlenden Babette her, die schon laut und wortreich darüber nachdenkt, was man aus unseren gekauften und gespendeten Schätzen alles zaubern kann.

Gartenfeen aus Röhren mit Sieben auf dem Kopf und aufgeplatzten Schneebesen als Pusteblumen in der Hand. Verkeilte Autounfallskulptur aus Kuchenblechen und Topfdeckeln.... Roboter aus Töpfen und Schüsseln... jaja, mein Baby hat echt tolle Ideen!

Wollt Ihr den Vorgarten sehen, mit dem wir garantiert gewinnen werden?

Na, dann sehen wir uns in drei Tagen, ihr wisst schon wo!
Ciao, byebye, und immer cool bleiben!
Euer Morey Cool

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#14

Ich geb gleich noch FB an allofthedanya:
Armer Luke! Ich fühle mit ihm und kann hn mir richtig gut vorstellen, wie er sich quält. Big Grin
Was mir besonders positiv auffällt an deiner Geschichte, ist Lorelais Reaktion auf die (für sie wirkich passenden) Geschenke. Du hast ihren Ton genau getroffen, ich habe sie richtig sprechen gehört, während ich es las.
Niedliche Geschichte1 Smile

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#15
Thumbs Up 

FB an allofthedanya: 

Da ich gefundenes behalten soll, werde ich auch nicht auf etwaige Rechtschreibfehler zurückkommen, sondern einzig und allein auf die Story an sich.

Es ist ja ohnehin schon schrecklich, an Weihnachten einkaufen zu gehen. Und dann muss man auch noch Luke sein, was quasi doppelt schrecklich ist. Nicht für Luke, sondern vielmehr für die Verkäufer Rotfl

Ich fand's klasse, wie du ihn durch die Geschäfte geschleust hast und das Geschenk ist so herrlich Mann und doch irgendwie herzallerliebst, dass es wirklich authentisch rüber kam. Ein bisschen holprig fand ich die Geschichte an sich. Man hatte ein paar Cuts, die irgendwie verwirrend für mich waren (wie kommt Luke plötzlich an die 3. Mütze), aber das tut der Gesamtstory keinen Abbruch Wink

Schön geschrieben Smile 

FB am Irina: 

Ich hab's noch nicht mal zuende gelesen, da bin ich gleich auf was gestoßen, was ich mega lustig fand: Babette ist nur einen Kopf kleiner als Morey? Big Grin  Weltklasse! Ich werde meine Weltanschauung demnächst ein wenig anpassen müssen, den ich fand immer es waren 2-3 Köpfe xD

Zum Rest: 

Du hast Morey perfekt  getroffen. Es bleibt einem gar nichts anderes übrig als mit seiner Stimme im Kopf zu lesen. Und das leidende Stöhnen Rotfl ich kann's mir richtig vorstellen. Als hätten wir ihn jemals wirklich laut werden hören. 

Die Story ist wirklich lustig. 

Dennoch möchte ich hier auf etwas hinweisen: Im Einleitungsteil steht bei Fandom "Original" dein Fandom ist allerdings "Gilmore Girls". Nicht, dass es hier noch zu Verwechslungen kommt Wink

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#16

Naja, das mit dem Kopf kleiner ist ja Moreys Sicht der Dinge. Für ihn ist Babette eh die Größte. Wink
Danke für das FB, ja es war auch meine Absicht, dass man Morey reden hört, wenn das gelungen ist, bin ich zufrieden. Smile
Oh, ok, verbessere ich gleich.

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#17

Titel: French Affair
Autor : Abendstern
Genre : Komödie
Fandom: GG
Pairing : ---
Raiting : ---
Disclaimer : Die Figuren und Schauplätze entstammen nicht meiner Fantasie, nur die Geschichte
Sonstige Bemerkungen: bla Big Grin

"Guten Morgen!", flötete Lorelai beim Betreten der Eingangshalle des Dragonfly Inn. 
Sie lächelte ein junges Pärchen, das bereits mit geschulterten Rucksäcken etwas ratlos vor den Broschüren über Sehenswertes in der Umgebung stand, an. Sie drückte ihnen im vorbeigehen eine hellblaue Broschüre mit einem idyllischen See und der Aufschrift "romantischer Entensee" in die Hand und meinte lächelnd: "Das perfekte Ziel für einen Tag wie heute. Und falls sie morgen wieder eine Empfehlung brauchen, wenden Sie sich vertrauensvoll an Michel." Die Hotelführerin drehte den Oberkörper Richtung Rezeption und deutete mit der Hand auf ihren Mitarbeiter. Der hatte scheinbar kein Wort mitbekommen und starrte weiterhin  versunken auf den Computerbildschirm vor ihm.

"Nicht wahr Michel?!", wiederholte Lorelai deshalb, woraufhin dieser irritiert aufsah, ein paar mal hektisch mit der Maus klickte und "Aber natürlisch" antwortete. Überrascht darüber, von Michel keine herablassende Antwort erhalten zu haben, runzelte Lorelai, nachdem sie das Paar verabschiedet hatte, die Stirn. Sich geschäftig den Unterlagen vor ihm widmend, schenkte der Concierge ihr nun wieder die gewohnte Gleichgültigkeit und Lorelai machte sich achselzuckend auf den Weg in die Küche. Schon während sie sich ihre Tasse Kaffee einschenkte und mit Sookie plapperte, vergaß sie den Vorfall.
Michel jedoch hatte Lorelai aus den Augenwinkeln beobachtet und sich, kaum dass diese durch die Küchentür verschwunden war, sofort wieder dem Bildschirm des Computers zugewandt. Eifrig klickte er sich durch verschiedene Seiten des Internets.
+++
Der Vormittag verlief ereignislos. Lorelai begrüßte oder verabschiedete Gäste, kontrollierte Zimmer, telefonierte mit Geschäftspartnern. Dabei fiel ihr auch nicht auf, dass Michel immer, sobald sie in die Nähe der Rezeption kam, zum Startbildschirm des Computers zurückkehrte und wieder und wieder die selben Buchungen in dem dicken ledernen Belegungsplan eintrug.
Erst als sie am Nachmittag Michel darum bat, die Brettspiele auf Vollständigkeit zu überprüfen (sie beherbergten gerade ein ziemlich aufgedrehtes Geschwisterpaar und deren Eltern) und dieser sich ohne zu murren oder abschätzige Bemerkungen zu machen an die Arbeit machte, wurde sie misstrauisch.
"Mit Michel stimmt etwas nicht. Entweder haben sich bei ihm Gehirnschnecken eingenistet oder er wurde entführt und ausgetauscht", verkündete sie sogleich ihrer Freundin Sookie in der Küche. Diese belegte gerade einen Tortenboden mit herrlich leuchtenden Beeren für den Nachmittagskaffee und fragte ohne aufzuschauen: "Wie kommst du denn darauf?" "Er widerspricht nicht, er ist freundlich zu den Gästen und jetzt räumt er das Chaos der Petersen Kinder auf." Sookie blickte überrascht auf und ließ dabei versehentlich die dicke Blaubeere zwischen ihren Fingern platzen, sodass der Saft in alle Richtungen spritzte. "Huch", machte sie, bevor sie hektisch die Finger an ihrer Schütze abwischte und kontrollierte, ob ihre Torte versaut war. "Du machst doch Witze", sagte Sookie bestimmt, nachdem sie festgestellt hatte, dass mit ihrer Torte alles in Ordnung war. Sie wuselte zu einem der großen Backofen, während sich eine der Küchenhilfen daran machte, den Kuchen weiter zu belegen. Und während sie den aus dem Ofen steigenden Dampf vor ihrem Gesicht wegwedelte und den Braten fürs Abendessen einpinselte, ergänzte sie: "Gestern noch hat er verkündet, dass er 'nischts anfassen wird, was diese Rotznasen mit ihren klebrischen 'änden angetatscht 'aben'." Sie warf die Backofentür zu und widmete sich einem großen Topf, in dem eine Suppe vor sich hin köchelte.
"Eben!", sagte Lorelai und lugte durch einen Spalt in der Tür nach ihrem Mitarbeiter. "Und jetzt schau dir das an!" Auffordernd winkte sie Sookie zu sich und beide quetschten sich aneinander, um einen möglichst guten Blick auf Michel zu erhaschen. Der saß konzentriert mit der Anleitung eines Spieles in der Hand an einem Tisch und kontrollierte zügig dessen Inhalt. "Schau! Er trödelt nichtmal, er macht keine Leidensmiene und auch keine spitzen Finger!" Sookie stellte sich wieder aufrecht hin, stemmte eine Hand in die Hüfte und schüttelte den Kopf.  "Er sieht genauso aus wie Davey, wenn er etwas aufräumen muss, bevor er weiterspielen darf..."
"Jetzt ist er fertig", verkündete Lorelai, die Michel immer noch beobachtete. "Aber...er geht einfach nur zurück an seinen Platz." Da sie ihn nun nicht mehr sehen konnte, schloss sie die Tür. "Na ganz einfach! Dann kann er -was auch immer er tun will- von seinem Platz aus tun. Vielleicht hat er eine Romanze und sie schreiben sich süße Nachrichten", meinte die Köchin neben ihr kichernd.
Lorelai grinste verschmitzt bei der Vorstellung. "Das werd ich rausfinden!" Sie verließ auf Zehenspitzen die Küche, um mit den Absätzen ihrer Schuhe kein Klappern auf dem Holzboden zu verursachen. So tastete sie sich langsam vor und schaute gerade so weit um der Ecke, um Michel sehen zu können, aber für ihn nicht sichtbar zu werden.
 Doch was sie sah, war erschreckend unspektakulär: Michel blickte auf den Bildschirm des Computers, er schien einfach zu arbeiten. Wenn sie doch nur sehen könnte, was er ansah... Schritt für Schritt schlich sie weiter, in der Hoffnung einen Blick darauf zu erhaschen... Nur noch ein kleines Stück - "Hallo Miss Gilmore!!!!", donnerte es zweistimmig durch die Eingangstür. Michel schreckte sofort hoch und starrte Lorelai an, die nur wenige Schritte von ihm entfernt in gekrümmter Haltung stand. Ertappt versuchte sie durch eine sich streckende Bewegung möglichst unauffällig zu wirken, da war sie auch schon umzingelt von den beiden Petersen Kindern, die ihr begeistert von ihrem Ausflug erzählten und sie aufforderten, mit Ihnen zu spielen. Sie schaute hinüber zu Michel, der nun wirklich arbeitete. Diese Chance war also erstmal vertan, da konnte sie den Kindern auch den Gefallen tun. Schließlich standen - trotz aller Neugier- die Gäste immer an erster Stelle.
+++
Obwohl sie es immer wieder versucht hatte, war es Lorelai an diesem Tag nicht mehr gelungen, herauszufinden, was mit Michel los war. Fest davon überzeugt, es heute zu schaffen, betrat sie am nächsten Morgen das Hotel und war überrascht dort den gewohnten Michel zu erleben. Mit hochnäsigem Blick redete er auf zwei ältere Damen ein, die daraufhin kopfschüttelnd zum Frühstück gingen. Sie stellte sich neben ihn und versuchte herauszufinden, ob mit ihm etwas nicht stimmte. Er schien jedoch wie immer, außer dass Lorelai das Gefühl hatte, sein Hemd habe die selbe Farbe wie das vom Tag zuvor. Vielleicht war gestern einfach einer seiner guten Tage gewesen. Jedenfalls zeigte der Computer lediglich den Email-Posteingang des Dragonfly und auch sonst war nichts zu entdeckten.
So verdrängte die Arbeit diese Gedanken aus ihrem Kopf, bis kurz vor Mittag die Post gebracht wurde. Lorelai stand gerade mit dem Gärtner auf der Veranda und besprach die Gartengestaltung, als sie den Postboten dabei sah, wie er schwer schnaufend mit drei verschieden großen Paketen im Arm das Hotel betrat. Neugierig, was wohl darin ist, sah sie sich wenige Minuten später im Eingangsbereich um, fand jedoch nur den üblichen Stapel Briefe auf dem Tresen. "Wo sind sie?" "Wer?", fragte Michel ohne aufzublicken. "Die Pakete!" "'ier sind keine Pakete!" Diese Antwort kam zu schnell. "Grinch!", rief Lorelai und trat um den Tresen herum. So sah sie nun, dass Michel versuchte, die Pakete im untersten Fach hinter seinen Beinen zu verstecken. "Diese Pakete!" "Non!", sagte Michel mit jammervoller  Stimme. "Die ge'ören mir!" Doch Lorelai hatte die Fährte wieder gewittert und zog einen der Kartons hinter ihm hervor. Heraus blitzte lilane Seide. Sie zog daran und hielt ein Hemd in Händen. Genau das selbe, wie Michel es gerade trug. "Geben Sie das 'er", keifte Michel und versuchte das Hemd zu greifen, doch Lorelai drehte sich weg. "Sie wissen, dass sie nicht bei Pizza Hut arbeiten? Sie müssen nicht jeden Tag das selbe tragen... Und warum verstecken Sie es da unten?"
"Isch weiß! Außerdem geht Sie das garnischts an!" Als Michel sich nach dem Hemd streckte, war plötzlich ein Klappern zu hören. Lorelai drehte den Kopf nach der Ursache... Und entdeckte einen sich noch drehenden dunklen Knopf auf dem Holzboden.
"Sehen Sie, was Sie getan 'aben!", japste Michel, riss das Hemd an sich und hielt es vor seinen Bauch. Lorelai verkniff sich ein Lachen und bückte sich nach dem Knopf. "Kommt der von Ihnen, Michel?" "Mais non!", entgegnete dieser, selbst nicht von seiner Antwort überzeugt. "Zeigen Sie mal!", neckte ihn Lorelai und versuchte das Hemd, das Michel schützend vor sich hielt, wegzuziehen. Da er keine Hand frei und hatte, um sich zu verteidigen, blieb ihm nur die Flucht und so verschwand er Richtung Küche. Dadurch ließ er jedoch die anderen Pakete unbewacht zurück. Lorelai zog sie hervor und erkannte die Absender als bekannte Händler für Herrenbekleidung. Das hatte Michel also die ganze Zeit getan: online shopping! Aber warum versuchte er so verzweifelt, dies zu verheimlichen? Üblicherweise war Michel stolz auf seinen erlesenen Geschmack und sein Stilbewusstsein... Und vor einer Rüge von ihr, weil er während der Arbeitszeit shoppte, hatte der Michel, den sie kannte, keine Angst. Was also war hier los? Sie drehte nachdenklich den Knopf zwischen ihren Fingern. Warum war der Knopf überhaupt abgegangen? Auch das passte nicht zu Michel. Er achtete so penibel darauf, dass alles ordentlich aussah - Ein loser Knopf wäre ihm sicherlich nicht entgangen!
Schließlich seufzte Lorelai. Sie sollte nach Michel sehen, dann würde sie vielleicht auch eine Antwort finden.
"Was hast du denn mit Michel gemacht?", fragte sie Sookie, sobald sie die Küche betreten hatte. Mit einem Kopfnicken deutete sie auf die Vorratskammer. "Er ist über dich fluchend da rein verschwunden und beschimpft seitdem jeden, der versucht hineinzugehen." Lorelai seufzte und zuckte mit den Schultern. "Ich habe entdeckt, dass er jede Menge Klamotten online geshoppt hat..." "Seien Sie ru'isch!", tönte Michel aus der Vorratskammer. "Michel, Seien Sie nicht albern!" "Albern?", er steckte den Kopf durch die Tür. "Sie sind doch Schuld an diesem Schlamassel! Sie beide!" Sookie zog irritiert die Augenbrauen zusammen: "Was habe ich denn nun damit zu tun?" Böse schaute Michel von ihr auf die Arbeitsfläche, auf der gerade wieder eine opulente Sahnetorte entstand. "Seit Sie mich verführen und auch noch jeden Tag diese Torten zum Kaffee anbieten, ist mein Bäuschlein immer größer und größer geworden. Es ist eine Katastrophe! Nischts passt mir mehr!" Nun fiel es Lorelai wie Schuppen von den Augen. Der Knopf, er war abgeplatzt, weil Michels Hemd zu eng geworden war! Und deshalb hatte er auch genau die selben Hemden nochmals bestellt. Niemandem hatte die größere Kleidergröße auffallen sollen. Sie kicherte, doch als sie in Michels verletztes Gesicht sah, unterdrückte sie es schnell wieder.
Sookie war wesentlich unsensibeler: "Was kann denn ich dafür, wenn Sie die Finger nicht von den Kuchen, die ich wohlgemerkt für die Gäste mache, lassen können?!" Sie wedelte mit dem Küchentuch in seine Richtung und stemmte dann die Hände in die Hüften. Michel jaulte auf und verschwand hinter der Tür. "Sie 'aben ja Rescht. Isch bin einfach schwach geworden, immer und immer wieder", hörte man ihn durch die Tür. Lorelai blickte Sookie etwas vorwurfsvoll an, doch die zuckte mit den Achseln. "Sie sind einfach zu 'immlisch,..." Sookies Gesicht wurde versöhnlicher. "Nie 'Abe isch so etwas köstlisches gegessen..." Sie legte gerührt die Hand auf die Brust. "War das ein Kompliment? Von Michel?", fragte die Köchin ihre Freundin so leise, dass Michel es in der Kammer nicht hören konnte. "Ich glaube, ich habe eine Idee."
Sookie ging zur Tür der Vorratskammer und klopfte sachte dagegen. "Michel? Was halten Sie davon, wenn ich noch eine weitere Torte backe? Eine kalorienarme ohne Schokolade und fette Sahne. Vielleicht mit einem leichten Quark..." Michel in der Kammer seufzte und öffnete leicht die Tür. "Das würden Sie für misch tun?" Sookie nickte und Lorelai antwortete: "Wir können es doch nicht verantworten, dass unser liebster Mitarbeiter jeden Monat sein Gehalt beim Shoppen einer neuen Garderobe ausgibt, weil die alte nicht mehr passt!" Michel kam etwas verschämt heraus und bliebt unschlüssig an der Wand stehen. "Nun, dann...", stammelte er. "Dann ist es jetzt wohl Zeit für eine Modenschau!", beendete Lorelai seinen Satz grinsend. Michel schaute sie entsetzt an. "Non! Niemals! Isch ge'e an meine Arbeit zurück! Modenschau! Isch bin doch kein Püppschen!", energisch mit dem Kopf schüttelnd verließ Michel die Küche. Durch die Tür hörten die beiden Frauen, wie er die Gästekinder anfauchte. Lorelai nahm einen großen Schluck aus ihrer Kaffeetasse, lächelte ihrer Freundin zu und war froh, dass offensichtlich alles beim Alten war.

I need Money for a Unicorn.
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#18

Boah, ich bin begeistert!!! :-O Big Grin
Superklasse! Du hattest ab dem Entensee meine allerhöchste Aufmerksamkeit und ich habe die Geschichte regelrecht verschlungen! Du könntest ein GG-Buch schreiben, das war glaube ich die beste FF, die ich bisher hier gelese habe!
Da stimmt einfach alles, der Erzählstil, die Dialoge, die Handlung - genial!
DANKE! Heart Smile

What's meant to be will come your way, what's not will fall away.
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#19

Ui, danke. Da werd ich ja rot Smile
Freut mich, dass es dir so gut gefällt


Fb:
Allofthedanya:
Hach ja, das zeigt wieder, was für ein lieber Kerl luke ist. Für seine Lorelai geht er sogar shoppen. Kurz war ich etwas durcheinander, als er die Karte kauft und dann doch noch die Mützen. Das war ein bisschen abrupt, danach passt alles wieder. Und er hat sich selbst auch eine Käppi besorgt. Ob ihm bewusst ist, dass er dann nicht nur mit Lorelai sondern auch mit Paul anka Partnerlook trägt? :'D

Irina:
Toller Stil, man hat richtig moreys Stimme in den Ohren. Das "klar tut ihr das" Find ich klasse. Mir gefällt, dass du dich bei jeder ff neu erfindest und mal was anderes ausprobierst. Aber die Gartendeko will ich mir irgendwie nicht vorstellen... Wobei es ja vielleicht ganz interessant wird, Kunst eben Wink

Mel:
Was ganz anderes als erwartet, aber für jeden bildlich nachvollziehbar, der schonmal in den Ferien oder um die Feiertage herum im ikea war. Haargenau so siehts aus. Ich bin übrigens so eine, die mitten im gang stehen bleibt und nachdenkt ^^
Und man hört in jedem Absatz deine Abneigung dem einkaufen gegenüber heraus Big Grin

I need Money for a Unicorn.
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#20

(04.09.2016, 22:09)Abendstern schrieb:  Irina:
Toller Stil, man hat richtig moreys Stimme in den Ohren. Das "klar tut ihr das" Find ich klasse. Mir gefällt, dass du dich bei jeder ff neu erfindest und mal was anderes ausprobierst. Aber die Gartendeko will ich mir irgendwie nicht vorstellen... Wobei es ja vielleicht ganz interessant wird, Kunst eben Wink

Ja, das Ausprobieren macht mir wirklich Spaß, gerade auch, was die Erzählperspektive betrifft, wechsele ich gern mal hin und her. Das, was du da so toll hinbekommen hast, nämlich den "klassischen" Erzählstil, liegt mir nicht so 100prozentig. Da fühle ich mich meist eingeengt und neige zu etwas steifen Formulierungen (steif mit Hamburger S gesprochen  Big Grin ).

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