22.04.2010, 19:57
Story-Infos/Disclaimer siehe 1. Beitrag.
A/N:
Ihr seid der Wahnsinn! Ich werd nicht mehr! Das ist absolut unglaublich. 7 Kommentare! SIEBEN!!! Ich bin total aus dem Häuschen! Vielen, vielen, vielen Dank! Ihr habt keine Vorstellung, wie sehr ich mich freue. 
Also ein fetter Drücker und mein gröÃter Dank geht an:
Fühlt euch gedrückt und ganz fest geknuddelt. :herz:
Zum Kapitel: Es geht los! Die ersten Personen werden vorgestellt und die ersten Zusammenhänge. Mehr will ich gar nicht verraten. Bin einfach schon gespannt, wie euch das erste Kapitel gefallen wird. Es gibt noch keine wirkliche LITNESS (ich nenn das jetzt einfach mal so) in diesem Teil, aber dafür zukünftig dann umso mehr.
Ach und bevor ich wieder mal darauf vergesse:
@HollowStar: Wegen meiner neuen Signatur ... als hättest du es gewusst. Ich steck noch in den Anfängen fest, aber schön langsam nimmt die Story Form an. Wenn alles gut geht, dann wird "Falling In Love" als nächste FF veröffentlicht.
Viel Spaà kann ich euch noch wünschen und wie immer: Feedback ist Liebe! :herz:
xoxo,
Tina
So sehr sie das Land in den wenigen Tagen lieben gelernt hatte ⦠die Bevölkerung war eine Sache für sich. Zumindest der männliche Teil von dieser. Sie hatte sich geschworen, der nächste Typ, der auch nur die Lippen für einen Pfiff in ihre Richtung schürzte, hatte eine deftige Ohrfeige sitzen. Die letzten drei Tage war dies nämlich im Schnitt zirka zwanzig Mal pro Stunde vorgekommen. Rorys Meinung nach zwanzig Mal pro Stunde zuviel. Auch wenn sie sich die ersten Male sogar geschmeichelt gefühlt hatte.
Der weibliche Teil Italiens jedoch hatte dies eindeutig wieder wettgemacht. Gerade gestern Abend war sie â als sie auf dem Nachhauseweg an einer kleinen Gärtnerei vorbeigekommen war â einer alten Freundin vom College über den Weg gelaufen. Frederika hatte damals, als Rory noch nach Yale ging, ein Austauschjahr in Amerika verbracht. Sie waren sich in der Bibliothek begegnet als sie nach dem selben Buch griffen. Die beiden hatten sofort Freundschaft geschlossen.
Riks â wie sie Rory immer nannte â hatte jedoch nur vier Monate in den Staaten verbringen können, denn danach war ihr Vater schwer erkrankt und bald darauf verstorben. Ihr Studium hatte sie daraufhin nicht wieder aufgenommen, sondern hatte begonnen in der kleinen Gärtnerei zu arbeiten. Wobei sich herausstellte, dass dies genau die Arbeit war, die sie eigentlich machen wollte.
Rory hatte nicht einmal gewusst, dass Frederika Torinni hier in San Remo lebte. Um ehrlich zu sein hatte sie auch lange nicht mehr an die Italienerin gedacht.
Das schoss ihr durch den Kopf als sie â an einer Kugel Eis leckend â durch eine etwas belebtere Gasse in die Richtung schritt, in welcher die Wohnung der Freundin lag. Ihr Blick schweifte von Haus zu Haus, von Blumentöpfen über Wäscheleinen zurück zu alten, bereits teilweise rostigen Schildern, welche die verschiedenen Handwerke zeigten, die in den Läden darunter angeboten wurden.
Sie war gerade dabei um eine Ecke zu biegen als sie von jemandem geschuppst wurde und dadurch aus Versehen jemand anderen anrempelte. Beinahe wäre es passiert, dass sich ihr Schoko-Krokant-Eis auf dem Hemd des Fremden verteilt hätte.
âMi scusi!â, entschuldigte sie sich sofort. Und blickte kurz auf. Als sie den Mann sah, wusste sie, dass er nur Italiener sein konnte. Er hatte schon das Aussehen eines Italieners.
âNon c'é problemaâ, gab er freundlich zurück. Danach lächelten sie sich einmal zu und gingen wieder in die entgegen gesetzten Richtungen davon.
Kurz schoss es ihr durch den Kopf, dass ihr der Fremde bekannt vorgekommen war. Doch kaum hatte sie den Gedanken fertig gedacht, war er auch schon wieder vergessen.
Jess hatte es eilig. Er musste noch im Restaurant vorbeischauen, bevor er in die Villa Ormond aufbrechen konnte, in welcher das alljährliche Festival San Remo Immagine Jazz stattfand und für das er drei Karten erhalten hatte. Eine für ihn, die anderen beiden für das Rovelli-Ehepaar.
Als er um die Ecke bog â er war zirka fünfzig Meter von seinem Restaurant entfernt â wurde er von der Seite her angerempelt. Eine junge Frau schien gestoÃen worden und geradewegs in ihn hineingefallen zu sein. Alleine schon an der Art, wie sie das âMi scusi!â als Entschuldigung aussprach erkannte der junge Mann, dass sie keine Italienerin war. Als er dann hinsah, bemerkte er auch, dass sie auch nicht im Geringsten die Ãhnlichkeit mit einer solchen hatte. Dafür war ihre Haut viel zu hell. AuÃerdem waren so auÃergewöhnliche, blaue Augen in dieser Gegend nicht zu finden. Wahrscheinlich eine einfache Touristin.
âNon c'é problemaâ, antwortete er deshalb freundlich. Danach lächelten sie sich noch einmal zu und verschwanden die Sekunde darauf wieder in die jeweils andere Richtung. Es schossen ihm noch einmal diese intensiven, blauen Augen durch den Kopf, doch die Sekunde darauf waren sie schon wieder in den Hintergrund gedrängt. Gerade so, als hätten sie niemals existiert.
Frederika wohnte in einer Wohnung, die man auch als Schuhschachtel hätte bezeichnen können. Zusammen mit ihrem Kater Papageno lebte sie jetzt seit drei Jahren hier. Seit Nico und sie Schluss gemacht hatten und sie die gemeinsame Wohnung ihm überlassen hatte. Unter anderem, weil sie sich die Wohnung alleine sowieso nicht leisten hätte können.
Ihrer Schuhschachtel musste man aber zwei Dinge zu Gute halten. Erstens, war die Gärtnerei, in welcher sie angestellt war, keine dreihundert Meter entfernt und zweitens liebte sie dieses kleine Loft über alles. Es war ihr Reich. Ihre kleine, eigene Welt.
Ihre Zwillingsschwester hatte sie für verrückt erklärt und sie beinahe schon bekniet, dass sie sich doch bitte endlich eine anständige Wohnung suchen sollte. Doch Rika, wie sie ihre Freunde nannten, hatte abgewinkt und gar nicht weiter darauf gehört. Dafür liebte sie es â wie bereits erwähnt â viel zu sehr hier zu leben.
Gerade strich ihr Papageno um die Beine, da er auf sein Fressen wartete. Er war verfressen und konnte sich beinahe nicht mehr bewegen, der kugelrunde, silbergraue Kater. Doch Frederika störte das wenig. Sie mochte es, wenn er versuchte vom Boden auf die Couch zu springen, um ihr beim Lesen Gesellschaft zu leisten und dabei mit seinem fetten Bauch an der Couchkante hängen blieb. Das war eben Papageno.
âKein Futter mehr, Pap. Du hast für heute schon genug Leckeres in dich hineingestopftâ, grinste die junge Frau und schüttelte dabei den Kopf. Das Tier lieà einen quiekenden Laut von sich, doch Frederika blieb hart. Und das erkannte der Kater schnell. Denn die Sekunde darauf war er verschwunden. Es war ihr ein Rätsel, wie er es jedes Mal wieder bewerkstelligte so schnell zu verschwinden, obwohl er dermaÃen fett war.
Das Telefon riss sie aus dieser Ãberlegung.
âTorinniâ, meldete sie sich mit ihrem Nachnamen und klemmte den Hörer zwischen Schulter und Ohr.
âHast du dir mein schwarzes Cocktailkleid geliehen ohne mich zu fragen?â, ertönte sofort eine hektische Stimme am anderen Ende der Leitung.
âUpsâ, gab sie zurück und machte sich für die Schimpftirade bereit.
âRika!â, begann die andere Person auch sofort.
Obwohl sie Zwillinge waren hätten Frederika und ihre Schwester nicht unterschiedlicher sein können.
Rika war Gärtnerin. Ihre Schwester war Hausfrau.
Sie hatte einen Kater. Ihre Schwester einen Mann.
Ihre Schwester liebte den Strand. Frederika die Berge.
Ihre Schwester plante in nächster Zukunft Kinder zu bekommen. Sie war froh, wenn sie wusste, was sie am nächsten Tag anziehen wollte.
Und es gab noch viele kleinere und gröÃere Dinge, durch welche sich die beiden Frauen unterschieden.
Was nicht bedeutete, dass sie kein eingeschweiÃtes Team waren. Denn das waren sie. Frederikas Schwager hatte dies schon mehr als einmal heftig zu spüren bekommen.
In diesem Moment klingelte es an der Haustür.
âTut mir Leid, Schwesterherz, aber es hat an der Tür geklingelt. Zieh doch einfach das rote Kleid an. Das sieht sowieso viel besser aus. Wir sehen uns morgen!â, lachte die junge Frau, gab der anderen gar keine Chance mehr darauf zu antworten und hängte den Hörer zurück auf. Danach sprintete sie zur Tür und öffnete diese.
âCiao, Bella!â, begrüÃte sie die Sekunde darauf die dunkelblonde Freundin vor der Tür und bat sie herein.
âHi, Riksâ, gab diese lachend zurück. Danach trat sie ein. Sofort streifte ihr ein silbergrauses, kugelrundes Bündel um die Beine.
âRory, darf ich vorstellen? Das ist Papageno, mein fauler, verfressener Kater. Pap, dass ist Rory aus Amerikaâ, stellte die Gärtnerin lächelnd vor.
Danach bot sie ihrem Gast eine Erfrischung an und wies auf die Couch, zum Zeichen dafür, dass sie sich doch setzen sollte.
Rory tat das und während Frederika die Getränke aus der kleinen, angrenzenden Küche holte, lieà die junge Frau ihre Blicke durch das kleine Wohnzimmer streifen.
Wo man auch nur hin sah entdeckte man Fotografien. Von Menschen, Gebäuden, Tieren und Landschaften. Die Amerikanerin erhob sich schon wieder, nur wenige Augenblicke nachdem sie sich gesetzt hatte. Sie ging auf eine mit Holz verkleidete Wand zu und betrachtete eingehend die Fotos.
Auf einigen war Papageno zu sehen. Andere zeigten wieder Personen, welche Rory nicht kannte. Oftmals waren der Strand und die Berge zu sehen.
Doch ein Bild fiel ihr besonders ins Auge. Es hatte etwas Einzigartiges an sich. Irgendwie ging ein Zauber davon aus und Rory konnte den Blick nicht davon abwenden.
âGefallen dir meine Arbeiten? Du weiÃt ja, dass ich in meiner Freizeit furchtbar gerne fotografiereâ, riss Frederika sie schlieÃlich aus ihrem beinahe tranceähnlichen Zustand.
âWer ist das auf dem Foto dort? Und vor allem: Wo ist das?â, wollte sie gleich darauf erfahren und zeigte auf das Foto vor sich. Rika trat einige Schritte näher, um zu sehen, welches Bild Rory meinte. Kaum hatte sie es erblickt, begann sie zu lachen.
âIch hätte mir denken können, dass es dieses Bild ist. Ich weià auch nicht, aber manchmal glaube ich, dass Magie von diesem Foto ausgeht, denn jeder, der es sieht, ist augenblicklich davon angezogenâ, sie schüttelte etwas den Kopf, setzte aber gleich darauf fort, âEs war mein allererstes Foto, dass ich jemals gemacht habe. Ich meine, welches ich geschossen und danach selbst entwickelt habe. Es ist in meinem Heimatdorf entstanden. Lingueglietta. Und die Person, die dargestellt wird ist niemand geringerer als Linguegliettas Institution schlechthinâ, sie hielt inne, bevor sie mit einem breiten Grinsen erklärte, âDas ist Nonna Katalina.â
Für einige Augenblicke war es still. Rorys Blick haftete noch immer auf der Fotografie der alten Dame, auf welcher diese gerade Ãpfel schälte und das Sonnenlicht so durch die Efeuranken fiel, dass es wirkte, als würden die Schatten über das Obst und die Frau selbst tanzen.
âUh Oh! Rory! Wir müssen uns beeilen, sonst kommen wir noch zu spätâ, klatschte Frederika schlieÃlich aufgeregt in die Hände und riss die alte Freundin von ihrer Fotowand weg.
Rory bemerkte jetzt erst, dass sie über zehn Minuten wie gebannt auf das Bild gestarrt hatte.
âWas haben wir überhaupt vor, Riks?â, lachte sie und hackte sich bei der dunkelhaarigen Frau unter.
Frederika lachte auf, bevor sie mit einem breiten Grinsen meinte: âDas, was jeder Italiener an einem Samstag Abend macht: FuÃball!â
âWolltest du nicht das schwarze Kleid anziehen?â, kam es verwirrt von ihm als er seine Frau sah. Gerade gestern hatte sie noch so davon geschwärmt, dass sie endlich wieder hineinpassen würde.
âIch hab mich doch noch für das rote entschiedenâ, gab sie jedoch kurz und bündig zurück. Damit war die Diskussion für sie beendet.
âRika hat es sich ohne fragen ausgeliehen, nicht wahr?â, lachte er und schlang seinen Arm um ihre Taille. Sie überdrehte nur die Augen, jedoch erschien auf ihrem Gesicht ein leichtes Lächeln.
Er öffnete die Wohnungstür und die beiden schritten hinaus. Sie waren in fünf Minuten mit seinem besten Freund verabredet und mussten sich deshalb beeilen, denn es war ein FuÃmarsch von zirka zehn Minuten bis zum Treffpunkt.
Matteo wusste, dass Jess im Dreieck springen würde, denn wenn dieser eines nicht mochte, dann war es Unpünktlichkeit. Und dass Joanna und er unpünktlich sein würden war jetzt schon mehr als gewiss. Dank Frederika Torinni, seiner Schwägerin und der Zwillingsschwester seiner Frau.
A/N:


Also ein fetter Drücker und mein gröÃter Dank geht an:
JUHUI, Mela, HobbyWriter, Mariano Girl, mybom, HollowStar und carlie
Fühlt euch gedrückt und ganz fest geknuddelt. :herz:
Zum Kapitel: Es geht los! Die ersten Personen werden vorgestellt und die ersten Zusammenhänge. Mehr will ich gar nicht verraten. Bin einfach schon gespannt, wie euch das erste Kapitel gefallen wird. Es gibt noch keine wirkliche LITNESS (ich nenn das jetzt einfach mal so) in diesem Teil, aber dafür zukünftig dann umso mehr.

Ach und bevor ich wieder mal darauf vergesse:
@HollowStar: Wegen meiner neuen Signatur ... als hättest du es gewusst. Ich steck noch in den Anfängen fest, aber schön langsam nimmt die Story Form an. Wenn alles gut geht, dann wird "Falling In Love" als nächste FF veröffentlicht.

Viel Spaà kann ich euch noch wünschen und wie immer: Feedback ist Liebe! :herz:
xoxo,
Tina
~*~*~*~*~
LINGUEGLIETTA
Die Geschichte, wie ein Wirbelwind auf einen Taugenichts traf ...
1. Kapitel - Ciao, Bella!
LINGUEGLIETTA
Die Geschichte, wie ein Wirbelwind auf einen Taugenichts traf ...
1. Kapitel - Ciao, Bella!
So sehr sie das Land in den wenigen Tagen lieben gelernt hatte ⦠die Bevölkerung war eine Sache für sich. Zumindest der männliche Teil von dieser. Sie hatte sich geschworen, der nächste Typ, der auch nur die Lippen für einen Pfiff in ihre Richtung schürzte, hatte eine deftige Ohrfeige sitzen. Die letzten drei Tage war dies nämlich im Schnitt zirka zwanzig Mal pro Stunde vorgekommen. Rorys Meinung nach zwanzig Mal pro Stunde zuviel. Auch wenn sie sich die ersten Male sogar geschmeichelt gefühlt hatte.
Der weibliche Teil Italiens jedoch hatte dies eindeutig wieder wettgemacht. Gerade gestern Abend war sie â als sie auf dem Nachhauseweg an einer kleinen Gärtnerei vorbeigekommen war â einer alten Freundin vom College über den Weg gelaufen. Frederika hatte damals, als Rory noch nach Yale ging, ein Austauschjahr in Amerika verbracht. Sie waren sich in der Bibliothek begegnet als sie nach dem selben Buch griffen. Die beiden hatten sofort Freundschaft geschlossen.
Riks â wie sie Rory immer nannte â hatte jedoch nur vier Monate in den Staaten verbringen können, denn danach war ihr Vater schwer erkrankt und bald darauf verstorben. Ihr Studium hatte sie daraufhin nicht wieder aufgenommen, sondern hatte begonnen in der kleinen Gärtnerei zu arbeiten. Wobei sich herausstellte, dass dies genau die Arbeit war, die sie eigentlich machen wollte.
Rory hatte nicht einmal gewusst, dass Frederika Torinni hier in San Remo lebte. Um ehrlich zu sein hatte sie auch lange nicht mehr an die Italienerin gedacht.
Das schoss ihr durch den Kopf als sie â an einer Kugel Eis leckend â durch eine etwas belebtere Gasse in die Richtung schritt, in welcher die Wohnung der Freundin lag. Ihr Blick schweifte von Haus zu Haus, von Blumentöpfen über Wäscheleinen zurück zu alten, bereits teilweise rostigen Schildern, welche die verschiedenen Handwerke zeigten, die in den Läden darunter angeboten wurden.
Sie war gerade dabei um eine Ecke zu biegen als sie von jemandem geschuppst wurde und dadurch aus Versehen jemand anderen anrempelte. Beinahe wäre es passiert, dass sich ihr Schoko-Krokant-Eis auf dem Hemd des Fremden verteilt hätte.
âMi scusi!â, entschuldigte sie sich sofort. Und blickte kurz auf. Als sie den Mann sah, wusste sie, dass er nur Italiener sein konnte. Er hatte schon das Aussehen eines Italieners.
âNon c'é problemaâ, gab er freundlich zurück. Danach lächelten sie sich einmal zu und gingen wieder in die entgegen gesetzten Richtungen davon.
Kurz schoss es ihr durch den Kopf, dass ihr der Fremde bekannt vorgekommen war. Doch kaum hatte sie den Gedanken fertig gedacht, war er auch schon wieder vergessen.
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Jess hatte es eilig. Er musste noch im Restaurant vorbeischauen, bevor er in die Villa Ormond aufbrechen konnte, in welcher das alljährliche Festival San Remo Immagine Jazz stattfand und für das er drei Karten erhalten hatte. Eine für ihn, die anderen beiden für das Rovelli-Ehepaar.
Als er um die Ecke bog â er war zirka fünfzig Meter von seinem Restaurant entfernt â wurde er von der Seite her angerempelt. Eine junge Frau schien gestoÃen worden und geradewegs in ihn hineingefallen zu sein. Alleine schon an der Art, wie sie das âMi scusi!â als Entschuldigung aussprach erkannte der junge Mann, dass sie keine Italienerin war. Als er dann hinsah, bemerkte er auch, dass sie auch nicht im Geringsten die Ãhnlichkeit mit einer solchen hatte. Dafür war ihre Haut viel zu hell. AuÃerdem waren so auÃergewöhnliche, blaue Augen in dieser Gegend nicht zu finden. Wahrscheinlich eine einfache Touristin.
âNon c'é problemaâ, antwortete er deshalb freundlich. Danach lächelten sie sich noch einmal zu und verschwanden die Sekunde darauf wieder in die jeweils andere Richtung. Es schossen ihm noch einmal diese intensiven, blauen Augen durch den Kopf, doch die Sekunde darauf waren sie schon wieder in den Hintergrund gedrängt. Gerade so, als hätten sie niemals existiert.
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Frederika wohnte in einer Wohnung, die man auch als Schuhschachtel hätte bezeichnen können. Zusammen mit ihrem Kater Papageno lebte sie jetzt seit drei Jahren hier. Seit Nico und sie Schluss gemacht hatten und sie die gemeinsame Wohnung ihm überlassen hatte. Unter anderem, weil sie sich die Wohnung alleine sowieso nicht leisten hätte können.
Ihrer Schuhschachtel musste man aber zwei Dinge zu Gute halten. Erstens, war die Gärtnerei, in welcher sie angestellt war, keine dreihundert Meter entfernt und zweitens liebte sie dieses kleine Loft über alles. Es war ihr Reich. Ihre kleine, eigene Welt.
Ihre Zwillingsschwester hatte sie für verrückt erklärt und sie beinahe schon bekniet, dass sie sich doch bitte endlich eine anständige Wohnung suchen sollte. Doch Rika, wie sie ihre Freunde nannten, hatte abgewinkt und gar nicht weiter darauf gehört. Dafür liebte sie es â wie bereits erwähnt â viel zu sehr hier zu leben.
Gerade strich ihr Papageno um die Beine, da er auf sein Fressen wartete. Er war verfressen und konnte sich beinahe nicht mehr bewegen, der kugelrunde, silbergraue Kater. Doch Frederika störte das wenig. Sie mochte es, wenn er versuchte vom Boden auf die Couch zu springen, um ihr beim Lesen Gesellschaft zu leisten und dabei mit seinem fetten Bauch an der Couchkante hängen blieb. Das war eben Papageno.
âKein Futter mehr, Pap. Du hast für heute schon genug Leckeres in dich hineingestopftâ, grinste die junge Frau und schüttelte dabei den Kopf. Das Tier lieà einen quiekenden Laut von sich, doch Frederika blieb hart. Und das erkannte der Kater schnell. Denn die Sekunde darauf war er verschwunden. Es war ihr ein Rätsel, wie er es jedes Mal wieder bewerkstelligte so schnell zu verschwinden, obwohl er dermaÃen fett war.
Das Telefon riss sie aus dieser Ãberlegung.
âTorinniâ, meldete sie sich mit ihrem Nachnamen und klemmte den Hörer zwischen Schulter und Ohr.
âHast du dir mein schwarzes Cocktailkleid geliehen ohne mich zu fragen?â, ertönte sofort eine hektische Stimme am anderen Ende der Leitung.
âUpsâ, gab sie zurück und machte sich für die Schimpftirade bereit.
âRika!â, begann die andere Person auch sofort.
Obwohl sie Zwillinge waren hätten Frederika und ihre Schwester nicht unterschiedlicher sein können.
Rika war Gärtnerin. Ihre Schwester war Hausfrau.
Sie hatte einen Kater. Ihre Schwester einen Mann.
Ihre Schwester liebte den Strand. Frederika die Berge.
Ihre Schwester plante in nächster Zukunft Kinder zu bekommen. Sie war froh, wenn sie wusste, was sie am nächsten Tag anziehen wollte.
Und es gab noch viele kleinere und gröÃere Dinge, durch welche sich die beiden Frauen unterschieden.
Was nicht bedeutete, dass sie kein eingeschweiÃtes Team waren. Denn das waren sie. Frederikas Schwager hatte dies schon mehr als einmal heftig zu spüren bekommen.
In diesem Moment klingelte es an der Haustür.
âTut mir Leid, Schwesterherz, aber es hat an der Tür geklingelt. Zieh doch einfach das rote Kleid an. Das sieht sowieso viel besser aus. Wir sehen uns morgen!â, lachte die junge Frau, gab der anderen gar keine Chance mehr darauf zu antworten und hängte den Hörer zurück auf. Danach sprintete sie zur Tür und öffnete diese.
âCiao, Bella!â, begrüÃte sie die Sekunde darauf die dunkelblonde Freundin vor der Tür und bat sie herein.
âHi, Riksâ, gab diese lachend zurück. Danach trat sie ein. Sofort streifte ihr ein silbergrauses, kugelrundes Bündel um die Beine.
âRory, darf ich vorstellen? Das ist Papageno, mein fauler, verfressener Kater. Pap, dass ist Rory aus Amerikaâ, stellte die Gärtnerin lächelnd vor.
Danach bot sie ihrem Gast eine Erfrischung an und wies auf die Couch, zum Zeichen dafür, dass sie sich doch setzen sollte.
Rory tat das und während Frederika die Getränke aus der kleinen, angrenzenden Küche holte, lieà die junge Frau ihre Blicke durch das kleine Wohnzimmer streifen.
Wo man auch nur hin sah entdeckte man Fotografien. Von Menschen, Gebäuden, Tieren und Landschaften. Die Amerikanerin erhob sich schon wieder, nur wenige Augenblicke nachdem sie sich gesetzt hatte. Sie ging auf eine mit Holz verkleidete Wand zu und betrachtete eingehend die Fotos.
Auf einigen war Papageno zu sehen. Andere zeigten wieder Personen, welche Rory nicht kannte. Oftmals waren der Strand und die Berge zu sehen.
Doch ein Bild fiel ihr besonders ins Auge. Es hatte etwas Einzigartiges an sich. Irgendwie ging ein Zauber davon aus und Rory konnte den Blick nicht davon abwenden.
âGefallen dir meine Arbeiten? Du weiÃt ja, dass ich in meiner Freizeit furchtbar gerne fotografiereâ, riss Frederika sie schlieÃlich aus ihrem beinahe tranceähnlichen Zustand.
âWer ist das auf dem Foto dort? Und vor allem: Wo ist das?â, wollte sie gleich darauf erfahren und zeigte auf das Foto vor sich. Rika trat einige Schritte näher, um zu sehen, welches Bild Rory meinte. Kaum hatte sie es erblickt, begann sie zu lachen.
âIch hätte mir denken können, dass es dieses Bild ist. Ich weià auch nicht, aber manchmal glaube ich, dass Magie von diesem Foto ausgeht, denn jeder, der es sieht, ist augenblicklich davon angezogenâ, sie schüttelte etwas den Kopf, setzte aber gleich darauf fort, âEs war mein allererstes Foto, dass ich jemals gemacht habe. Ich meine, welches ich geschossen und danach selbst entwickelt habe. Es ist in meinem Heimatdorf entstanden. Lingueglietta. Und die Person, die dargestellt wird ist niemand geringerer als Linguegliettas Institution schlechthinâ, sie hielt inne, bevor sie mit einem breiten Grinsen erklärte, âDas ist Nonna Katalina.â
Für einige Augenblicke war es still. Rorys Blick haftete noch immer auf der Fotografie der alten Dame, auf welcher diese gerade Ãpfel schälte und das Sonnenlicht so durch die Efeuranken fiel, dass es wirkte, als würden die Schatten über das Obst und die Frau selbst tanzen.
âUh Oh! Rory! Wir müssen uns beeilen, sonst kommen wir noch zu spätâ, klatschte Frederika schlieÃlich aufgeregt in die Hände und riss die alte Freundin von ihrer Fotowand weg.
Rory bemerkte jetzt erst, dass sie über zehn Minuten wie gebannt auf das Bild gestarrt hatte.
âWas haben wir überhaupt vor, Riks?â, lachte sie und hackte sich bei der dunkelhaarigen Frau unter.
Frederika lachte auf, bevor sie mit einem breiten Grinsen meinte: âDas, was jeder Italiener an einem Samstag Abend macht: FuÃball!â
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âWolltest du nicht das schwarze Kleid anziehen?â, kam es verwirrt von ihm als er seine Frau sah. Gerade gestern hatte sie noch so davon geschwärmt, dass sie endlich wieder hineinpassen würde.
âIch hab mich doch noch für das rote entschiedenâ, gab sie jedoch kurz und bündig zurück. Damit war die Diskussion für sie beendet.
âRika hat es sich ohne fragen ausgeliehen, nicht wahr?â, lachte er und schlang seinen Arm um ihre Taille. Sie überdrehte nur die Augen, jedoch erschien auf ihrem Gesicht ein leichtes Lächeln.
Er öffnete die Wohnungstür und die beiden schritten hinaus. Sie waren in fünf Minuten mit seinem besten Freund verabredet und mussten sich deshalb beeilen, denn es war ein FuÃmarsch von zirka zehn Minuten bis zum Treffpunkt.
Matteo wusste, dass Jess im Dreieck springen würde, denn wenn dieser eines nicht mochte, dann war es Unpünktlichkeit. Und dass Joanna und er unpünktlich sein würden war jetzt schon mehr als gewiss. Dank Frederika Torinni, seiner Schwägerin und der Zwillingsschwester seiner Frau.
TBC
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Mi scusi. - Es tut mir Leid./Bitte entschuldigen Sie.
Non c'é problema. - Kein Problem./Das macht nichts.
Non c'é problema. - Kein Problem./Das macht nichts.
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~ Love never ends. ~
~ Love never ends. ~