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Normale Version: Feuerfang
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Na dann bin ich mal gespannt, was mein Tinalein aus dem Hut gezaubert hat Smile

Meffi schrieb:so. entschuldigt evtl. rechtschreibfehler- mel ist immernoch beschäftigt und ich will den teil jetzt loswerden Big GrinBig Grin

Ja, Schule ist eben was Schönes -.-

Zitat:Er hatte dieses verfluchte Kind von Anfang an nicht gewollt.

Hey Hey Hey du blöder S*** das is dein Sohn nich das Wechselbalg aus Herr der Ringe (gab's da eins? Ich hab die Filme nie ganz gesehen ;D)

Zitat:Ein junger, spindeldürrer Arzt trat an ihn heran und gab ihm die Hand.

Jetzt hab ich n geiles Bild im Kopf ;D Grey's Anatomy Staffel 5 Mark Saul (Steve hieß der, wie auch immer mit Nachnamen oO) das dürre Ding mit Löckchen ;DD

Zitat:Zu was waren verdammte Ärzte denn sonst da?

du verdammst aber auch wirklich alle heute ;D

Zitat: Ich bin sicher, ihre Frau hätte es so gewollt.

och wie klischeehaft ^^


Zitat:Er dachte nicht einmal, er plante nicht und er fühlte nicht. Er schlug einfach nur zu, bis ihn jemand davon abhielt.

WTF wer macht denn sowas???
armer Steve -.-

Zitat:Sollte das Kind doch heißen wie sie wollte, es war ihm egal.

so langsam wird der Mann mir unsympathisch *knurr*

Zitat:nicht wegen diesem kleinen, abartigen Wesen, das er irgendwie am Leben halten musste, weil ständig das Jugendamt vorbeischaute.

Herzchen warst du seehr wütend, als du das geschrieben hast? ;DD das is ja gemein!!


Zitat:Simon hielt den Teddy fest in der Hand, der inzwischen nur noch aus einem Kopf, einem Körper und einem Bein bestand. Seine Mutter hatte ihn vor seiner Geburt gekauft, und er liebte ihn abgöttisch – weshalb er für Simons Vater ein wertvolles Folterinstrument darstellte.


was für ein sardistischer unwürdiger W****** woaaaahhhh!!!!!!Mad:koch:

Zitat:Normalerweise gab es nach dem Frühstück nichts mehr zu essen.

Großer Gott hol das Jugendamt oO Jetzt hab ich schon richtig Angst um den Kleinen ;((

Zitat:Zuhause pflegte er zu sagen, dass Simon sie umgebracht hätte,


Im Ernst wo gabelst du solche Monster in deinem Kopf auf oO

Zitat: Sein Teddy trug seine Narben für ihn, und er, Simon, Mörder seiner eigenen Mutter, versagte jeden Tag wieder kläglich darin, ihn zu beschützen

Tinaaaa :'( sowas macht man doch nicht

Du bist voll gemein - aber es ist super geschrieben... wieder die Achterbahn der Gefühle und die kriegt man ja bei mir nicht so leicht hin Smile
Der arme Simon - ich hoffe du weißt, dass er jetzt nur noch Gutes von dir in der Story erwarten darf, sonst bin ich dir böse Wink))

Ich liebe es ♥

Go on please...
so meine engelchen. da ich bei meinen eltern bin und so viel zu tun hab, hier mal wieder ein nicht korrigierter teil, weil ich mel so selten erwische... aber ich dachte es wäre mal zeit für einen neuenWink

Dreizehn
2011
Als Mark am nächsten Abend nach Hause kam, fand er Anne am Küchentisch inmitten von Zetteln, Kaffeetassen und Fotos vor.
Er ließ seine Jacke auf einen Stuhl fallen und schloss das Fenster, das der Kälte im Raum nach zu Urteilen schon seit Stunden offen stehen musste. Anne nahm keine Notiz davon.
„Was machst du da?“, fragte er und setzte sich neben sie, doch er bekam keine Antwort.
„Anne?“
Er berührte sie am Arm und sie zuckte zusammen.
„Huch...“, murmelte sie und schob eilig die Zettel zusammen.
„Ich glaub ich hab deine Druckertinte aufgebraucht, ich hole morgen neue.“, bemerkte sie zerstreut und legte den Stapel Papier umgedreht auf den Tisch.
„Wie war dein Tag?“
Er legte den Kopf schief und nahm eines der Bilder in die Hand.
„Wie immer... Ist das hier ein Geheimnis oder wieso lenkst du so ab?“, fragte er und sah das Bild an. Eine Ruine war darauf zu sehen, die er nicht ganz zuordnen konnte.
„Ich...ähm...“, druckste sie herum, dann schüttelte sie den Kopf.
„Nein, kein Geheimnis... ich hab wieder mal im Internet nach Hinweisen über den Tod meiner Eltern gesucht. Aber in den online-Zeitungsarchiven steht nichts was ich noch nicht weiß, also hab ich da vor ein paar Tagen mal angerufen und die haben mir Fotos geschickt. Ich hab noch nie Fotos davon gesehen, aber die Presse hat jede Menge gemacht, die dann nicht veröffentlicht wurden.“, erklärte sie, nahm ihm das Foto aus der Hand und legte es weg.
„Oh, okay... Wie ich dich kenne willst du nicht drüber reden?“
Sie schüttelte den Kopf und lächelte leicht.
„Okay.“
Er zog seine Jacke wieder an und wackelte an ihrem Stuhl.
„Damit ist aber jetzt Schluss, komm mit.“
Anne stand schnell auf, bevor er ihren Stuhl noch nach hinten umkippte.
„Was hast du vor?“
Er grinste. „Du bist doch reich, nicht wahr? Ich wollte immer schon mal im Hotel essen, was ich den ganzen Tag koche!“, erklärte er und fischte ihre Jacke von einem Haken an der Tür.
„Nicht die! Dazu muss ich doch was feines anziehen. Gib mir zehn Minuten!“
Sie lachte und verschwand im Gästezimmer. Für eine Weile würde sie auf andere Gedanken kommen.


Simon und Valerie hatten, so wie es ihm vorkam, hunderte Wohnungen besichtigt. Lena hatte ihm bei ihrer Ankunft ins Büro direkt die Autoschlüssel ihres geliebten Mercedes in die Hand gedrückt und ihm aufgetragen, ihre Tochter von der Uni abzuholen. Stunden waren vergangen, in denen er das teure Auto vorsichtig von einer Wohnung zur nächsten manövriert hatte, aber Valerie stellte sich als anspruchsvolle Kundin heraus.
„Meine Mutter sagt immer, Makler versuchen einem am besten bereits die erste Wohnung anzudrehen... Sie meint man sollte warten bis man sich wirklich in eine Wohnung verliebt und keine Kompromisse eingehen.“, hatte sie bei der dritten Wohnung erklärt und Simon hatte noch gelächelt.
Jetzt wurde er zunehmend müde und schweigsam, als sie ihm erläuterte, warum die Wohnung, in der sie sich befanden, nicht ihre Traumwohnung war. Zum wiederholten Male an diesem Tag klapperten ihre Absätze über das Parkett, weil sie nachdenklich in der leeren Wohnung hin und her lief und für ihn Pro- und Contraargumente der Wohnung aufzählte. Wieder einmal gewann Contra, obwohl er ihr die Wohnung so schmackhaft gemacht hatte wie er konnte.
„Die Fliesen im Bad sind furchtbar und eine Küche müsste ich auch kaufen... lass uns noch eine anschauen.“
Simon unterdrückte ein Seufzen. Das schlimmste war, dass sie Recht hatte. Wahrscheinlich war er einfach nicht bei der Sache gewesen, als er die Wohnungen aussuchte, denn das was Valerie bemängelte, war meist wirklich schlecht. Dazu kam, dass sie genau zu wissen schien, worauf man achten musste.

„Vielleicht sollte ich noch mal neu suchen und wir sehen uns in den nächsten Tagen noch mal was an? Ich glaub die nächste auf meiner Liste hat auch keine Einbauküche und die danach wieder Dachschrägen.“
Dachschrägen waren auf Valeries Liste ein K.O.-Kriterium. Hatte eine Wohnung auch nur eine kleine schräge Wand, war sie raus.
Die Tochter seiner Chefin sah ihn an und grinste plötzlich.
„Entschuldige, ich bin wirklich wählerisch. Wahrscheinlich hättest du normaler Kundschaft an einem Tag drei von den Wohnungen verkaufen können, die du mir heute gezeigt hast.“
Sie nahm ihm den Autoschlüssel aus der Hand.
„Weißt du was? Du kommst jetzt mit mir und isst noch bei uns, und dann schreib ich dir noch mal 'ne genaue Liste, was ich von der Wohnung erwarte. Dann kannst du morgen oder übermorgen noch mal neue Wohnungen suchen. Okay?“
Er trat unsicher von einem Bein aufs andere und legte den Kopf schief. „Also...“
„Sehr gut.“, unterbrach sie ihn, bevor ihm eine Ausrede einfallen konnte. „Dann los! Ich fahre!“


Sie hatte das Hotel noch nie von innen gesehen und war zunächst einfach nur überwältigt von dem Reichtum, den hier alles vom Kuli an der Empfangstheke bis zu den Kronleuchtern an der Decke ausstrahlte. Normalerweise nutzte sie ihr Geld nicht wirklich. Abgesehen davon dass sie sich die Wohnung gekauft hatte lebte sie, wie die meisten anderen Studenten auch, von Discounter- Lebensmitteln und trug H&M- Klamotten. Selten war sie an Orten, wo Reichtum etwas normales war, meist war sie eine unauffällige Ausnahme – und sie hatte auch nicht vor, das zu ändern, denn die Menschen, die ihr etwas bedeuteten, kamen alle aus ärmlichen Verhältnissen. Sie hatte gelernt, dass man mit Geld sparsam umgehen musste, und das tat sie auch.
Mark führte sie in Richtung des Hotelrestaurants, während sie sich neugierig umschaute. Vor lauter Faszination mit dem wunderschönen Hotel bemerkte sie nicht einmal, wie Mark den Kellner grüßte, sie einen Platz zugewiesen bekamen, und wie der Kellner ungläubig nachfragte, ob sie wirklich sicher waren, hier essen zu wollen.
Schließlich zog der Kellner ihr einen Stuhl heraus und sie setzte sich abwesend und murmelte ein leises „Danke.“, bevor er schon wieder lautlos verschwand, um eilig Speisekarten zu bringen.
Mark grinste unterdessen einen Stammgast an, der am Nachbartisch saß und nicht zu den freundlichsten Menschen zählte.
Normalerweise wäre es absolut gegen seine Ehre gewesen, sich von einer Frau das Essen im Restaurant ausgeben zu lassen – aber sie war reich, sie würden niemals wieder zusammen kommen und außerdem würde er nicht so schnell die Chance bekommen, mal seinen Chef herum zu kommandieren.
Bei dem Gedanken grinste er. Der Kellner, mit dem er in den „Servicestunden“ seiner Ausbildung noch zusammen gearbeitet hatte, brachte die Karten, und man konnte ihm den Neid um diese Möglichkeit förmlich ansehen.


„Was ist DAS?“, rutschte es Simon heraus, als Valerie die Tür aufschloss und er in der dunklen Diele gegen einen riesigen Schrank stieß.
Valerie schaltete das Licht ein.
„Schuhe.“, sagte sie nur und lachte, als sie seinen Gesichtsausdruck sah.
Sie öffnete die Flügeltüren des Schrankes. Hinter der einen Tür waren Pumps und Stiefel in allen Formen und Farben, hinter der anderen scheinbar unendlich viele bunte Stoffschuhe, Laufschuhe und....
„Das sind meine Rennschuhe. Mit Spikes.“
Sie grinste über seinen irritierten Blick, schlüpfte aus ihren Pumps und stellte sie in den Schrank.
„Die Schuhe auf dieser Seite gehören meiner Mutter. Ich leih sie mir nur manchmal. Eigentlich bin ich mehr der Turnschuhtyp.“
Simon hatte seine Sprache wieder gefunden. Ohne die Absätze war sie plötzlich klein und zierlich, wie Anne.
„Du läufst? Rennen?“, fragte er und folgte ihr ins Wohnzimmer, wo sich seine Frage ziemlich eindrucksvoll beantwortete. Pokale und Medaillen waren an einer Wand aufgereiht und Fotos von Valerie mit Urkunden in der Hand und auf dem Siegertreppchen komplettierten den Eindruck.
„Oh. Alles klar.“, meinte er und grinste.
„Einzel- und Scheidungskind...“, sagte sie schulterzuckend und errötete leicht. „Eltern sind eben leicht zu beeindrucken.“
Sein Grinsen fror ein. Wusste sie, wie viel Glück sie hatte? Kannte sie das Gefühl, den Hass in jedem Blick zu spüren? Er bezweifelte es.
„Mein Vater beschränkt sich darauf ab und zu anzurufen und Geld zu schicken. Er glaubt, dass das Liebe ist, wenn man jemandem viele Geschenke macht.“, erzählte sie und bemerkte nicht, was in Simon vorging, als er daran dachte, dass sein Vater in seinem ganzen Leben nie auch nur versucht hatte, ihm eine Freude zu machen. Hätte Simon je einen Pokal gewonnen, hätte sein Vater ihn als Mülleimer benutzt oder im selbigen verschwinden lassen. In seinen Gedanken versunken antwortete er nicht und eine peinliche Stille entstand.
„Naja, genug von mir.“, wechselte Valerie scheinbar fröhlich das Thema und manövrierte ihn weiter zum Esstisch und weg von der Pokalwand.
In diesem Moment kam Lena aus einer Tür und strahlte, als sie Simon sah. Valerie unterdrückte ein erleichtertes Seufzen.
„Oh, wie schön, wir haben Besuch! Das ist super, ich wollte dich noch was wegen der Villa in der Bergstraße fragen, den Auftrag hattest du ja angenommen. Hast du Hunger?“

Langsam fand er in die Realität zurück.
„Du weißt doch, ich hab immer Hunger.“, antwortete er mit seinem charmantesten Lächeln und beschloss, sich für den Abend nicht mehr von schlechten Gedanken ablenken zu lassen. Weder von Gedanken an Leon noch von Gedanken an Anne – aber beides war nicht leicht.



„Schau mal, schau mal!“, flüsterte Anne aufgeregt und zog an Marks Arm, in den sie sich eingehakt hatte. Sie hatten beschlossen, den Rückweg zu laufen, auch wenn es ewig dauern würde, denn nach so einem Essen musste man sich bewegen, um ein gutes Gewissen zu behalten.
Jetzt überquerten sie eine Brücke, und Anne war stehen geblieben um fasziniert auf ein Spinnennetz zu starren, dessen Fäden von winzigen Wassertropfen eingehüllt und gefroren waren. Weiß hoben es sich vom schwarzen Nachthimmel ab und Anne betrachtete dieses Kunstwerk der Natur hingerissen.
„Stell dir vor, jemand friert dein Zuhause einfach so ein.“, flüsterte sie empört und schlang ihre dünne Jacke enger um sich. Erst jetzt merkte er, dass sie zitterte.
„Ich weiß ja, dass dir selten zu kalt ist, aber das kann doch nicht gesund sein. Möchtest du meine Jacke haben?“
Anne lachte nur.
„Das wäre mir viel zu klischeehaft. Wieso sollst du frieren, weil ich unbedingt die schicke Jacke anziehen wollte und nicht die die zum Wetter passt? Wer schön sein will muss leiden. Außerdem habe ich mir heute Abend mindestens eine wärmende Fettschicht angefressen.“
Er legte den Arm um sie, damit sie wenigstens etwas Wärme behielt, und sah einen Moment auf das Spinnennetz.

„Weißt du, du bist vielleicht ein bisschen wie die Spinne. Du baust dein Leben in die Kälte und bedenkst nicht, dass sie dich irgendwann umbringen könnte.“, sagte er leise, dann schob er sie von der zugigen Brücke und begann, von etwas ganz anderem zu reden. Anne bekam nicht wirklich mit, worüber er als Nächstes sprach, weil sie noch damit beschäftigt war, seine letzte Aussage zu verstehen. Sprach er da über ihre Liebe zu Kälte, Eis und Schnee, oder meinte er doch etwas anderes?
Super schöner Teil Big Grin

Schön das Anne und Mark zusammen essen waren.
Valerie braucht aber lange um eine Wohnung auszusuchen. Das macht sie bestimmt mit Abschicht um länger mit Simon zusammen zu sein.

Bin gespannt wie es weiter geht.
Ich find das Ende toll <3 Also der Vergleich mit dem Spinnennetz und Anne. Hast du super gemacht Smile
Hmm whatelse. Mir gefällt, wies weitergeht. Aber Anne und Simon sollen doch bitte bitte wieder miteinander reden !
Der Vergleich mit der Spinne ist super schön! <3

Ich mag Mark Big Grin

Bin schon gespannt was aus der Verkupplung wird..

Freu mich auf den nächsten Teil!
Ach den hab ich ja auch gelesen und noch nicht kommentiert *kopfschüttel*

Schlimm, die Mel ;D

Ich fand' ihn toll.
Annie ist schon ein wenig kleines Mädchen, wenn man so über sie liest ^^
Und der arme Simon wird zu seinem Glück gezwungen ;D
Aber toll geschrieben, mein Herz Smile
wie immer...

du geht mir unser Marklerinnentöchterchen jetzt schon auf den Sack Wink

[SIZE=2]so. weiter gehts.[/SIZE]

Vierzehn
Juli 2009
Es hatte schon immer diese Momente gegeben, in denen sie ihm völlig fremd war. Momente, in denen er nicht wusste, was er sagen sollte, oder nicht wusste, was sie als nächstes tun würde. Simon kannte Anne besser als alle anderen, er wusste mehr über sie als sie glaubte – vielleicht sogar manchmal mehr, als sie selbst über sich wusste – aber manchmal war all dieses Wissen nutzlos. Dann stand er da wie ein Trottel und fühlte sich schlimmer als in einer Matheprüfung, ganz allein mit der Unfähigkeit, den nächsten Schritt zu überlegen. Und das schlimmste von allem war, dass sie meistens selbst nicht wusste, wie man ihr helfen konnte. Es waren Momente wie diese, die Simon daran zweifeln ließen, dass ihre Freundschaft wirklich so besonders war.
Auch jetzt war wieder so ein Moment, und er wünschte, er wäre einfach wieder gegangen, als sie ihre Gartentür nicht geöffnet hatte. Wie üblich aber hatte er nach mehrmaligem Klopfen und Rufen gehen wollen und war dann durch einen allergiebedingten Niesanfall aufgehalten worden- gerade rechtzeitig, denn hätte er sich tatsächlich umgedreht, wäre er womöglich auch noch über mrs. Mistoffelees gefallen, der es sich unmittelbar hinter seinen Füßen bequem gemacht hatte.
Was er sah, als er den Kater (in Angst, er würde ihm sonst nach hause folgen) mit Hilfe seines Ersatzschlüssels in die Wohnung ließ, zwang ihn jedoch zum bleiben.
Es war dunkel in der Wohnung und er sah nur ihre Umrisse im gedämpften Licht des Aquariums. In der Hand hielt sie eine dampfende Teetasse, der Wasserhahn in der Küche tropfte und verursachte ein unheimliches hohles Klopfen, das die ganze Wohnung durchdrang und perfekt zu dem verwirrten Guppy passte, der im selben Rhythmus scheinbar unbeirrt immer wieder gegen die Scheibe des Aquariums schwamm. Simon blinzelte verwirrt und schaltete eine kleine Stehlampe anstatt der Deckenbeleuchtung, um sie nicht zu erschrecken.
„Annie? Du magst keinen Tee.“, erklärte er und setzte sich neben sie aufs Sofa.
Mrs. Mistoffelees sprang ihr haarwolkenverbreitend auf den Schoß und schaute sie ebenso argwöhnisch an wie Simon. Er schien ebenfalls verwirrt zu sein und stupste sie besorgt mit der Schnauze an, und das erste Mal in seinem Leben empfand Simon eine gewisse Sympathie für den anaphylaktischen Schock auf vier Beinen.
Anne kraulte dem dicken Kater abwesend den Kopf und sah Simon nicht an.
„Ja, ich weiß. Ist auch eklig. Ich dachte das wirkt beruhigend, weil das immer alle sagen.“, versuchte sie zu erklären und hielt ihm die Tasse hin.
„Trink du ihn, ich kann damit nichts anfangen.“
Simon stellte die Tasse auf den Couchtisch und nieste, woraufhin der Kater wie immer unter dem Schrank verschwand. Anne lachte leise.
„Was ist denn los? Wozu brauchst du Beruhigung?“, fragte Simon, nachdem er sich die Nase geputzt hatte, und legte den Kopf schief.
„Ich hab wieder schlecht geträumt.“, sagte sie und er nickte nur. Alpträume hatte sie oft.
„Und dann hab ich gedacht, das kann so nicht weitergehen.“
Das hatte sie auch oft.
„Und dann hab ich die Namen der Polizisten, die bei dem Brand bei meinen Eltern ermittelt hatten, im Telefonbuch gesucht. Du weißt ja, die waren schon in Rente, und die Polizei wollte mir keine Nummer geben und die hatten beide so Allerweltsnamen... das waren hunderte im Telefonbuch!“
Er nickte nur und bedeutete ihr, weiter zu reden.
„Und dann hab ich die einfach alle angerufen. Nachgefragt, ob jemand einen Polizisten a. D. kennt. Und einen Privatdetektiv angestellt, der mir dabei geholfen hat. Und ich hab sie gefunden. Beide.“
„Echt?“
So weit war sie nie gegangen. Bisher hatte sie bei dem Namenssalat im Telefonbuch immer aufgegeben und gehofft, dass sie irgendwann auch so die Nummern bekommen würde.
„Ja. Echt. Und rate mal wo ich sie gefunden hab?“
„Naja, irgendwo in der Stadt schätz ich?“
Sie lachte bitter und stand auf.
„Genau. In der Stadt. Einer ist auf dem Hauptfriedhof, Grab 28, Reihe 88. Und der andere...“ Sie brach ab, schüttete etwas Katzenfutter in den Napf und drehte sich dann ruckartig wieder zu Simon um.

„Der andere ist im Altenheim an der Färberstraße. Im Eichenhof, das ist die Sonderstation für extra schwere Demenzfälle. Der kann mir bestimmt sagen was damals war.“
Er öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Wahrscheinlich konnte man jetzt eine gewisse Ähnlichkeit zwischen ihm und dem armen Guppy im Aquarium feststellen, der immer noch nicht gerafft hatte, dass die Scheibe nur durchsichtig, aber nicht durchlässig war.
„Das heißt?“, fragte er dämlicher Weise und meinte fast spüren zu können, wie auch er gegen eine unsichtbare Wand schwamm.
„NICHTS.“, keifte sie plötzlich. „Das heißt dass ich NICHTS mehr darüber erfahren werde, wer meine Eltern umgebracht hat, und dass mir NIEMAND sagen kann, was das für Narben sind. Diese scheiß Narben, Simon, jeder sieht nur die verdammten Narben in meinem Gesicht und fragt sich wo die herkommen. Die sind ICH! Und ich weiß nicht wer ich bin!“
„Annie...Das ist doch nicht wahr.“
Er stand vorsichtig auf und ging auf sie zu, als sie mit einem Ruck die Stehlampe in seine Richtung schubste.
„Jetzt fang du nicht auch noch an zu lügen! Was hast du denn als erstes gedacht, als du mich zum ersten Mal gesehen hast?“
Reflexartig fing er die Lampe gerade noch ab, bevor sie auf den Boden fiel, und blieb stehen.
„Da war ich fünfzehn, Annie. Das ist was ganz anderes. Erwachsene achten da gar nicht so drauf.“
Er wusste dass er log. Aber was sollte er sonst tun? Was sollte er sagen?

Plötzlich nahm sie die Lampe aus seiner Hand und stellte sie wieder auf.
Dann ging sie auf ihn zu und umarmte ihn so plötzlich und fest, dass er nur dastand und vor Überraschung und Verwirrung erstarrte.
Bevor er reagieren konnte, ließ sie ihn wieder los und schüttelte den Kopf.
„Du reparierst mir doch bestimmt den Wasserhahn, oder? Ich sollte mal duschen gehen.“
Er nickte langsam und sah ihr mit großen Augen nach. Es faszinierte ihn immer wieder, dass sie in so merkwürdigen einseitigen Gesprächen doch Trost zu finden schien.
Nein, manchmal verstand er sie nicht im Geringsten. Aber sie schien das nicht zu stören.


*
August 2009
Das Tor quietschte so laut, als wollte es bestätigen, dass es mindestens drei mal so alt war wie die Bewohner des Altenheims, die es bewachte.
Anne zog ihren Minirock glatt und hoffte, dass sie das Heim auch betreten durfte, wenn ihre Kleidung durchaus aufreizend schien. Es war so furchtbar heiß, dass sie keine anderen passenden Kleidungsstücke in ihrem Schrank gefunden hatte, die Sonne knallte hochmotiviert vom Himmel und spiegelte sich in dem umzäunten Teich im Vorgarten des Heimes.
Anne sah sich um, doch der Garten war menschenleer - kein Wunder, bei dem Wetter! Schnell betrat Anne die riesige alte Villa, und sofort schlug ihr angenehm kühle Luft entgegen.
Eine Pflegerin in strahlend weißer Kleidung wartete an der Rezeption und sprach gegen den Lärm des Ventilators hinter sich an, damit der offenbar schwerhörige Herr, mit dem sie sich unterhielt, sie verstehen konnte. Es klappte nicht.
Anne wartete höflich einige Meter entfernt, obwohl es bei dieser Lautstärke ohnehin nicht möglich war, das Gespräch nicht mitzuhören.
Als der komplizierte Vierwortsatz (die Antwort auf die Frage nach der Uhrzeit )schließlich bei dem alten Herrn angekommen war, zog dieser seine Schuhe aus, hängte sie sich an den Schnürbändern um den Hals, nickte der Pflegerin freundlich zu und verschwand. Die Pflegerin lächelte milde und wandte sich dann an Anne.
Was kann ich für sie tun? Sind sie zu Besuch hier?“, fragte sie freundlich und reichte ihr eine Flasche Desinfektionsspray.
Es geht grad wieder eine Krankheitswelle um, das soll hier gar nicht erst ausbrechen, dankeschön.“
Anne desinfizierte gehorsam ihre Hände und beantwortete dabei die Frage der Pflegerin.
Ja, ich bin zu Besuch, aber nicht für Familie. Geht das auch?“
Wohin wollen sie denn?“
Herr Mayer? Ehemaliger Polizist.“
Sie strich sich nervös über die Narbe am Hals und wartete gespannt, doch die Antwort kam schnell.
Der war grad hier. Bekommt sonst nie Besuch. Möchten sie etwas über einen seiner Fälle wissen?“
Anne nickte und ihr Mut sank.
Der Herr mit den Schuhen?“, fragte sie leise und die Pflegerin strahlte. „Ja! Er redet den ganzen Tag nur von seinen Fällen, kommen sie, er wird sich freuen seine Geschichten erzählen zu können!“
Sie kam hinter der Rezeption hervor und zeigte auf den Aufzug.
Ganz nach oben, ich muss ihnen aufschließen, es ist eine geschlossene Station.“
Anne folgte ihr sprachlos. Sie konnte ihr Glück kaum fassen. Würde sie hier ihre Antworten finden? Der Aufzug fuhr ruckartig an und sie klammerte sich an einen Griff. Die Pflegerin begann wieder leise zu sprechen.
Da oben ist es etwas... anders.“, erklärte sie zögerlich. „Ich hoffe sie lassen sich davon nicht abschrecken. Und erwarten sie nicht zu viel von Herrn Mayer. Er wirft viel durcheinander und erfindet auch einiges...“
Anne nickte, obwohl es schon zu spät war: Sie hatte bereits viel zu hohe Erwartungen. Es musste einfach klappen! Wenn sie dem Geheimnis um ihre Vergangenheit nicht endlich näher kommen würde, würde sie noch verzweifeln.
Viel Glück.“, sagte die Pflegerin und schloss die Stationstür auf. Anne betrat die Station und fand den ehemaligen Kriminalhauptkommissar sofort. In ihrem Magen vermischten sich Erwartung, Freude, Aufregung und Angst zu einem großen Klumpen. Noch immer trug er die Schuhe um den Hals.
Herr Mayer?“


Er musste etwa 75 Jahre alt sein, so schätzte Anne, als sie ihm bei einem Kaffee gegenüber saß. Er war zunächst sehr unsicher gewesen, hatte bei ihrem Anblick die Hände auf seine Schuhe gelegt und sich verwirrt umgesehen.
Sie hatte sich gesetzt und ihm erklärt, dass er sie nicht kannte und warum sie hier war. Als sie die Worte „ein Fall von ihnen“ aussprach, bekamen seine Augen einen seltsamen nostalgischen Glanz und er lächelte.
Warum tragen sie ihre Schuhe um den Hals?“, fragte Anne und nahm sich einen Keks, den er ihr stolz angeboten hatte. Er war stolz auf sein großes Einzelzimmer, das er „die Junggesellenbude“ nannte.
Jetzt errötete er und nahm die Schuhe ab.
Ich habe sie mir umgehängt, weil auf dem Trainingskurs eine Stelle ist, die man ohne Schuhe laufen muss. Dann hab ich sie wohl vergessen. Manchmal bin ich... vergesslich. Ein bisschen. Das sagt mein Partner auch immer.“
Anne versuchte, nicht daran zu denken, dass sein Partner nach ihren Nachforschungen bereits vor 10 Jahren gestorben war und der „Trainingskurs“ nur ein Flur des Altenheims zu sein schien. Sie wollte ihn in seiner Illusion lassen.
Ach so! Ja, das stimmt, wissen sie, ich bin auch vergesslich. Ich gehe oft vom einen Raum in den Anderen und vergesse dabei, was ich dort wollte.“
Sie lachte und nahm noch einen Keks. Mayer lächelte zufrieden.
Sie sind wegen des Becker- Brands hier, richtig?“, fragte er plötzlich, und Anne verschluckte sich an ihrem Kaffee.
Ach, wie kannst du an so einer Stelle aufhören? Das ist fies Motz
Ich mag den alten Herren. Wie du die ganzen Charaktere immer erfindest - das ist echt der Wahnsinn. Jeder hat seine Eigenheit, jeder seine eigene Geschichte...
Ich bin mehrrrr als gespannt, was der Mann zu erzählen hat!
Sehr toll geschrieben aber wie kannst du nur an so einer spannenden Stelle aufhören Wink

Binn gespannt ob Herr Mayer ihr helfen kann?
CoughSweet schrieb:Ach, wie kannst du an so einer Stelle aufhören? Das ist fies Motz


ganz meine meinung! Faint


allerdings muss ich sagen, dass die reihenfolge hier ein wenig unglücklich gewählt wurde, wegen der stelle, an der sie die zeitungsfotos durchstöbert.
dadurch wissen wir nämlich schon, dass diese unterhaltung nicht sonderlich viel ergeben kann, sonst wäre sie ja nicht immernoch so verzweifelt auf der suche nach antworten? oder seh ich das falsch?
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